Proteste in Hessen und NRW Student schwer verletzt

Einige tausend Studenten protestierten in Hessen gegen Studiengebühren. Bei einer Blockade von Bahngleisen in Gießen wurde ein Student von einem Zug erfasst. In Köln störten Gebührengegner eine Sitzung des Senats.


Der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) der Gießener Universität warf der Polizei vor, den Bahnverkehr nicht rechtzeitig gestoppt zu haben. Die Polizei sei massiv gegen die Studenten vorgegangen, sagte ein Asta-Sprecher: "Die Polizei kriminalisiert den Protest und die Vollversammlung." Laut Asta waren 600 Studenten, laut Polizei 300 durch die Stadt gezogen. Die Beamten konnten die Protestler erfolgreich daran hindern, die Autobahn zu blockieren.

Studentenprotest in Darmstadt: Parolen gegen Gebühren
DDP

Studentenprotest in Darmstadt: Parolen gegen Gebühren

In Darmstadt zählte die Polizei 1500 Demonstranten, der Asta sprach von 6000 Teilnehmern: "Es sind unglaublich viele Leute, der Menschenstrom hört gar nicht auf", sagte Asta-Sprecher Sascha Decristan. Nach Angaben der Polizei verlief die Demonstration friedlich. Die Studenten machten sich mit Trillerpfeifen und Sprechchören bemerkbar, der Protestzug wurde von einer Samba-Band und Lautsprechermusik begleitet. Auf ihren Plakaten forderten die Studenten "Bildung für alle sonst gibt's Krawalle".

Der Senat der Frankfurter Universität befürwortete heute Studiengebühren, forderte aber eine sozialverträglichere Ausgestaltung. Ein Antrag der Studenten auf eine generelle Ablehnung von Studiengebühren fand keine Mehrheit. An der außerordentlichen Senatssitzung hatten nach Polizeiangaben mindestens 1000 Studenten teilgenommen. Aula und Treppenhäuser waren überfüllt. In Anschluss an die Sitzung gingen die Studenten auf die Straße.

Zuvor waren von der Fachhochschule einige hundert Studenten zur Uni gezogen. Der Asta sprach von knapp 400 Demonstranten, die Polizei von 200. Die Protestierenden blockierten vorübergehend Straßen. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen: "Land der Dichter und Denker. Roland Koch ist ein Henker."

In Marburg setzten die Studenten die am Montag begonnene Besetzung des Uni-Verwaltungsgebäudes fort. Der Asta sprach von 100 bis 350 Teilnehmern. In mehreren Gesprächen versuchten Hochschulleitung und Studenten, sich auf eine Position zu verständigen. "Das Bestreben des Präsidenten ist es, das Ganze möglichst im Konsens zu lösen", sagte Hochschulsprecherin Viola Düwert.

In Nordrhein-Westfalen versuchten rund 400 Studenten, eine in das Forschungszentrum Jülich verlegte Sitzung des Senats der Kölner Universität zu verhindern. Auf der Sitzung sollte über die Einführung von Studiengebühren an der Kölner Universität abgestimmt werden. Auf der Hauptzufahrtsstraße blockierten Demonstranten nach Angaben eines Sprechers des Forschungszentrums einen Bus mit sieben Senatoren.

Anfang Mai hatten Studierende aus Protest gegen geplante Gebühren von 500 Euro pro Semester an der Kölner Uni eine Sitzung des Senats gestört. Rektor Axel Freimuth war gemeinsam mit anderen Professoren unter Polizeischutz aus dem Saal geführt worden. Vor gut zwei Wochen hatte die Polizei auf Bitten Freimuths das Rektorat räumen lassen, das gut zehn Tage lang von rund 40 Studenten besetzt gehalten worden war.

jaf/dpa



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