Reformpläne für Bachelor Weniger Notendruck, mehr Freiheiten

Zu vollgepackt sei das Studium, heißt es oft, und zu verschult. Nun soll der Bachelor besser an die Bedürfnisse der Studenten angepasst werden.
Erstsemester-Studenten in Koblenz

Erstsemester-Studenten in Koblenz

Foto: Thomas Frey/ dpa

Wenn die Sommerferien vorbei sind, beginnen wieder Zehntausende Menschen mit einem Bachelor-Studium. Und dabei wird es oft nicht bleiben: Viele Studenten streben danach noch einen Master an.

Denn der Bachelor hat auch zehn Jahre nach seiner Einführung noch einen schlechten Ruf. Kritiker finden ihn zu verschult, zu eng getaktet und auf dem Arbeitsmarkt wird er häufig nicht als vollwertiger Abschluss gesehen.

Nun haben sich die Hochschulen und die Bundesländer auf Reformpläne geeinigt. Nach monatelangen Beratungen legten die Kultusministerkonferenz (KMK) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) am Freitag ihre Vorschläge vor. 

Was soll anders werden im Studienverlauf?

Studenten sollen mehr Freiräume bekommen. Hochschulen sollen Studienverläufe individueller gestalten dürfen. Die "Übersättigung mit Inhalten" im knapp bemessenen Bachelor-Studium müsse aufhören, sagt HRK-Vize Holger Burckhart. Teilzeit-, Fern- oder berufsbegleitendes Studium sowie Studieren mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten soll leichter werden. Vorgaben zur Regelstudienzeit sollen flexibler gehandhabt werden.

Was soll sich bei den Noten ändern?

Hochschulen müssen künftig nicht mehr zwangsläufig die Noten insbesondere aus den ersten beiden Semestern auf die Endnote anrechnen. Auch "bestanden" oder "nicht bestanden" kann reichen. Das soll den Leistungsdruck mildern.

Soll ein Studium dann insgesamt länger dauern?

Das kalkulieren die Hochschulen ein. "Es sollte künftig keine starre staatliche Vorgabe für eine Gesamtstudienzeit Bachelor und Master von zehn Semestern mehr geben", sagt HRK-Chef Horst Hippler. "Ein Bachelor in Physik ist nie im Leben ein Physiker", sagte der Karlsruher Physik-Professor einmal.

Wie sind die Jobaussichten von Bachelor-Studenten?

Die Arbeitslosenquote von FH-Absolventen liegt bei etwa drei Prozent, unter Uni-Absolventen sind es sogar nur rund zwei Prozent. Der Bildungsbericht 2016 notiert: "Zwei Drittel der Bachelors von Universitäten und drei Viertel aus Fachhochschulen, die nach dem Bachelor erwerbstätig werden, sind [...] etwa ein Jahr nach dem Studium in Positionen tätig, für die ein Hochschulabschluss erforderlich ist." Die Praxistauglichkeit des Abschlusses ist aber umstritten.

Um wie viele Studenten geht es in Deutschland?

Um sehr viele. Im Wintersemester 2014/2015 waren 88 Prozent aller Studiengänge auf Bachelor und Master ausgelegt. An den Fachhochschulen lag der Anteil laut HRK und KMK bei 99 Prozent. An Musikhochschulen betrug er 84, an Kunsthochschulen 62 Prozent. In den Fächern Lehramt, Medizin, Pharmazie und Rechtswissenschaften ist der Bachelor weniger weit verbreitet. Laut Statistischem Bundesamt studieren drei Viertel der 2,7 Millionen Studenten auf Bachelor oder Master.

Wie geht es weiter?

Im kommenden Wintersemester ändert sich im Uni-Alltag wohl noch nichts. Wie schnell die neue Vereinbarung zwischen HRK und KMK an den Hochschulen umgesetzt wird, bleibt abzuwarten.

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Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance / dpa

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lov/dpa
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