Gutachten Pflichtpraktika im Studium sind oft schlecht

Unzureichende Betreuung, schlechte Kooperation, mangelnde Absprachen: Viele Studenten absolvieren während des Studiums ein Praktikum, doch das läuft nicht immer gut. Verantwortlich dafür sind auch die Unis.

Pharmaziestudenten im Praktikum
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Pharmaziestudenten im Praktikum


Ein Praxissemester während des Studiums ist für viele eine willkommene Ablenkung vom Alltag im Hörsaal - vor allem aber soll das Praktikum Studierende auf den Arbeitsmarkt vorbereiten und ihnen Einblicke in die Berufswelt geben. Dabei kommt es nicht unbedingt darauf an, mehr und längere Praktika zu absolvieren. Die Qualität entscheidet - und die ist oft unzureichend.

Zu diesem Schluss kommt ein in Potsdam vorgestelltes Gutachten, wie die Hochschulrektorenkonferenz mitteilte. Für die Studie wurden die Praktikumsordnungen an insgesamt neun deutschen Universitäten und Hochschulen verglichen.

Das Ergebnis zeigt, dass es bei der Organisation und Durchführung von Praktika deutlichen Verbesserungsbedarf gibt - von Seiten der Unis und der Arbeitgeber. Oft sind die Kooperationen zwischen Hochschulen und Unternehmen nicht ausreichend, vorhandene Praktikumsordnungen sind zu oberflächlich formuliert und die Praktika sind nicht ausreichend ins Studium integriert.

Bisher sind Praktika vielerorts noch immer "ein bloßes Anhängsel des Studiums" erklärt Erziehungswissenschaftler Wilfried Schubarth, einer der Autoren des Gutachtens. Es sei oft Zufall, ob ein Studierender einen guten oder schlechten Praktikumsplatz erwischt.

Problem ist demnach die unzureichende Betreuung der Studierenden. Auf der Suche nach einem passenden Praktikum sind viele Studenten auf sich gestellt - da Ansprechpartner an den Unis fehlen, und die vorhandenen Praktikumsvorgaben als Orientierung nicht ausreichen, so das Gutachten.

Von einem qualitativ hochwertigen Praktikum profitieren jedoch alle Seiten - Studierende erhalten Einblicke in die Praxis, bringen dafür aber wissenschaftliche Erkenntnisse und aktuelle Befunde ins Unternehmen. Hochschulen wiederum gewinnen Anregungen für die Forschung. Deshalb fordern die Gutachter nun eine Qualitätskontrolle für Praktika.

Schubarth und seine Kollegen haben einen Katalog mit Empfehlungen für Qualitätsstandards entwickelt. Demnach sollen Hochschulen inhaltlich, formal und strukturell festlegen, wie ein Praktikum ablaufen soll. Dabei soll beispielsweise die Dauer, Bewertung und Arbeitsbelastung für Studierende festgelegt sein. Auch soll es Ansprechpartner geben, die vor, während und auch nach dem Praktikum beratend zur Seite stehen. Andererseits müssten auch die Unternehmen ausreichend gute Praktikumsplätze anbieten.

asc/dpa

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