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Rap gegen Rechts: Mit Amateur-HipHop gegen die Front National

Foto: FREDERICK FLORIN/ AFP

Rap gegen Rechts "Du und deine Partei, gegen mich und mein Dorf"

Der rechte Front National ist im französischen Elsass stark - zu stark, findet Student Benjamin Ludwig aus dem Winzerörtchen Ammerschwihr. Weil ein rechtsextremer Spitzenkandidat mit dem Bild seines Dorfes wirbt, rappen er und seine Freunde gegen die Rechtsaußen: "Benutzt nicht mein Dorf!"

"Du und deine Partei, gegen mich und mein Dorf" - in bester Manier des französischen HipHop rappt Student Benjamin Ludwig, 26, aus dem Elsass vor eigentümlicher Szenerie. Seine Heimat ist der kleine Winzerort Ammerschwihr, ein beschauliches Nest, und wie das gesamte Elsass bislang eine Hochburg der rechtsextremen französischen Partei Front National (FN).

Zusammen mit Ludwig hat rund ein Dutzend junge Elsässer ein YouTube-Video produziert und rappt darin gegen Rechts. Denn der FN nutzt ein Wahlplakat, auf dem ihr Dorf abgebildet ist. Schuld daran ist in den Augen der Jugendlichen der FN-Spitzenkandidat für die anstehende Regionalwahlen, Patrick Binder. "Das kotzt uns an, dass du unser Dorf als Etikett nimmst", singen die Jungen und Mädchen auf Französisch, lehnen sich dabei von einem Traktor herunter und schwenken Arme und Hände in Hiphop-Posen.

"Das Elsass braucht dich nicht", rappt Ludwig weiter, umgeben von mehreren Dutzend Dorfbewohnern, die an der Aktion als Statisten teilnahmen. "Dieser Text ist für dich, um dir Stimmen wegzunehmen." Einer singt auf Elsässisch dazwischen: "Darfst net so dumm redde."

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Ludwig studiert Geschichte und arbeitet nebenbei als Trainer in Sportvereinen. Seine Mitstreiter sind Studenten an einer nahegelegenen Schule für Weinbau, Ingenieure, Sozialarbeiter und Lehrer. Gemeinsam haben sie das "Kollektiv 68770" gegründet - in Anspielung auf die Postleitzahl von Ammerschwihr.

Gegen das Klischee von "rechtsradikalen Elsass"

Der FN-Kandidat Binder 41, selbsternannter "Kandidat für eine entwurzelte Region", tourt seit Wochen mit einem Kleintransporter durchs Elsass, auf dem das Plakat mit dem Foto vom Ammerschwihr prangt. Ihre rechte Anhängerschaft mobilisierte die Partei zuletzt landesweit mit einer Kampagne gegen Minarette und Muslime und dem Slogan "Nein zum Islam".

Bei der letzten Regionalwahl im Jahre 2004 hatten die Front National und ihr regionaler Ableger "L'Alsace d'abord" (Das Elsass zuerst) in der Grenzregion das Rekordergebnis von 28 Prozent erzielt. In Ammerschwihr brachten es die Rechtsextremen immerhin auf 18,5 Prozent.

Mit dem Clip wolle das Kollektiv gegen das "Klischee vom rechtsradikalen Elsass" ankämpfen, sagt Ludwig. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen: Bisher wurde der Clip schon über 80.000-mal aufgerufen. Ludwig und seine Mitstreiter sind nun gespannt, ob ihr Protest den Wahlerfolg der Rechtsextremen im Elsass mindert. "Hoffen kann man ja immer", sagen sie.

cht/AFP
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