Fotostrecke

Promotionsberater: Ermittlungen gegen weitere Professoren

Foto: dapd

Promotionen Viele Mediziner unter den Titel-Betrügern

Unter Medizinern ist der Druck, mit einem Doktortitel aufzuwarten, offensichtlich besonders groß. Nach SPIEGEL-Informationen stellen Human- oder Zahnärzte etwa die Hälfte der Kunden des Unternehmens für Promotionsvermittlung, das im Visier der Kölner Staatsanwaltschaft steht.

Hamburg - Von "einigen wenigen" Fällen kann nicht mehr die Rede sein. Derzeit werden mindestens 315 fragwürdige Promotionsverfahren von der Kölner Staatsanwaltschaft untersucht. Die Doktoranden sollen dem Unternehmen demnach zwischen 12.000 und 36.000 Euro für die Vermittlung eines Promotionsplatzes bezahlt haben.

Die Ermittlungsbehörde nannte zwar weder die Namen der Verdächtigen noch deren Arbeitgeber. Nach SPIEGEL-Informationen ist einer der Verdächtigen aber ein Mediziner der Berliner Charité, ein anderer stehe in Verbindung zur Medizinischen Hochschule Hannover - beides äußerst renommierte Kliniken. Ein Doktortitel ist meist bares Geld wert, denn damit steigen häufig das Gehalt sowie die Aufstiegschancen. Aber auch ein Mediziner ohne Doktortitel darf praktizieren, sofern er die erforderlichen Zulassungen hat.

Das "Institut für Wissenschaftsberatung" aus Bergisch-Gladbach bei Köln wird beschuldigt, Hochschullehrer dafür bezahlt zu haben, ihre Kunden als Doktoranden anzunehmen, obwohl etlichen von ihnen dazu die fachliche Qualifikation fehlte. Etwa 100 Hochschullehrer aus ganz Deutschland werden verdächtigt, entsprechende Schmiergelder angenommen zu haben.

In einigen der Fälle hat die Kölner Anklagebehörde ihre Ermittlungen gegen Hochschullehrer wegen Korruptionsverdachts mittlerweile eingestellt. "Uns liegen einige Geständnisse vor", hatte Oberstaatsanwalt Günther Feld erklärt. Ein Professor habe einen Strafbefehl akzeptiert, der eine mehrmonatige Haftstrafe zur Bewährung beinhalte. Die Verfahren gegen vier weitere Beschuldigte seien gegen Zahlung von Geldauflagen eingestellt worden.