Präsidenten-Bruder Singen mit Mr. Bush

Mr. Neil Bush ist der Bruder des Präsidenten und verkauft Lernprogramme, die die amerikanische Geschichte besingen. Auch mit dem Bildungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate hat er schon verhandelt.

Einen Schulbesuch von Mr. Bush darf man sich laut "New York Times" (NYT) so vorstellen: Mr. Bush, Sohn von George Bush Senior, betritt eine ganz gewöhnliche, amerikanische Middle School. Doch statt, wie man vielleicht aus PR-Gründen erwatet hätte, zielstrebig auf eine Klasse voller aufgeregter Schüler zuzusteuern, betritt er einen Konferenzraum. In diesem erwartet ihn ein gutes Dutzend Schulrektoren aus der Gegend mit erstaunlicher Gelassenheit. Kurz darauf kann man die "Articles of Confederation" in der Rap-Variante, unterlegt mit einem seichten Hip-Hop-Beat, bis auf den Flur hinaus hören.

Denn Mr. Bush ist nicht DER Mr. Bush, sondern nur dessen jüngerer Bruder Neil. Und Neil verkauft Computer-Lernprogramme für Schulen.

Weil aber Neil Bush ebenso stolz auf sein Heimatland ist wie der Rest der Familie, hat er sich selbstverständlich auf den Geschichtsunterricht spezialisiert. Schließlich, so Neil Bush gegenüber der NYT, sind die USA "das großartigste Land der Welt" - und deshalb sollten die kleinen Patrioten sich auch in der amerikanischen Geschichte auskennen.

Um den Achtklässlern, für die seine Lernprogramme bestimmt sind, die komplexen Sachverhalte verständlich zu machen, hat Mr. Bush auf ganz besondere Lehrmethoden zurück gegriffen. Mit Hilfe ehemaliger Lehrer und Hollywood-Trickfilmexperten hat er der trockenen Geschichte Leben eingehaucht. So taucht George Washington auch mal als Cartoon-Charakter auf, und die Unabhängigkeitserklärung ist in der gesungenen Fassung ohnehin viel einprägsamer.

Bis jetzt wird Mr. Bushs Software in fünf US-Staaten als offizielles Unterrichtsmittel verwendet - unter anderem auch in Florida und Texas. In beiden Staaten war, wie George W. Bush in Texas, oder ist, wie Bruder "Jeb" John Ellis Bush in Florida, ein Mr. Bush Gouverneur. Das soll aber natürlich nichts mit dem Erfolg von Mr. "Lernprogramm" Bush zu tun haben. Er habe sich lediglich auf Grund ihrer Größe für die beiden "Bush"-Staaten entschieden.

Und überhaupt: Mit Politik will Mr. Bush gar nichts zu tun haben. Er ist rundum zufrieden mit seinem Leben und seiner Softwarefirma Ignite!. Das kann er auch, denn immerhin hat Ignite! laut NYT in den letzten drei Jahren einen Umsatz von 20 Millionen Dollar erzielt - Tendenz steigend. Vor nicht allzu langer Zeit hat er zum Beispiel mit dem Bildungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate über die Einführung seines Lernprogramms an den dortigen Schulen verhandelt. Nun gehören die Vereinigten Arabischen Emirate zwar nicht unbedingt zu den Lieblingsländern seines fast zehn Jahre älteren Bruders George, doch Mr. Bush will schließlich nur gute Geschäfte machen.

Mit seiner Abneigung gegen die Politik fällt er zwar etwas aus der Art des republikanischen Familien-Clans - immerhin war schon Großvater Prescott Senator für den Bundesstaat Conneticut - aber Mr. Bush lässt das relativ kalt. Nicht sonderlich an Politik interessiert zu sein ist schließlich auch für einen Bush keine Schande. Und wenigstens trägt er so auch etwas zur Allgemeinbildung bei.

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