Ranking-Doppelschlag Deutsche Top-Unis in der Forschung

Welche Hochschulen Drittmittel abräumen, wer in der Forschung insgesamt brilliert - dazu gab es heute gleich zwei neue Ranglisten. Die besten Unis hoffen, auch nächste Woche beim Elite-Wettbewerb vorn dabei zu sein. Dann geht es nicht nur um Lob, sondern um Milliarden.

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Alle drei Jahre rechnet die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) zusammen, welche Unis die meisten Forschungsgelder erhalten haben. Das Drittmittel-Ranking ist dabei ungefähr so spannend wie die Bundesliga-Statistik: Am Ende landen immer dieselben auf den ersten Plätzen. Seit das Drittmittel-Ranking 1997 erstmals vorgestellt wurden, rangelten jeweils die RWTH Aachen und die Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) um die Spitzenposition.

LMU München: Platzhirsch bei den Drittmitteln
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LMU München: Platzhirsch bei den Drittmitteln

Aktuell haben wieder die Bayern die Nase vorn. Von 2002 bis 2004 konnte die LMU 131 Millionen Euro von der DFG einwerben, Aachen kam auf 126 Millionen. Schon deutlich weniger Drittmittel gingen an die Nächstplatzierten Heidelberg und Würzburg (je 105 Millionen Euro), die Humboldt-Universität Berlin (102 Millionen) und die TH Karlsruhe (101 Millionen).

"Die zehn erfolgreichsten Universitäten haben ein knappes Drittel der Gelder erhalten, die besten 40 Hochschulen zusammen sogar 86 Prozent", sagte DFG-Präsident Ernst-Ludwig Winnacker bei der Präsentation der Zahlen. Im Klartext: Die Forschungsgelder - im aktuell bewerteten Drei-Jahres-Zeitraum immerhin 3,2 Milliarden Euro - konzentrieren sich bundesweit an einigen wenigen Universitäten, die große Masse der Hochschulen geht dagegen leer aus oder muss sich mit einem ziemlich kleinen Anteil begnügen.

"Es ist allerdings nicht ganz fair, die Hochschulen als Ganzes zu bewerten", schränkte Winnacker die Aussagekraft des DFG-Rankings gleich wieder ein. Denn Unis wie die RWTH Aachen seien stark ingenieur- und materialwissenschaftlich ausgerichtet und kämen deshalb relativ schnell auf große Summen, "weil Forschung in diesen Fächern einfach teuer ist".

Nachteile für die Kleinen

Die Uni Mannheim dagegen liegt bei der im Vergleich preiswerteren Forschung in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften bundesweit auf Platz zwei, schaffte es aber im Gesamt-Ranking nicht einmal unter die ersten 40. Winnacker: "Kleinere Unis oder solche mit bestimmter fachlicher Spezialisierung schneiden bei solchen Gesamt-Vergleichen automatisch schlechter ab - obwohl das gar nichts über ihre Forschungsleistung aussagt."

Die Drittmittelkönige

Top Ten (2002-2004)
1. LMU München
2. TH Aachen
3. Uni Heidelberg
4. Uni Würzburg
5. HU Berlin
6. TH Karlsruhe
7. Uni Erlangen-Nürnberg
8. Uni Tübingen
9. TU München
10. FU Berlin
Je nach Lesart ergibt das DFG-Ranking aber auch für die Kleinen akzeptable Ergebnisse. So landet die TH Karlsruhe insgesamt auf dem sechsten Platz, in Sachen Drittmittel-Akquise allerdings macht den Karlsruher Professoren so schnell keiner etwas vor: Durchschnittlich kam hier jeder Lehrstuhlinhaber von 2002 bis 2004 auf fast 407.000 Euro an Fördergeldern - bundesweit mit Abstand Spitze. "Diese Fördermittel sind ein ausgezeichneter Indikator für die Qualität der Forschung", sagt Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschul-Rektorenkonferenz (HRK), "da wird ausschließlich nach Qualität entschieden."

Kann man aus dem DFG-Drittmittelranking Rückschlüsse auf die in der kommenden Woche anstehende Entscheidung im Elite-Wettbewerb der Unis ziehen? Da wollte Wintermantel sich nicht festlegen: "Die Ergebnisse im Exzellenzwettbewerb werden manches bestätigen und das Förderranking ergänzen und abrunden", raunte die HRK-Präsidentin nur.

Aufwärmtraining für den Elite-Wettbewerb

Am Freitag, dem 13., fällt die endgültige Entscheidung darüber, wer sich demnächst Elite-Uni nennen und bis 2011 über jährlich 35 Millionen Euro freuen darf. Als Kandidaten sind neben den großen Drittmittel-Abräumern LMU München, Aachen, Würzburg, Heidelberg und Karlsruhe auch noch die TU München, die FU Berlin, Tübingen, Bremen und Freiburg im Rennen - zehn glorreiche Hochschulen, von denen nicht alle gewinnen können.

Fünf Exzellenz-Anwärter haben gleich noch bei einem zweiten, ebenfalls heute veröffentlichten Ranking gepunktet. Die beiden Münchner Hochschulen und die Unis Heidelberg, Karlsruhe und Freiburg zählen nach einer Rangliste des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zu den forschungsstärksten Universitäten bundesweit. Das CHE legt neben den eingeworbenen Drittmitteln auch die Anzahl von Promotionen, Publikationen und Patentanmeldungen als Kriterien an. Daher können hier auch Geisteswissenschaften wie Anglistik oder Geschichte brillieren, in denen zwar rege, aber ohne kräftige Finanzspritzen publiziert wird.

Die acht führenden Universitäten haben es geschafft, in mindestens der Hälfte der bewerteten Fächer Spitzenplätze zu belegen. Insgesamt wurden 16 Fächer untersucht, kaum eine Uni bietet alle an. Mit Abstand auf Platz eins landete die TU München, die laut CHE in sieben von acht Fächern Spitzenforschung leistet.

Bremen fällt beim Testlauf durch

16 Hochschulen am anderen Ende der Skala konnten sich hingegen nicht mal in einem einzigen Fach profilieren. "Spitzenhochschulen in der gesamten Breite werden weniger", kommentierte CHE-Chef Detlef Müller-Böling das Ergebnis, "die übrigen versuchen sich zu profilieren." In den Club der üblichen Ranking-Verdächtigen rückte Göttingen auf, mit einer großen Bandbreite herausragender Fachbereiche von Medizin bis Sozialwissenschaften. Außerdem platzierte sich Stuttgart mit einem mathematisch-technischen Schwerpunkt.

Die FU Berlin verpasste die Bestenliste nur ganz knapp mit einem Anteil von 46 Prozent forschungsstarker Fächer. Auch die anderen Exzellenz-Kandidaten fielen zumindest nicht negativ auf. Fast alle landeten unter den Top Twenty von 62 Hochschulen, mit fünf bis sechs Fächern, in denen sie Spitzenforschung leisten. Allein die Uni Bremen liegt auffällig weit zurück und verzeichnete lediglich in Biologie, Physik und Soziologie/Sozialwissenschaft gute Ergebnisse.

Ein schlechtes Omen für den Stadtstaat? Auch bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft sind alle Bewerber außer dem Überraschungskandidaten im vorderen Drittel vertreten. Vielleicht hat DFG-Präsident Winnacker die Universität Bremen gerade deswegen ausdrücklich für ihre "Profilbildung" gelobt - damit nur niemand auf die Idee kommt, die Ranking-Ergebnisse als Vorentscheidung für die kommende Woche zu interpretieren.



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