Chilenischer Studentenzorn Studiengebühren? No más!

Von einer linke Regierung hatten sie sich mehr erhofft: Der angekündigte Umbau von Universitäten und Schulen in Chile geht Studenten und Lehrern nicht weit genug. Bis zu 40.000 Menschen demonstrierten für eine umfassendere Bildungsreform.

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Santiago de Chile - Studenten und Lehrer haben in Chile gegen die bevorstehende Bildungsreform der Regierung Michelle Bachelets demonstriert. Nach Schätzung der Organisatoren nahmen am Dienstag in Santiago de Chile 40.000 Menschen an dem Protest teil, berichtet die Zeitung "La Tercera" in ihrer Online-Ausgabe. Dabei wurden drei Menschen festgenommen und ein Polizist verletzt.

Sozialistin Michelle Bachelet hatte im März das Präsidentenamt mit dem Versprechen übernommen, gegen soziale Ungleichheit zu kämpfen. "Die Bildung darf nicht profitorientiert sein, die Bildung ist keine Ware", hatte Bachelet nach ihrem Wahlsieg gesagt und die Reform des Bildungssektors neben Steuerreform und Verfassungsänderung als eines ihrer drei großen Vorhaben angekündigt.

Melissa Sepúlveda, Präsidentin der Studentenföderation an der Universidad de Chile kritisiert jedoch die von der Regierung vorgeschlagene Reform als unzureichend. Sie berücksichtige nicht die derzeitige Struktur auf dem Bildungsmarkt. Die Demonstranten forderten unter anderem die Demokratisierung der Institutionen, die Abschaffung der Studiengebühren und bessere Arbeitsbedingungen im Bildungsbereich.

Das Bildungssystem in Chile stammt noch aus der Pinochet-Zeit, mit vielen teuren Privatschulen und -Unis. Ein Studium kostet oft tausend Euro pro Jahr, Lebenshaltung nicht eingerechnet. Die Regierungen nach Pinochet hatten zwar einige Stipendien eingeführt, aber am System wenig geändert.

cpa/dpa

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derigel3000 11.06.2014
1. optional
Genau, genau Commandante Camilla, alles billiger, ach was, am besten umsonst. Die große Vision linker Regierungen, alles kostenlos, wers bezahlt? Na die "Bonzen" die mit den dicken Gehälten. Schade nur, dass die Realität meist doch anders aussieht, Geld nicht an Bäumen wächst und auch Universitäten eine Menge Geld kosten
professorA 11.06.2014
2. Schnellstraße zur Arbeitslosigkeit
Zitat von sysopREUTERSVon einer linke Regierung hatten sie sich mehr erhofft: Der angekündigte Umbau von Universitäten und Schulen in Chile geht Studenten und Lehrern nicht weit genug. Bis zu 40.000 Menschen demonstrierten für eine umfassendere Bildungsreform. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/proteste-in-chile-studenten-demonstrieren-gegen-bildungsreform-a-974564.html
Eine Bildungsreform zur Erzeugung einer möglichst großen Anzahl von Akademikern auf Gebieten, die keine Volkswirtschaft sinnvollerweise beschäftigen kann, führt zu Arbeitslosenheeren, die dann fordern, dass sie jemand anstellt und bezahlt, auch wenn sie aufgrund ihrer Ausbildung keinerlei produktive Beiträge leisten können. Statt diesen OECD-Wahnsinn immer weiter zu betreiben, sollte man sich unsere duale Ausbildung zum Vorbild nehmen, wo praxisnah Fähigkeiten erlernt werden, die auf dem Markt nachgefragt und bezahlt werden.
onearmedscissor 11.06.2014
3. Katastrophale Zustände
Meine Frau kommt aus Chile und dort herrschen katastrophale Zustände. Umgerechnet kostet ein Studium in Chile jährlich 3000 Euro und Chile hat die höchste Büchersteuer der Welt mit 40%. Das ist eben das Ziel der Regierung, dass die Armen arm bleiben und die Reichen reich. Gut, dass es immer mehr Proteste gibt, dass nicht nur die Kinder reicher Eltern studieren dürfen.
keksguru 11.06.2014
4. es geht um Fairness
Letztenendlich geht es doch drum, daß in Chile ein diskriminierungsfreier Zugang zu höherer Bildung zwar immer wieder versprochen wurde, aber danach passierte dann nichts mehr. Dafür kämpfen die Studenten.
binu 11.06.2014
5. Wenn Bildung Geld kostet
bilden sich nur diejenigen die es sich leisten können. In der Folge bilden sich gesellschaftliche Hierarchien immer weiter und immer stärker aus (Stratifikation). Letztendlich besetzen dann die inkompetenten Zöglinge reicher Leute die Schlüsselfunktionen und Führungspositionen der Gesellschaft. Das kann nicht gut sein oder? Umso mehr gilt das in Südamerika wo die gesellschaftliche Ungleichheit extrem ist.
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