Forscherin über "House of Cards" Ich wünsche Erfolg, Mr. President

Ihr Hunger nach Macht ist erschreckend, doch die Zuschauer wünschen viel Erfolg: Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Wendy Schiller erklärt im Interview, was an Präsident Underwood aus "House of Cards" realistisch ist und was zu weit hergeholt.

Präsident Underwood und Gattin: Erfolgreiche Politiker haben loyale Helfer im Team
AP/ Netflix

Präsident Underwood und Gattin: Erfolgreiche Politiker haben loyale Helfer im Team


Er hat zwei Menschen auf dem Gewissen und wird US-Präsident, ohne je eine Wahl gewonnen zu haben: In der erfolgreichen TV-Serie "House of Cards" spielt Kevin Spacey einen skrupellosen Machtmenschen.

Ende Februar beginnt die dritte Staffel und läuft als Erstes beim Bezahlsender sky. Die amerikanische Politikwissenschaftlerin Wendy Schiller von der Brown University in Providence, Rhode Island, analysiert, ob eine Karriere wie die von Frank Underwood und seiner Frau Claire tatsächlich möglich wäre.

SPIEGEL ONLINE: Frau Schiller, für wie realistisch halten Sie "House Of Cards"?

Schiller: Ich bin da hin- und hergerissen. Als Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus hat Frank Underwood viele Deals ausgehandelt, um für bestimmte Gesetze genügend Stimmen zu bekommen - so funktioniert das tatsächlich in der US-Politik. Glaubwürdig ist es auch, wie sich Frank und seine Frau Claire Underwood gegenseitig bedingungslos unterstützen auf dem Weg nach oben - schauen Sie sich Bill und Hillary Clinton an, die haben das genauso gemacht und sind ähnlich machtbewusst.

SPIEGEL ONLINE: Und was halten Sie für weniger glaubwürdig?

Schiller: Ich glaube, es wäre in der Realität schwer, den Vizepräsidenten und schließlich auch den Präsidenten mit fingierten Skandalen aus dem Amt zu jagen, um dann selbst nachrücken zu können. In Wahrheit wären einem wohl die Medien auf die Schliche gekommen.

SPIEGEL ONLINE: Auf dem Weg nach ganz oben hat Underwood nicht eine Wahl gewinnen müssen. Kann man so in einer Demokratie tatsächlich zum mächtigsten Mann aufsteigen?

Schiller: Ja, als Richard Nixon 1974 wegen des Watergate-Skandals zurücktreten musste, rückte sein Vize Gerald Ford nach - ohne Wählervotum. Er hat sich dann zwei Jahre später zur Wiederwahl gestellt, verlor jedoch gegen Jimmy Carter.

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SPIEGEL ONLINE: In der Serie erledigt Doug Stamper, ein Mitarbeiter Underwoods, alle Drecksarbeit. Gibt es solche Typen tatsächlich?

Schiller: Jeder erfolgreiche Politiker verfügt in seinem Team über loyale Helfer, die ihn von Beginn seiner Karriere an begleiten. Ich glaube tatsächlich, dass diese Mitarbeiter einiges für ihre Chefs tun. Dazu zählt auch, bestimmte Dinge zu vertuschen, manchmal vielleicht sogar im Graubereich der Kriminalität. Ich weiß aber von keinem Helfer, der für seinen Boss jemanden umgebracht hat.

SPIEGEL ONLINE: Underwood hat zwei Morde begangen. Glauben Sie, dass es möglich ist, mit dem schlechten Gewissen eines Mörders ein guter Politiker zu sein?

Schiller: Ich denke, dass ambitionierte Politiker sich erfolgreich einreden können, dass alles, was sie getan haben, der richtigen Sache diente. Nixon hat in seinem berühmten Interview mit dem Journalisten David Frost gesagt: "When the president does it, that means it is not illegal." Sprich: Egal, was der Präsident tut, es ist immer legal. Ich weiß nicht, ob Nixon hier auch Mord meinte, aber sobald Politiker sehr von sich und ihrer Agenda überzeugt sind, besteht auch die Möglichkeit, dass sie zu weit gehen.

SPIEGEL ONLINE: Hoffen Sie, dass Underwood in der dritten Staffel fällt? Oder drücken Sie ihm und seiner Frau Claire die Daumen?

Schiller: Ich wünsche mir schon, dass sie Erfolg haben, und ich glaube, das geht vielen Zuschauern so. Eigentlich ist das ja ungewöhnlich, weil sich die beiden so unmoralisch verhalten und ihr Hunger nach Macht erschreckend ist.



insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
Ollst 24.02.2015
1. Danke..
..für dieses tolle, ausführliche und nicht zuletzt journalistisch wertvolle Interview. Ok ich bin mal ehrlich, ein bisschen mehr Inhalt hätte ich mir schon gewünscht. Man hätte ja mal ansprechen können, dass Kevin Spacey mit echten Mehrheitsführer im Repräsentantenhaus gesprochen hat und er ihm gesagt hat, dass die Serie erschreckend nahe an die Realität kommt. Egal die Serie ist spannend, wenn auch natürlich nicht 100% realitätsnahe, aber trotzdem sehr gut.
stranzjoseffrauss 24.02.2015
2. Neuerdings sind sechs Sätze schon ein Interview
viel steht nicht drin, also besser den Artikel zu HoC bei Wikipedia lesen.
sysop 24.02.2015
3. #2
...oder einfach mal "House of Cards" in unsere Suchfunktion, oben rechts auf der Site, eingeben.
Bueckstueck 24.02.2015
4. Bei mir ist es so:
Wenn ich mir das Schaffen des Frank Underwood anschaue, dann bin ich einerseits angewidert davon zu beobachten wie schlecht die Menschen sind die für uns arbeiten sollten und weil ich mir ziemlich sicher bin, dass das nur die Spitze des Eisbergs der Realität ist und andererseits fasziniert von den taktischen Zügen die er plant und durchführt - ist halt spannend. Am Ende hoffe ich aber, dass ihm seine Intrigen und Verbrechen um die Ohren fliegen, weil es einerseits sein muss und andererseits ich sehen will, wie er damit umgeht - zieht er dann ebenso eiskalt die Konsequenzen für sich selbst, stellt er sich seiner Verantwortung oder hat er etwa einen künftigen Präsidenten in der Tasche der ihn zum Ende seiner Amtszeit begnadigt?
kulinux 24.02.2015
5. Ich wünsche den beiden Erfolg
weil ich sowohl Spacey als auch Robin Wright für tolle Schauspieler halte ;-) Abgesehen davon: 2 Morde auf dem Weg nach oben? Das sind doch "peanuts" im Vergleich zu Kriegen, die man mit Lügen anzettelt und in deren Folge Hunderttausende umkommen, oder?
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