Rauswurf wegen SM-Website Der verhängnisvolle Tippfehler

Promotion ade. Als Passauer Studenten sich auf der Suche nach Romantik im Internet vertippten, fanden sie ein Foto ihres Dozenten Tom T. auf einer SM-Seite im Netz. Dessen Doktorvater erfuhr davon, sah sich die Seiten an und zitierte T. in die Uni. Man trennte sich.


Stein des Anstoßes: Domantik-Seite

Stein des Anstoßes: Domantik-Seite

In einem halben Jahr hätte T. seine Promotion an der Uni Passau abgeschlossen, doch vergangene Woche bekam sein Doktorvater, Rolf Bühner, Wind von T.s Internet-Aktivitäten. Die Promotion ist nun gestorben, und seinen Job an der Uni ist der Dozent auch los. Der Stein des Anstoßes: T. betreut in seiner Freizeit das Internetmagazin "www.domantik.de", das seine Partnerin betreibt.

Domantik, das ist für T. und seine Lebensgefährtin ein "Wechselspiel aus Romantik und Dominanz". Detailliert informiert die Seite über sadomasochistische Praktiken. Dabei bemühen sich die Betreiber um den Jugendschutz. Jugendgefährdende Bereiche sind nur zugänglich, wenn man über einen Verschlüsselungscode seine Volljährigkeit nachweist. Doch genützt hat den beiden diese Sperre nicht: Seinen Job hat T. verloren.

"Kein Biogemüse"

Uni-Job und SM-Hobby, daran nahm solange keiner Anstoß, bis die Passauer Sonntags-Gazette "Am Sonntag" von dem Fall erfuhr. Ein Reporter und T. hatten sich zum Gespräch getroffen über die Website und Domantik gesprochen. Der Journalist erzählte dem Professor von T.s Seite noch bevor der persönlich mit seinem Vorgesetzten sprechen konnte. "Der Journalist hat etwas verwechselt: Er hat nicht über eine Geschichte geschrieben, sondern eine Geschichte gemacht", sagt T. heute.

Das schnelle Treffen zwischen dem Reporter und dem Professor war nicht abgesprochen zwischen T. und dem Pressemann. Das Vertrauensverhältnis zwischen Professor und Doktorand war schlagartig zerstört. "So was ist nicht vereinbar mit den Dienstpflichten eines wissenschaftlichen Mitarbeiters im Umgang mit jungen Leuten", sagte der Professor anschließend dem Blatt. "Mangelnde Reife" habe man dem ihm an der Uni vorgeworfen, so T. auf seiner Homepage.

Dabei hatte T. zunächst das ok des Uni-Senats bekommen, sagt er. Den hatte er nach einem Gespräch mit dem Reporter der Sonntags-Zeitung angesprochen, ob sich das Engagement im Internet mit seinem Beruf vereinbaren lasse. "Das ist ihre Privatsache", soll das Senatsmitglied gesagt haben.

Das sieht Uni-Kanzler Ludwig Bloch anders. Das Problem sei gewesen, dass T. seine Privatsphäre verlasse, wenn er "öffentlich zugänglich und mit vollem Namen" auftrete, sagt Bloch. T. sei sich wahrscheinlich nicht über die Konsequenzen bewusst gewesen. "Schließlich hat er ja nicht mit Biogemüse im Internet gehandelt", so Bloch. Zudem diskriminierten einige Darstellungen auf der Seite Frauen und entsprächen damit nicht dem Verbot der geschlechtlichen Diskriminierung. Gefeuert wurde T. dennoch nicht, das betonen sowohl er als auch die Universität.

"Immer korrekt verhalten"

Seinen Arbeitsplatz hätte T. sicherlich einklagen können. Denn, so sagt er, er habe keine Nebeneinkünfte daraus erzielt, die er hätte angeben müssen. Seine Tätigkeit als Jugendschutzbeauftragter bei Domantik.de sei ehrenamtlich gewesen. Betreiber der Seite sei er auch nicht. Ohne das "Wohlwollen des Doktorvaters" sei es jedoch ein "sinnloses Unterfangen", an der Uni Passau zu promovieren.

Auch nachdem er seinen Job verloren hat, steht T. zur Uni Passau und blickt ohne Groll auf seine Dozentenzeit zurück. Der Uni Passau und seinen Studenten gegenüber habe er sich immer korrekt verhalten. "Ich habe wohl bei den Studenten ein gewisses Ansehen gehabt und gerne an der Uni gearbeitet", sagt T. Auch Bloch weiß nichts von Verfehlungen des wissenschaftlichen Mitarbeiters.

Im Gästebuch geht es hoch her

"Am Sonntag" jedenfalls hat sich nicht nur Freunde mit der Geschichte über den Dozenten gemacht. Im Gästebuch auf der Internetseite der Zeitung beschimpfen Leser das Blatt und den Reporter. Die Zeitung betreibe "Hexenverfolgung" schreibt einer, und ein Leser empfiehlt dem Blatt, doch auch die Ansichten des Professors unter die Lupe zu nehmen: "Welchen Neigungen gehen denn eigentlich manche Profs nach Dienstschluss nach? Wär' ja auch mal interessant zu erfahren". Diejenigen, die die Trennung zwischen Professor Bühner und T. befürworten, sind jedenfalls deutlich in der Minderzahl.

Urs Zietan



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