Promotionsberatung durchsucht Weitere Doktormacher in ganz Deutschland?

Der Jura-Professor aus Hannover - er war möglicherweise nicht der einzige, der für Geld die Betreuung von Doktorarbeiten übernommen hat. Über die Promotionsberatung könnten auch an andere Professoren Bestechungsgelder geflossen sein. Das Institut wurde erneut durchsucht.


Die Kölner Staatsanwaltschaft hat ein Institut für Wissenschaftsberatung in Bergisch Gladbach bei Köln durchsucht. Der Verdacht der Ermittler: Über das Institut sollen Bestechungsgelder für die Vermittlung von Doktortiteln an Professoren geflossen sein. Und zwar nicht nur an den "Doktormacher" - einen Jura-Professor aus Hannover, der sich in Hildesheim vor Gericht verantworten muss. Sondern möglicherweise an zahlreiche weitere Professoren in ganz Deutschland.

Im Jahr 2005 waren die Geschäftsräume der Wissenschaftsberatung auf Betreiben der Staatsanwaltschaft Hannover schon einmal durchsucht worden. Damals habe man sich aber nur auf Beschuldigte in Schleswig-Holstein konzentriert, berichtet der WDR. Die Kölner Staatsanwalt verschaffte sich nun erneut Zutritt. "Wir waren auf der Suche nach weiteren Beweisen. Ob wir welche gefunden haben, wird sich bei der Auswertung der beschlagnahmten Gegenstände zeigen", sagte der Oberstaatsanwalt Günther Feld SPIEGEL ONLINE.

Möglicherweise gebe es neben dem Professor aus Hannover noch weitere Professoren, die mit der Promotionsberatung zusammengearbeitet haben. "Wir gehen nicht davon aus, dass es sich um eine regionale Geschichte handelt. Wir wissen, dass das Institut bundesweit tätig ist, so dass der Verdacht besteht, dass auch bundesweit solche Fälle bekannt werden", sagte Feld. Der Verdacht, dass Doktorarbeiten komplett von dem Institut geschrieben worden seien, bestehe nicht. Aber es könne sein, dass häufiger Schmiergelder an Professoren gezahlt wurden. Ihnen drohe ein Verfahren wegen Bestechung.

Der 52-jährige Chef der Promotionsvermittlung steht bereits seit Februar im "Doktormacher"-Prozess vor Gericht. Er soll in 69 Fällen Juristen aus ganz Deutschland an den Jura-Professor aus Hannover vermittelt haben, lautet der Vorwurf. Die Doktoranden hätten die zur Promotion erforderliche Examensnote "voll befriedigend" nicht erreicht. Gegen Geld habe er "die Vermittlung einer geeigneten Themenstellung und eines Betreuers" versprochen.

Der Angeklagte hat ein Geständnis angekündigt, das für den nächsten Verhandlungstag am 26. März erwartet wird. Ihm wurde eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren sowie eine Geldstrafe von rund 250.000 Euro in 30 Raten in Aussicht gestellt. Nach Angaben seines Verteidigers ist jedoch noch offen, ob er die Summe aufbringen kann und ob er sich auf die Vereinbarung einlässt. Und vielleicht wird dies nicht das einzige Verfahren gegen den 52-Jährigen bleiben.

kat/dpa/ddp

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