Plakatwettbewerb Schluss mit der Stubenhockerei

Europas Bildungsminister wollen den Studenten Beine machen, damit sie ein, zwei Semester im Ausland verbringen. Das Deutsche Studentenwerk veranstaltete einen Wettbewerb zum Thema "Hochschulraum Europa" - und 118 Studenten machten mit. SPIEGEL ONLINE zeigt die besten Motive.


Bologna ist mehr als nur eine schöne italienische Stadt. Hier trafen sich vor vier Jahren Bildungsminister aus 29 Ländern und stellten die Weichen für eine kleine europaweite Hochschulrevolution. Neue Abschlüsse, neue Standards, europaweite Mobilität - um die Bologna-Beschlüsse ist es an deutschen Unis bis heute seltsam still.

Bolognese-Mix: "Lernen, lernen, nochmals lernen", empfiehlt Damiam Murgalla - Platz 1 beim Wettbewerb
Deutsches Studentenwerk

Bolognese-Mix: "Lernen, lernen, nochmals lernen", empfiehlt Damiam Murgalla - Platz 1 beim Wettbewerb

Mit einer Konferenz Mitte September in Berlin wollten Minister und Bildungsexperten aus 40 Ländern eine neue Marschroute festlegen und das Thema studentische Mobilität stärker in die Öffentlichkeit tragen. So sollen bis 2005 alle Universitäten beginnen, einheitliche Abschlüsse einzuführen ergänzt durch ein Doktoranden-Studium als Nahtstelle zur Forschung.

In Deutschland sind Bachelor und Master indes bisher nur eine Randerscheinung - was den Wechsel ins Ausland erschwert. Noch sind viel zu viele Studenten Stubenhocker: Nur etwa jeder achte Hochschulabsolvent kann einen Zwischenstopp an einer ausländischen Uni vorweisen. Die Studenten hätten keine Lust, durch einen Auslandaufenthalt ein, zwei Semester zu verlieren, nur weil die Anerkennung ihrer Studienleistungen Probleme mache, sagte Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn in Berlin. Der "Bologna-Prozess" solle ein Studium ohne Grenzen in Europa erleichtern.

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Plakate zum Auslandsstudium: Schluss mit der Stubenhockerei

Ein Wettbewerb des Deutschen Studentenwerkes (DSW) mit dem Motto "Hochschulraum Europa" hat die guten Absichten der Ministerriege plakativ begleitet. "Die Entwürfe der Studierenden zeigen, dass sie große Hoffnung in einen sozial und kulturell ausgefüllten Hochschulraum setzen", sagte DSW-Präsident Hans-Dieter Rinkens bei der Kür der Siegerbeiträge. 5000 Euro Preisgeld lobte die Jury insgesamt aus, den ersten Platz belegte Damian Murgalla von der Universität Wuppertal für seinen Beitrag "Was macht ein Deutscher in...?". 156 Entwürfe hatten 118 Studierende von 19 Hochschulen eingereicht.

Das Studentenwerk richtet den vom Bildungsministerium geförderten Plakatwettbewerb seit 1987 jährlich aus. Studenten aller Fachrichtungen, vor allem aus Designstudiengängen, setzen sich dabei mit einem aktuellen Thema auseinander. Um das internationale Studium ging es bereits mehrfach, aber auch um Themen wie "Vom Hörsaal in den Job", Sport oder "Einmischen in eigener Sache".

Evelyn Findeisen und Ulrike Thalmann von der FH Potsdam gewannen den zweiten Preis bei einem Postkarten-Wettbewerb des Deutschen Studentenwerks. Die Potsdamer Studentinnen finden, dass Menschen in anderen Länder manchmal gar nicht so anders sind. Sebastian Schmidt: Dem Kunststudenten aus Halle gelang es...
...neben dem dritten auch noch den vierten Preis zu holen - sein Motiv zeigt, dass auch das Studium Grenzen hat. 2. Preis, 2. Teil: Die beiden Potsdamer Studentinnen lassen Geschlechter-Gerechtigkeit walten. Den ersten Preis gewann Katrin Kaufmann mit ihrer "Reisespass"-Idee.


Grenzenlos studieren: Vier Gewinner eines Design-Wettbewerbes des Deutschen Studentenwerks - klicken Sie auf ein Bild, um zur Großansicht zu gelangen.

Im neuen Wettbewerb sucht das DSW nach Ideen zur Chancengleichheit an den Hochschulen. "Bei der Entscheidung für oder gegen ein Studium ist häufig die soziale Herkunft und die finanzielle Situation der Eltern ausschlaggebend", sagt Hans-Dieter Rinkens; von Chancengleichheit könne man da nicht sprechen.

"Reisespaß": Studenten sollen mobiler werden
Deutsches Studentenwerk

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Kritisch, witzig oder provokant sollen die Plakatbeiträge der Studenten sein, die dabei sowohl das Thema grundsätzlich behandeln als auch einzelne Aspekte herausgreifen können. Anmeldungen sind bis zum 1. Dezember 2003 möglich, Einsendeschluss der Entwürfe ist der 23. Februar 2004.

Ein weiteren Wettbewerb startet in diesem Wintersemester erstmals, der Preis für "besonderes soziales Engagement im Hochschulbereich". Das Deutsche Studentenwerk sucht vorbildliche Initiativen - Studenten oder studentische Gruppen, die sich durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit für Kommilitonen einsetzen.

Nominiert werden kann zum Beispiel, wer Erstsemester mit einer Orientierungsphase den Einstieg erleichtert, sich für ausländische Studenten ins Zeug legt oder für mehr Kinderbetreuungsplätze an seiner Hochschule einsetzt. Auch hier winken 5000 Euro Preisgeld. Einsendeschluss für alle Vorschläge ist der 1. Dezember 2003.



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