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26. Mai 2011, 14:52 Uhr

Präsidentenwahl in Eichstätt

Berkeley-Professor setzt sich durch

Der Außenseiter hat die Wahl gewonnen: Der Ordensgeistliche Richard Schenk wird Präsident der Katholischen Universität Eichstätt. Damit dürfte das seit drei Jahren andauernde Führungschaos beendet sein.

Mit einer Überraschung endete die Wahl des neuen Präsidenten an der skandalgeschüttelten Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU). Nicht der bis zuletzt favorisierte Interims-Präsident Andreas Lob-Hüdepohl wurde am Donnerstag vom Hochschulrat gewählt, sondern der Ordensgeistliche Richard Schenk.

Schenk, 59, erhielt bereits im ersten Wahlgang zehn von 15 abgegeben Stimmen des Hochschulrats. Dem Hochschulrat gehören sieben externe Mitglieder aus Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft, sowie die acht gewählten Senatsmitglieder an.

Der Ordensgeistliche Schenk ist derzeit Professor für Philosophie und Theologie an der Dominican School of Philosophy and Theology im kalifornischen Berkeley. Möglicherweise hat Schenks umfangreichere wissenschaftliche Vita den Ausschlag gegeben oder die Tatsache, dass der Kalifornier, im Gegensatz zu Lob-Hüdepohl, geweihter Priester ist.

An der Katholischen Universität Eichstätt war es im Frühjahr 2008 zu einem Eklat gekommen, als der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke sich weigerte, den ordnungsgemäß gewählten Theologen und Unternehmer Ulrich Hemel als neuen Präsidenten zu bestätigen. Im Verlauf des Streits nahmen mehrere Mitglieder der Hochschulleitung ihren Hut. Seither suchte die Universität erfolglos nach einem neuen Leiter. Im Mai 2009 fiel die Wahl auf den in den USA lehrenden Theologen Richard Hütter. Der machte nach seiner Wahl im Mai 2009 aber selbst einen Rückzieher , weil er mit den Vertragsbedingungen nicht einverstanden war.

Inzwischen wurde die Hochschulverfassung reformiert. Sie sieht nun vor, dass die Kirche gegen einen vom Hochschulrat gewählten Kandidaten keinen Einspruch mehr erheben kann. Sie kann aber zuvor in ihren Augen ungeeignete Bewerber "aussieben".

Es ist deshalb nur noch eine Formalie, dass er vom Münchner Erzbischof Reinhard Marx ernannt werden muss. Marx leitet seit Oktober 2010 den Stiftungsrat der KU, der als offizieller Träger der Hochschule fungiert. Läuft alles nach Plan, tritt Schenk sein Amt am 1. Oktober an.

Die KU umfasst acht Fakultäten. 4.600 Studenten sind in Eichstätt eingeschrieben, 120 Professoren arbeiten an der Universität. Sie wird zu etwa drei Vierteln vom Land Bayern, zu einem Viertel von den bayerischen Bischöfen finanziert.

bim/dpa/dapd

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