Studieren mit Kind Märchenstunde statt Mensaparty

Kind plus Studium, passt das? Werdende Eltern sollten sich früh erkundigen, wie sich Baby und Hörsaal am besten vereinbaren lassen. Professoren gewähren oft Aufschub, sofern sie Bescheid wissen. Zudem gibt es viele finanzielle Hilfen - nur kennen viele Studenten die nicht.
Promotionsstudentin mit Baby: Lernen mit Kind, wie geht das am besten?

Promotionsstudentin mit Baby: Lernen mit Kind, wie geht das am besten?

Foto: dapd

Das Thema Familienplanung liegt für die meisten Studenten in weiter Ferne. Doch für manche gehört der Spagat zwischen Kind und Karriere bereits während der Ausbildung zum Alltag. "Grundsätzlich ist das Studium eine gute Zeit für die Familiengründung", sagt Manuela Lang vom Campusbüro "Uni mit Kind" der Technischen Universität und des Studentenwerks Dresden.

Man sei während dieser Jahre sehr flexibel und habe mehr Freiheiten als später im Berufsleben - selbst seit der veränderten Studiensituation durch Bachelor und Master. Zwar bleibe in Prüfungsphasen manchmal weniger Zeit für die Kinder, dafür könnten aber die Semesterferien intensiv für die Familie genutzt werden. "Zudem bemühen sich die Hochschulen zunehmend um Familienfreundlichkeit", sagt Lang.

Trotzdem bedeutet die Kombination von Studium und Kindererziehung häufig einen immensen Aufwand. "Ein Kind duldet im Gegensatz zur Hausarbeit nun mal keinen Aufschub", sagt Stefan Kühnapfel, der an der Universität Oldenburg Studenten mit Kind berät. Er wurde während des Studiums selbst Vater. Viele studentische Eltern hätten Probleme, weil die Betreuungsmöglichkeiten für Kinder nicht ausreichten.

Beim Professor um Aufschub bitten

Auch Manuela Lang erreichen oft Klagen über Zeitnot. "Viele haben das Gefühl, weder Studium noch Familie richtig gerecht werden zu können", sagt die Diplompsychologin. Aufgrund des straffen Zeitplans hätten Betroffene zudem nur noch wenig Kontakt zu ihren kinderlosen Kommilitonen. Zeit für ein Schwätzchen in der Cafeteria oder für Engagement in Studentengremien bleibe selten.

Lang empfiehlt Studenten mit Kindern, offen und transparent mit der Situation umzugehen. Viele Betroffene trauten sich beispielsweise nicht, beim Professor um Aufschub für ihre Hausarbeit zu bitten, weil ihr Kind krank ist. "Wenn es relevant wird, sollte man solche Probleme aber auf jeden Fall ansprechen", sagt Lang. Sinnvoll sei beispielsweise auch, beim Prüfungsamt frühzeitig nach Ausnahmeregelungen oder Nachteilsausgleichen zu fragen und gegebenenfalls einen Antrag an den Prüfungsausschuss zu stellen.

"Viele studentische Eltern wollen wegen ihrer Kinder besonders schnell mit dem Studium fertig werden und halsen sich daher sogar noch mehr auf als regulär gefordert wird", sagt Stefan Kühnapfel. Das Ergebnis sei meist, dass irgendwann gar nichts mehr läuft. "Ein Studium ist als Vollzeitstudium angelegt und ein Kind braucht eine 24-Stunden-Betreuung." Es sei praktisch unmöglich, beides gleichzeitig vollständig zu leisten.

Fotostrecke

Mütter an der Uni: Alltag mit Baby, Bachelor und Master

Foto: Fritz Habekuß

"Man sollte da realistisch rangehen", empfiehlt Kühnapfel. Gut sei es, Netzwerke mit anderen studentischen Eltern zu knüpfen. "So kann man sich beispielsweise mit der Betreuung der Kinder abwechseln." Grundsätzlich gebe es auch die Möglichkeit, ein Teilzeitstudium zu absolvieren oder sich für mehrere Semester ganz beurlauben zu lassen.

Auch finanzielle Probleme gehören zum Alltag vieler studentischer Eltern. Manuela Lang empfiehlt Studenten, möglichst schon vor einer Schwangerschaft zu prüfen, wie sie Familie und Studium gleichzeitig finanzieren können und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

So könnten beispielsweise Erstausstattungsbeihilfen bei der Agentur für Arbeit sowie bei der Bundesstiftung Mutter und Kind  beantragt werden. "Von der Agentur für Arbeit bekommt man außerdem unter Umständen finanzielle Unterstützung für Mehrbedarf während der Schwangerschaft", sagt Lang. Zudem lohne es sich, beim örtlichen Studentenwerk zu fragen, ob es für studentische Eltern Unterstützung gibt.

Nach der Geburt stehen der jungen Familie Elterngeld und Kindergeld zu. "Bafög-Empfänger können versuchen, nach der Regelstudienzeit eine Verlängerung der Förderungshöchstdauer zu beantragen. Hier empfiehlt sich die Beratung im Bafög-Amt", sagt Manuela Lang. Gehe man hingegen länger in Elternzeit und pausiere mit dem Studium, könne man unter Umständen Leistungen aus dem Arbeitslosengeld II beziehen.

Verfügten die Eltern über ein geringes Gehalt, weil ein Elternteil etwa schon berufstätig ist, gebe es die Möglichkeit, einen Kindergeldzuschlag sowie Wohngeld zu beantragen. "An niedersächsischen Hochschulen ist man außerdem beispielsweise von den Studienbeiträgen und den Langzeitstudiengebühren befreit, wenn man Kinder unter 14 hat", sagt Stefan Kühnapfel. Möglicherweise sähen einzelne Universitäten außerdem auch noch weitere Vergünstigungen vor.

"Das Problem ist allerdings, dass viele studentische Eltern gar nicht wissen, auf welche Leistungen sie Anspruch haben", sagt Kühnapfel. Selbst die zuständigen Behörden seien nicht immer richtig darüber informiert, welche Regelungen in dieser Situation anzuwenden sind. Der Experte empfiehlt Betroffenen, sich an die Sozialberatungen der Studentenwerke zu wenden und außerdem auch selbst zu recherchieren, wie die jeweilige Gesetzeslage aussieht.

Von Maria da Silva/dapd/son
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.