Prüfungen Schlechte Noten für Nachteulen

Einfach mal die Nacht durchpauken - viele Studenten halten das vor Prüfungen für clever. Wer so die Noten zu verbessern glaubt, sollte drüber schlafen. Eine US-Studie zeigt: Nachtschichtler schneiden mäßig ab, ihnen geht bei der Prüfung oft die Konzentration flöten.

Wenn die Klausur oder die mündliche Prüfung unaufhaltsam näherrückt, wächst die Panik. Besonders massiv ist der Lerndruck in klassischen Paukfächern wie Jura und Medizin, in gefürchteten Teildisziplinen wie Statistik und Mathematik oder in jenen Technikfächern wie Maschinenbau oder Elektrotechnik, in denen schon vor dem Vordiplom stark gesiebt wird.

So viel Stoff, so wenig Zeit - jetzt helfen nur noch zwei, drei Nachtschichten, denken sich viele Studenten, frei nach dem Motto ...

  • Schlafen kann ich noch genug, wenn ich tot bin
  • Wenn ich müde werde, lege ich mir eine Koffein-Infusion
  • Augen auf und durch

Aber bleiben die Lektionen aus dem Morgengrauen wirklich kleben? "Heute Nacht lerne ich durch" - eine besonders schlaue Idee ist das nicht gerade. Das jedenfalls legt eine US-amerikanische Studie nahe. Bessere Noten sammeln demnach Studenten, die tagsüber lernen und nachts schlafen, also den Normal-Rhythmus einhalten.

"Es ist kein riesiger Unterschied, aber es ist schon auffällig", sagt Pamela Thacher von der psychologischen Fakultät der St. Lawrence University (New York), die für die Studie verantwortlich ist. "Ich bin vor allem Schlafforscherin und weiß: Niemand kann um 4 Uhr morgens klar denken. Wer glaubt, dass er es kann, liegt falsch", so Thacher. Ihre Ergebnisse erscheinen in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift "Behavioral Sleep Medicine".

Thacher fragte 120 Studenten nach ihrem Lernverhalten. 65 sagten, sie hätten einmal oder mehrmals die ganze Nacht durchgelernt. Gebracht hat ihnen das offenbar nichts: Die 45 Leute, die sich stattdessen lieber schlafen gelegt hatten, schnitten meist besser ab.

Allerdings: Die Notenskala zeigt nur einen kleinen Ausschlag zugunsten der Tagschichtler, zudem ist die Studie mit nur 120 Teilnehmern nicht sehr umfangreich. Und vor allem verrät sie nichts über den umgekehrten Zusammenhang von Studienleistungen und Lernverhalten - möglicherweise sind Leute, die zum Durchmachen vor Prüfungen neigen, ohnehin die schwächeren, verpeilteren Studenten mit schlechtem Zeit-Management.

Dennoch glaubt Prav Chatani, Student an der St. Lawrence Uni, dass die Ergebnisse Sinn ergeben. Der Neurowissenschafts-Student hat bisher nur selten durchgemacht, ist aber schon häufig um 4 oder 5 Uhr früh aufgestanden, um sich auf eine Klausur im Fach Organische Chemie vorzubereiten. Er habe sich später an vieles nicht mehr erinnern können, das er im Morgengrauen gelesen habe.

Auch der Mediziner Howard Weiss sieht wenig Positives in Lern-Nachtschichten. "Die Ergebnisse zeigen, dass ein kurzer Schlaf die Konzentration beeinträchtigt", sagt der Forscher, der am St. Peter's Sleep Center in Albany arbeitet. Doch gleichzeitig betont er: Manche Nachteulen haben einen abweichenden Tag-Nacht-Rhythmus als ihre Kommilitonen. Ihre innere Uhr tickt einfach anders - und den Noten schadet das nicht.

kat/AP

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