Ranking mit Spaßfaktor Kommt "Zeit", kommt Schönheitskonkurrenz

Die "Zeit" beteiligte sich mit einer Parade von zehn deutschen Universitäten am Elite-Contest der SPD - und rührte dafür seriöse und kuriose Kriterien zusammen.

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Selbst bei der ehrenwerten "Zeit", der unter Journalisten der Ruf einer gewissen Verzopftheit nachschleicht, sind Redakteure durchaus für höheren Blödsinn zu haben, wenn man ihn nur intelligent und elegant genug verpacken kann. Jedenfalls bei Bildungsthemen: Unlängst konsultierten sie zum Beispiel zwei Designer für ein seltsames Ranking - Modeschöpferin Jette Joop und Zeitungsdesigner Mario Garcia saßen über Uni-T-Shirts zu Gericht, und ihr Urteil fiel nicht immer freundlich aus.

"Zeit": Grazien präsentieren die Uni-Logos

"Zeit": Grazien präsentieren die Uni-Logos

Passend zur Eliteuni-Debatte fragt die "Zeit" in ihrer aktuellen Ausgabe "Wer ist die Schönste im ganzen Land?" und lässt Models mit den Logos von zehn deutschen Universitäten posieren. Zur Schönheitskonkurrenz traten an: aus München die TU und die LMU; aus Berlin die Freie und die Humboldt-Universität; aus Baden-Württemberg Tübingen, Heidelberg und Konstanz; aus dem Westen die RWTH Aachen sowie aus dem Norden die Universitäten Hamburg und Göttingen.

Beim Ranking setzte die Redaktion auf eine muntere Mischung aus krachseriösen und skurrilen Kriterien. Zu Rate zog sie zum Beispiel ein Forschungsranking des Centrums für Hochschulentwicklung, weitere Rankings zu Publikationen in Wissenschaftsjournalen, zu Drittmitteln und ausländischen Wissenschaftlern. Zudem befragte sie einen "Elferrat" mit renommierten Experten wie DFG-Chef Ernst-Ludwig Winnacker, McKinsey-Mann Jürgen Kluge und den Wittener Uni-Präsidenten Konrad Schily.

Weil es aber nach Ansicht der "Zeit"-Redakteure auch bei Bildungsthemen nicht zwangsläufig spaßfrei zugehen muss, addierten sie kuriose Faktoren - neben der Parade der Hochschulhemden auch Rankings zum Hochschulsport und zu den Internet-Auftritten, den Alumni-Faktor sowie ein "Playboy"-Ranking der Unis mit dem "größten Sexappeal".

Wirft man das alles in einen Topf und lässt es garen, kommt eine unterhaltsame Stärken-und-Schwächen-Analyse heraus. Als einer der Favoriten geht die TU München durchs Ziel: Wegen ihrer hohen Drittmittel und guten Forschungsplatzierungen gilt sie als "Kandidat für die internationale Champions League der Forschung". Gut schneiden auch die benachbarte LMU sowie die Universität Tübingen ("eliteverdächtig, Biotop für geniale Grübler, Stocherkahnfahren möglich") ab.

Als Nachteil für die Hauptstadt-Unis werten die Juroren, dass sie unter der Berliner Hochschulpolitik leiden müssen - der "schlechtesten Deutschlands". An Humboldt komme niemand vorbei, meinen sie trotzdem, zumal die Humboldt-Uni mit dem besten T-Shirt brillierte. Auch der FU attestieren sie einen zugkräftigen Namen und beachtliche Forschung.


Dritter Platz für das Shirt aus Frankfurt/Oder: "Greift mit dem schwarzen Rand den China-Trend auf" Rang 2 für das Ulmer Modell im Freizeitpark-Look: Wo ist das Vögelchen? Mit deutlichem Abstand als Gewinner im Ziel: Humboldt-Hemd - "sieht sowohl entspannt als auch selbstbewusst aus"

T-Shirt-Ranking der "Zeit": Die drei Gewinner - per Klick auf ein Bild kommen Sie zur Großansicht

In Heidelberg sieht die "Zeit" die lange Tradition als Plus- und Minuspunkt zugleich: Bei hoher internationaler Attraktivität und einem touristischen Standortvorteil - "Heidelböög kennt im Ausland jeder" - trage die Uni schwer an der Last der Geschichte. In Göttingen sei der Glanz der großen Vergangenheit ebenfalls abgeblättert. Trotz Gerhard Schröder, Jürgen Trittin und Peter Struck als prominente Absolventen reiche es nur in Niedersachsen zur Nummer 1.

Der überschaubaren Konstanzer Uni indes bescheinigt die "Zeit" gar das "Potenzial zu einem Princeton am Bodensee". Die RWTH Aachen sei in ihrer Sparte als Ingenieurschmiede elitetauglich - und zudem die Uni mit der "höchsten sexuellen Zufriedenheit" laut "Playboy"-Ranking (was vom chronischen Frauenmangel frustrierte Aachener Technikstudenten bei der Veröffentlichung 2001 kaum fassen konnten).

So schneiden neun der zehn Unis im Jury-Urteil durchweg recht gut ab. Bös' ging es allerdings für Hamburg aus: Die Universität habe zwar besonders viele Bundestagsabgeordnete und "Zeit"-Redakteur ausgebildet, sei aber wissenschaftlich eher zweite Liga und "Elitekandidat nur bei Länderproporz".



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