Ranking der "Wirtschaftswoche" Personalchefs krönen ihre Lieblinge

Die deutschen Unis sind besser als ihr Ruf, meinen Personalverantwortliche großer Unternehmen, sehen aber große Abstände zwischen Spitze und Mittelfeld. Die "Wirtschaftswoche" ermittelte die besten Fakultäten in Wirtschaft, Jura, Informatik und Ingenieurstudium - es sind seit Jahren die selben.

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Als Redakteure der "Wirtschaftswoche" ausschwärmten, um Stellungnahmen aus Unternehmen über die deutsche Hochschulen einzusammeln, ernteten sie durchaus wohlwollende Kommentare. "Unabhängig von der aktuellen Diskussion haben sich die deutschen Spitzenunis schon längst vom Mittelmaß entfernt", sagte zum Beispiel Thomas Sattelberger. Der Personalvorstand beim Reifenhersteller Continental forderte mehr Freiheit für die Hochschulen, etwa bei der Verwaltung ihrer Finanzen, bei Studiengebühren und der Studentenzahlen. Wenn diese Beschränkungen wegfielen, könnten sich die Universitäten sogar "binnen weniger Jahre in der internationalen Eliteliga etablieren".

Diese Zuversicht teilen auch andere Firmenvertreter - jedenfalls soweit es um die leistungsfähigsten deutschen Fakultäten geht. Die "Wirtschaftswoche" befragte bereits zum sechsten Mal der Personalverantwortlichen der 250 größten deutschen Unternehmen. Urteilen sollten sie über die besten Hochschulen in den Fächern Wirtschaft, Jura, Informatik und Ingenieurwissenschaften.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Aus Sicht der Personalchefs sind die oberen Ränge nahezu zementiert, in den letzten Jahren gab es in allen vier Fächern kaum Bewegung. So erreichten die "Top Five" in der Betriebswirtschaftslehre exakt die gleichen Platzierungen wie im Vorjahr - ganz vorn die Universität Mannheim, gefolgt von den Unis Köln und Münster sowie den Privathochschulen WHU in Vallendar und EBS in Oestrich-Winkel. In der Volkswirtschaftslehre dominiert abermals die Universität Köln vor Bonn, Mannheim, München, Münster.

Als private Hochschule mit vorn: WHU in Vallendar
DPA

Als private Hochschule mit vorn: WHU in Vallendar

Informatik und Technikfächer bleiben eine klare Domäne der Technischen Hochschulen: Aachen, Darmstadt und Karlsruhe machen jeweils die ersten drei Plätze unter sich aus. Hinzu kommen in den Ingenieurwissenschaften die Technischen Universitäten Dresden, München und Berlin. Und bei den Informatikern erreichte als einzige Fachhochschule die FH Furtwangen eine gute Platzierung, obwohl die Firmen laut "Wirtschaftswoche"-Umfrage bei der Einstellung kaum noch Unterschiede machen: Allein bei Jobs in der Forschung und Entwicklung haben Uni-Absolventen klar die Nase vorn, in anderen Feldern können FH-Absolventen mithalten. Sie punkten besonders mit Praxisnähe und kurzer Studiendauer.

Die beste Juristenschmiede bleibt nach Auffassung der Recruiter die LMU München vor Münster, Passau und Freiburg. Derweil fiel die Universität Heidelberg von Platz 2 auf 5 zurück.

"Alle Vorjahressieger haben ihre Topposition verteidigt", meldet die Zeitschrift, sieht allerdings einen deutlich wachsenden Abstand der Besten zum Mittelfeld. Der Grund sei auch die Finanznot des Staates - angesehene Fachbereiche würden ausgebaut, weniger erfolgreiche geschlossen. Und um sich frühzeitig die besten Absolventen zu sichern, knüpften große Unternehmen intensive Kontakte zu ihren "Zieluniversitäten". Deren Absolventen hätten es erheblich leichter, zum Beispiel an Praktikumsplätze zu kommen.



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