Querelen bei den Rektoren Mann über Bord

Der Hochschulrektorenkonferenz ist ihr Generalsekretär abhanden gekommen: Jürgen Heß wurde überraschend seines Amtes enthoben. Er hatte wiederholt klar für Studiengebühren plädiert - neben Führungskonflikten einer der möglichen Gründe für die plötzliche Entlassung.

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In der Bildungspolitik baden Minister, Verbandsvertreter, Hochschulrektoren gern lau. Klaus Landfried gehört nicht dazu. Seit sechs Jahren ist der Politikwissenschaftler Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), und den Verdacht, Musterabsolvent einer Diplomatenschule zu sein, hat er nie auf sich gelenkt. Landfried ist immer gut für ein offenes Wort. Journalisten schätzen ihn als eloquenten Interviewpartner, der auch bei kniffligen Fragen nicht herumeiert - bei den Kollegen dagegen eckt er nicht selten an.

HRK-Chef Landfried: Eher Poltergeist als Leisetreter
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HRK-Chef Landfried: Eher Poltergeist als Leisetreter

Als Landfried etwa empfahl, den Beamtenstatus für Hochschullehrer abzuschaffen und die "Sitzfleischzulage" bei der Reform des Besoldungsrechts zu überprüfen, machte er sich in der Professorenschaft reichlich Feinde. "Solange dienstlich unauffälliges Altern auch noch die Bezüge vermehrt, fehlt ein wichtiges Motiv der Leistung", sagte Landfried. Und als ihm auch noch die Verwendung des bösen F-Wortes ("Faulpelze") vorgeworfen wurde, kam es fast zur Palastrevolte in der Hochschulrektorenkonferenz.

Nun gibt es in der HRK offenbar erneut heftige interne Querelen: Der Generalsekretär Jürgen Heß wurde am vergangenen Montag mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben, wie die Deutschlandfunk-Sendung "Campus & Karriere" berichtete. Heß, zuvor Uni-Kanzler in Freiburg und Konstant, war erst im September 2000 gewählt worden und musste bereits nach zwei Jahren seiner achtjährigen Amtszeit gehen. Er gilt ebenfalls nicht als Leisetreter und hatte sich zum Beispiel in der Dauer-Debatte über Studiengebühren deutlich als Vertreter der Pro-Gebühren-Fraktion positioniert.

Konflikt in der HRK-Führung

Zu den Gründen der ungewöhnlichen Entlassung wollte sich die Hochschulrektorenkonferenz nicht äußern. "Die HRK ist an einer einvernehmlichen Klärung der personalrechtlichen Fragen interessiert und kann die Trennung vorerst nicht kommentieren", so Sprecherin Susanne Schilden.

Protest gegen Gebühren (im NRW-Landtag): "Sozialromantische Idee"?
DDP

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Hinter dem Eklat verbirgt sich offenbar ein schon länger schwelender Konflikt in der Führungsspitze. Eine Stellungnahme von Heß legt nahe, dass es mit der gütlichen Einigung nicht so einfach wird: Weil die Kündigung "offenkundig unbegründet" sei, habe er die Erhebung eine Kündigungsschutzklage veranlasst - auch, um "einer Rufschädigung entgegenzuwirken".

Inhaltlich äußert sich Heß ebenfalls nicht näher. Die Kündigung stehe "im Zusammenhang mit einem internen Papier zur Führung der Hochschulrektorenkonferenz, das ich streng vertraulich an das Präsidium gerichtet habe", schreibt er. An die Vertraulichkeit fühle er sich weiterhin gebunden.

Vor einem Jahr hatte Jürgen Heß mit seinem offenen Eintreten für Studiengebühren für Furore gesorgt. Harsche Kritik übte er vor allem an Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD), die ein bundesweites Gebührenverbot im Hochschulrahmengesetz verankert hatte. "Fassungslos" zeigte sich Heß in einem "Zeit"-Interview über die "in diesem Gesetz verordnete Denk- und Handlungssperre". Zugleich schlug er vor, Studiengebühren künftig "Beteiligung an der Hochschulfinanzierung" zu nennen (Heß plädierte aber nicht dafür, Steuern künftig "Beteiligung an der Staatsfinanzierung" umzutaufen).

Gebührenverbot als "Sozialromantik"

Bei einer Veranstaltung in Berlin hatte Heß nachgelegt, wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete: "Ich hoffe auf eine vernünftige Fee, die dieser schrägen sozialromantischen Gesetzesidee ein sanftes Entschlummern gewährt", sagte er zum Gebührenverbot per HRG. Die Stimmung zwischen Rektorenkonferenz und Bildungsministerium soll das nicht wirklich verbessert haben.

Das Klima innerhalb der HRK auch nicht: In ihren öffentlichen Stellungnahmen steuert die HRK seit etlichen Jahren einen vorsichtigen, ausgewogenen Gebührenkurs. Inhaltlich ist sie gespalten - ein Teil der Rektoren lehnt Studiengebühren strikt ab, ein Teil gehört zu den glühenden Befürwortern, die größte Fraktion stellen die Skeptiker und Zauderer. Selbst Klaus Landfried, von Haus aus konservativ und eher ein Freund von Studiengebühren, äußerte sich öffentlich nur recht zurückhaltend.

Mit dem seltsamen Rauswurf des Generalsekretärs wird sich die Hochschulrektorenkonferenz am 17. Februar befassen müssen - kein angenehmer Start für den Landfried-Nachfolger, der bei der Plenarsitzung gewählt werden soll. Zu den Kandidaten zählen Wolfgang Weber, Rektor der Universität Paderborn, sowie Peter Gaehtgens von der FU Berlin.



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