Pump my Studium Kraxeln auf dem Schuldenberg

Mit den Gebühren kommt auch das Studium auf Pump. Viele Banken bieten inzwischen Studienkredite an, die günstiger sind als normale Darlehen, wie eine Studie zeigt. Wer sich aber nicht mit Zinshöhen und Risiken befassen möchte, macht ein schlechtes Geschäft.


Das Gebühren-Domino hat längst begonnen. Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland haben die Einführung von Studiengebühren bereits beschlossen, Hessen will zügig nachziehen, auch andere Bundesländer dürften bald beginnen, eine Campus-Maut einzutreiben. Nach Untersuchungen des Deutschen Studentenwerks (DSW) können viele Studenten die zunächst 500 Euro pro Semester nicht durch Jobben aufbringen oder ihre Eltern anschnorren; auch beim Bafög gehen drei Viertel leer aus. Dann hilft nur noch eins: bei der Bank pumpen.

Lernen auf Pump: Beim Berufsstart verschuldet
DPA

Lernen auf Pump: Beim Berufsstart verschuldet

Das Centrum für Hochschulentwicklung (CHE), das seit Jahren Stimmung pro Studiengebühren macht, hat eine umfassende Studie durchgeführt und 40 Banken getestet, die Studienkredite anbieten. "Insgesamt fällt unsere Bewertung positiv aus", sagt Projektleiter Markus Langer.

Erstes Fazit: Mit Zinsen von 5 bis 6 Prozent liegen die Studienkredite klar unter den marktüblichen Sätzen von Konsumentenkrediten, die bei einer Laufzeit von 72 Monaten im Schnitt 8 Prozent verlangen. "Die Angebote sind schon an den Bedürfnissen der Studierenden orientiert", bilanziert Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt. Auch die Fristen für die Rückzahlung sind mit bis zu 25 Jahren länger als bei ganz normalen Krediten.

Private Institute nur bei großen Summen.

Nur sechs Studienkredite werden bundesweit angeboten, die meisten Finanzierungsmodelle richten sich an Studenten in bestimmten Bundesländern oder einzelnen Regionen. Eine pauschale Empfehlung, die für alle Studierenden gleichmaßen passt, will das CHE allerdings nicht geben. Es gebe deutliche Unterschiede bei den Details. Das heißt, auch BWL-Muffel sollten sich vor Abschluss eines Vertrags mit Kosten und Risikobegrenzung beschäftigen und nach Finanzierungsvolumina fragen.

Laufzeiten, Rückzahlungszeiträume und Zinsen variieren bei den verschiedenen Anbietern. Manche Banken verlangen sogar eine Elternbürgschaft. Wer nur den Mehraufwand durch die Studiengebühren finanzieren will, fährt mit den Krediten der landeseigenen Förderbanken gut. Sie bieten niedrige Zinsen und eine sehr variable Rückzahlung, sagt das CHE. Sparkassen und Genossenschaftsinstitute reagierten meist flexibel auf Sonderwünsche ihrer Kunden.

Übersicht: Was ein Studium kostet
IDW

Übersicht: Was ein Studium kostet

Die Kredite privater Anbieter lohnen sich hingegen eher für Studenten, die eine größere Summe brauchen, weil sich hier höhere Darlehenssummen aushandeln lassen. Das staatliche Angebot der KfW-Bank, mit derzeit günstigen Zinsen von 5,2 Prozent, setzt die Zahlung bei einem Auslandsaufenthalt aus und ist daher nicht für Studenten geeignet, die länger aus Deutschland weg wollen. Andere Banken drehen den Geldhahn zu, wenn Fachwechsel oder ein Praktikumssemester anstehen.

Das CHE warnt zudem vor Angeboten ohne Zinsobergrenze, wo am Anfang noch gar nicht klar ist, welcher maximale Zinssatz am Ende erhoben wird. Besser: Die KfW-Bank zum Beispiel hat ihren Zinssatz bei 8 Prozent gedeckelt, dieser Satz kann nicht überstiegen werden.

Auf Karenzzeiten bei der Rückzahlung achten

Auf jeden Fall sollte es möglich sein, die Rückzahlungen eine Weile auszusetzen, zum Beispiel bei Arbeitslosigkeit. Fast alle getesteten Angebote für Studienkredite beinhalten eine Karenz- und Übergangszeit bis zur ersten Arbeitsstelle. In der Regel beträgt sie 12 bis 24 Monate.

Wenn im Anschluss an das Examen der Berufseinstieg klappt, sei die Rückzahlung gut zu schaffen, sagt Finanzexperte Herbst. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) warnt jedoch, dass das entspannte Studium auf Pump direkt in die Schuldenfalle führen könnte. Studienkredite seien eher als kurzzeitige Finanzspritzen geeignet, zum Beispiel während der Magisterarbeit.

"Ein durchschnittliches Studium von 10 Semestern kostet allein aufgrund der Lebenshaltungskosten etwa 42.000 Euro", warnt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des DSW. "Wenn ich dann noch Studiengebühren von insgesamt 5000 Euro finanzieren muss, steige ich mit 47.000 Euro Schulden in das Berufsleben ein."

Die Stiftung Warentest hat ausgerechnet, dass ein Student, der sich jeden Monat 500 Euro für die Gebühren leiht, bei einem Zinssatz von 5,5 Prozent und einer einjährigen Wartepause nach dem Abschluss mehr als 36.000 Euro zurückzahlen müsste. In Raten wären das zehn Jahre lang 300 Euro pro Monat. Dazu kommt noch der Zinseszinseffekt, der die fälligen Rückzahlungen weiter erhöht.

Wer eine Chance auf Förderung sieht, sollte sich daher laut Studentenwerk zunächst einmal um Bafög bewerben. Da sei schließlich nur die Hälfte der Förderungssumme zurück zu zahlen - und die wird als zinsloses Darlehen gewährt. Das kann keine Bank bieten.

agö/gms

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