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06. Mai 2014, 17:58 Uhr

Boom der Privaten

137.800 Studenten lernen an Bezahlhochschulen

Immer mehr junge Leute suchen ihr akademisches Glück an einer privaten Hochschule: Innerhalb eines Jahres stiegen die Zahlen um zehn Prozent - und damit doppelt so stark wie die Anzahl an Studenten insgesamt.

Private Hochschulen werden immer beliebter. Im Wintersemester 2012/13 waren knapp 137.800 Studierende an privaten Hochschulen eingeschrieben, zehn Prozent mehr als im Wintersemester davor. Die Zahl der Studenten insgesamt stieg in diesem Zeitraum hingegen nur um fünf Prozent. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit.

Seit dem Wintersemester 2000/2001 habe sich demnach die Zahl der Privathochschulstudenten knapp versechsfacht, sagte eine Mitarbeiterin des Amtes in Wiesbaden. Besonders stark legten die privaten Fachhochschulen zu: 85 Prozent der Privathochschulstudenten besuchten eine FH. Bei den Fächergruppen dominieren klar die Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: 63 Prozent der Studenten an privaten Hochschulen sind in einem dieser Bereiche eingeschrieben.

Private Hochschulen locken gern mit attraktiven Abschlüssen, einer guten Lernatmosphäre und einer engen Anbindung an die Wirtschaft. Eine bessere Betreuungsrelation kann jedoch nicht die Ursache für den großen Zuspruch sein: Rechnerisch kommen bei den privaten Hochschulen sogar mehr Studenten auf eine Lehrkraft als bei den öffentlichen.

Bei den privaten war 2012/13 eine Lehrkraft für 26 Studenten zuständig, an öffentlichen nur für 16 Studenten. Das liegt allerdings auch am unterschiedlichen Verhältnis von Forschung und Lehre.

Doch der Zuspruch von zahlenden Studenten ist kein Erfolgsgarant: Privat-Unis bekommen immer wieder Geldprobleme. Erst kürzlich musste die Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin Insolvenz anmelden. Auch die private Jacobs University in Bremen überlebte bislang nur dank großzügiger Gaben von Staat und Stiftern. Und an der Privathochschule European Business School rückten kürzlich Ermittler aus, weil mindestens 1,6 Millionen Euro verschwunden sein sollen.

lgr/AFP/dpa

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