Prämien-Premiere Gutes Geld für gute Lehre

Erstmals schüttet Nordrhein-Westfalen die Einnahmen aus Studiengebühren aus. Leistung soll sich dabei lohnen: An die Fleischtöpfe dürfen reformfreudige Unis mit guten Lehrleistungen. Sie jubeln - und an den anderen Hochschulen gibt es lange Gesichter.

Zum Sommersemester 2004 hatte das Bundesland Nordrhein-Westfalen unter dem Tarnnamen "Studienkonten" Gebühren bei deutlicher Überschreitung der Regelstudienzeit eingeführt. Neben Langzeitstudenten müssen jetzt auch Senioren- und Zweitstudenten 650 Euro pro Semester zahlen. Das studentenstärkste Bundesland versprach sich davon Einnahmen von 90 Millionen Euro jährlich.

Das war schlecht kalkuliert, die Landesregierung hatte weder den Studentenschwund noch die Ausnahmen durch Sozialklauseln auf der Rechnung. Ein erheblicher Teil der bisher eingeschriebenen Studenten konnte oder wollte die Gebühren nicht zahlen und nahm prompt Reißaus.

NRW hatte aber bereits zugesichert, die Hälfte der eingeplanten Einnahmen an den Hochschulen zu verteilen. Obwohl nicht einmal die Hälfte der 90 Millionen beim Land ankam, will Wissenschaftsministerin Hannelore Kraft (SPD) Wort halten und nun tatsächlich 45 Millionen Euro ausschütten - nach einem neuen und eigenwilligen Konzept, das Qualität und Reformfreude belohnen soll.

Urteil der Studenten soll Folgen haben

Konkret sieht das so aus: Das Geld wird in vier Töpfe aufgeteilt. Rund elf Millionen Euro erhalten die Hochschulen gleichmäßig nach ihrem Anteil von Zweit- und Seniorenstudenten. Der Rest allerdings wird nicht mit der Gießkanne verteilt, sondern nach Wohlverhalten - so deuten es jedenfalls manche Rektoren.

So dürfen alle jene Hochschulen einen kräftigen Schluck aus der Pulle nehmen, die mit der Umstellung auf Bachelor- und Masterabschlüsse vorn liegen. Für diese neuen Studiengänge sind zehn Millionen vorgesehen. Weitere knapp zwölf Millionen gehen an Hochschulen, die in einem neuen Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) gut beim Qualitätsmanagement in der Lehre abschneiden. Die restlichen knapp zwölf Millionen Euro bekommen die Hochschulen für Folgekonzepte zur Lehre - sie sollen sich verpflichten, das Urteil ihrer Studenten stärker einzubeziehen.

"Ich möchte, dass die Hochschulen deutliche Anstrengungen unternehmen, Betreuung und Lehre dauerhaft zu verbessern - zum Vorteil ihrer Kunden, der Studierenden", sagte Ministerin Kraft am Donnerstag in Düsseldorf, "ihr Urteil über die Qualität ihrer Hochschule muss in Zukunft stärkere Konsequenzen haben."

Bonn jammert, Bochum jubelt

Das sind die Universitäten und Fachhochschulen bislang nicht gewohnt. Herausragende Forschung zahlt sich traditionell stets aus, Engagement in der Lehre indes bleibt meist ebenso folgenlos wie miserable Lehre. Damit hat Nordrthein-Westfalen zweifellos einen wunden Punkt getroffen.

Der Verteilungsschlüssel stößt bei weitem nicht an allen Hochschulen auf Gegenliebe - je nachdem, wieviel sie erhalten. So forderte die Universität Bonn, die nur etwa die Hälfte des eingenommenen Gebührenanteils zurück bekommt, das Geld solle gleich an den jeweiligen Hochschulen verbleiben. Vom Kuchenstück der "Bologna-Prämie" für eine schnelle Einführung gestufter Studiengänge erreiche die Uni Bonn "kein Krümel beziehungsweise kein Cent" - das Geld solle man besser in besonders belastete Fächer und Universitäten investieren.

"Wir können die Düsseldorfer Logik einfach nicht nachvollziehen", sagte der Bonner Uni-Kanzler Reinhart Lutz. Die Umstellung auf Bachelor und Master sei ausgesprochen teuer und zeitaufwändig für die Hochschulen, die zudem schon den Aufwand für die Gebührenerhebung tragen müssten. So habe das Bonner Studentensekretariat jedes Semester Hunderte von Sonder- und Härtefallanträgen zu bewältigen.

Zufriedenheit wächst mit zugeteilter Summe

An der Ruhr-Universität Bochum, die schon sehr früh auf die gestuften Abschlüsse setzte, triumphiert man dagegen: "Reformfreudigkeit zahlt sich aus." Die Bochumer bekommen - nach der Fernuniversität Hagen - den zweithöchsten Anteil der mit Studienkonten eingenommenen Gebühren landesweit; Düsseldorf überweist ingesamt drei Millionen.

"Wir freuen uns enorm über diese Anerkennung unserer Studienreform in den letzten Jahren", sagte der Bochumer Rektor Gerhard Wagner. 60 Prozent aller Studienanfänger sind in Bochum bereits in gestuften Fächern eingeschrieben.

Zufrieden ist auch die RWTH Aachen, die in der Hitliste des CHE für Qualitätsmanagement den ersten Platz in Nordrhein-Westfalen einnimmt. Ebenfalls stolz und erfreut sind die Fachhochschule Köln als Zweiter im CHE-Ranking und die drittplatzierte Universität Duisburg-Essen.

Als unsystematisch kritisierte die oppositionelle CDU das Verteilungssystem. Auch die FDP will, dass die Hochschulen eigenständig über die Erhebung und den Verbleib von Studiengebühren entscheiden dürfen.

Von Jan Friedmann und Jochen Leffers


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