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07. September 2012, 18:20 Uhr

Studiengebühren in Kanada

Studenten legen Protestpause ein

Seit einem halben Jahr protestieren die Studenten in Québec gegen höhere Studiengebühren, jetzt ist erst mal Ruhe. Denn der ungeliebte Premierminister wurde abgewählt. Seiner Nachfolgerin geben die Studenten eine Chance - sie sagen aber auch: Der Kampf ist noch nicht vorbei.

Monatelang haben sie demonstriert, jetzt ist Zeit für etwas Ruhe: Die Studenten in der kanadischen Provinz Québec haben angekündigt, vorübergehend eine Protestpause einzulegen. Der Kampf sei aber noch nicht vorbei, sagte Camille Robert, Sprecherin der radikalen Studentenvereinigung Classe, der örtlichen Zeitung "The Gazette".

Seit Mitte Februar demonstrieren kanadische Studenten in Québec gegen höhere Studiengebühren. Der Plan sieht vor, dass die Gebühren in den kommenden sieben Jahren jährlich um 254 kanadische Dollar (etwa 195 Euro) steigen. Bislang zahlen die Studenten in Québec mit umgerechnet knapp 1700 Euro noch relativ wenig Studiengebühren, in anderen Teilen Kanadas und in den USA liegen sie wesentlich höher.

Bei der Wahl am Dienstag wurde die Regierung, die für die Gebührenerhöhung verantwortlich ist, nun abgewählt. Ein Teilerfolg für die Studenten. Denn die Nachfolgerin vom Premierminister Jean Charest, Pauline Marois von der linksgerichteten Parti Québécois (PQ), versprach im Wahlkampf unter anderem, die Gebührenerhöhung zurückzunehmen.

Die Studenten allerdings sind noch skeptisch, ob sie das Versprechen auch einhalten wird - schließlich wird sie wohl nur mit einer Minderheit regieren: "Es gibt Zweifel", sagt Martine Desjardins von der Studentenvereinigung Feuq. Die Studenten wollen erst feiern, wenn die Gebührenerhöhung tatsächlich zurückgenommen wurde.

"Die Studenten müssen ernst genommen werden"

Trotzdem haben einige Studentenvereinigungen nun angekündigt, den Streik vorübergehend zu beenden, berichtet "Zeit Online". So sagte die Vereinigung der Vergleichenden Literaturwissenschaft "AELCUM" der Université de Montréal diese Woche, an die Unis zurückzukehren. Damit wolle sie der neuen Regierung eine Chance geben, die Gebührenerhöhung zurückzunehmen und auch das Gesetz, das die Demonstrationsfreiheit in Québec stark eingeschränkt hat. Letzteres hatte für Massendemonstrationen gesorgt, an der sich nicht nur Studenten beteiligt haben: Eltern nahmen ihre Kinder mit auf die Straße, Großeltern begleiteten ihre Enkel.

"AELCUM" wird die Arbeit der neuen Regierung allerdings genau beobachten: Wenn bis zum 1. Oktober nichts passiert ist, will sie über neue Streiks beraten. "Die Studenten müssen ernst genommen werden", sagte Mélanie Carpentier von der Vereinigung "Zeit Online", "das ist noch nicht erreicht."

fln

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