Rektoren-Suche in Hohenheim Gescheitert auf den letzten Metern

Die Uni Hohenheim, scheint es, kann einfach keinen Rektor finden: Ein neuer Chef war gewählt und sollte in wenigen Wochen anfangen - doch am Gehalt scheiterte der Deal zwischen Kandidat und Uni. Jetzt muss Alt-Rektor Hans-Peter Liebig weitermachen. Keiner will Schuld gewesen sein.

Von Heike Sonnberger


Eigentlich war die Nachfolge des langjährigen Hohenheimer Uni-Rektors Hans-Peter Liebig, 66, längst geklärt - das zumindest dachte der Amtsinhaber bis zum Sonntag. Am 1. Oktober sollte die Universität Hohenheim in Stuttgart einen neuen Chef bekommen und Liebig damit endlich in den verdienten Ruhestand dürfen.

Die Übergabe der Amtsgeschäfte sei schon besprochen worden, sagt Christoph Alexander Müller, der designierte Neue. Müller, 43, ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen - und dort wird er nun auch erstmal bleiben. Gut drei Wochen bevor er seinen neuen Job antreten sollte, sagte Müller ab. Das gab die Universität am Mittwoch bekannt.

Knackpunkt war, das geben beide Seiten zu, das Gehalt. Man konnte sich nach viel Hin und Her letztlich doch nicht einigen. Rektor Liebig ist entsprechend wütend. Die Wahl Müllers, der sich gegen 16 andere Bewerber durchsetzte, liegt vier Monate zurück. Mitte Mai hatte der Universitätsrat Müller zum künftigen Rektor gewählt, der Senat bestätigte ihn mit großer Mehrheit am selben Tag.

"Das klärt man bitteschön vorher"

Liebig ist drei Tage nach der Absage noch immer entrüstet: "Ich glaub es nicht!", sagte er SPIEGEL ONLINE. Er sei zwar bereit, für ein weiteres Jahr Rektor zu bleiben. Aber empört klingt er trotzdem. Es spreche nicht für den Kandidaten, "dass die Frage des Gehalts zu einem so späten Zeitpunkt noch hochkommt". Die Bewerbung auf solch ein Amt setze voraus, dass man den finanziellen Rahmen kenne. "Das klärt man bitteschön vorher."

Die Kritik richtet sich an Müller - aber sie trifft auch den Universitätsrat, der das Gehalt mit Müller aushandelte.

Der designierte Rektor habe wohl damit gerechnet, er komme "an Schweizer Gehälter heran", sagte der Vorsitzende des Universitätsrates, Herwig Brunner. Das sei auch der Grund, warum die Verhandlungen mit Müller gescheitert seien. Die Universität schlägt in ihrer Erklärung in dieselbe Kerbe.

Müller wehrt sich gegen den Vorwurf, er habe zu viel Geld verlangt. Er hätte Einbußen gegenüber seines Schweizer Gehalts hingenommen, sagt er, aber: "Irgendwann ist eine Grenze erreicht." Müller erinnert sich so: "Wir hatten vor der Bewerbung schon über das Thema gesprochen." Vor der Wahl hätten die Uni-Verantwortlichen und er beim Thema Geld "eine Basis" gefunden. Er will auch die Kritik nicht gelten lassen, er habe das Thema zu spät angesprochen. Vielmehr habe der Universitätsrat sich in mehrwöchigen Verhandlungen auf seine Forderung zubewegt, dann aber das Angebot wieder gesenkt.

Der Universitätsrat betont, man habe lediglich eine "Bandbreite" vor der Wahl vereinbart. Die konkreten Forderungen Müllers nach der Wahl nennt Universitätsrats-Vorsitzender Brunner "nicht realisierbar". Der Rat habe Müller ein Grundgehalt nach Besoldungsgruppe W3 geboten, also rund 65.000 Euro im Jahr plus Zulagen. Die Gehaltsvorstellung des designierten Chefs hätten 30 bis 40 Prozent über den Vorstellungen des Rates gelegen, sagt Brunner. Nicht einmal "wenn man einen Nobelpreisträger aus dem Ausland zurückgewinnen will", könnte sich eine Uni wie Hohenheim so etwas leisten.

Klaus Landfried, früher Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, schätzt das Durchschnittsgehalt eines deutschen Uni-Präsidenten auf 90.000 bis 100.000 Euro im Jahr. Landfried hat lange Professoren in Gehaltsverhandlungen beraten - und die liefen oft wenig professionell ab. Auch Landfried wundert sich, wie der amtierende Rektor Liebig, dass es nach der Wahl und so kurz vor Amtsantritt noch zum Streit ums Geld kommen konnte. "Das muss doch vor einer Wahl geklärt sein, da kann man sich nur an den Kopf fassen."

Besonders ärgerlich für Alt-Rektor Liebig: Für ihn ist es schon die zweite gescheiterte Suche nach einem Nachfolger. Bereits vor einem Jahr sollte der Rektorenposten in Hohenheim neu besetzt werden. Damals hatte jedoch der Senat der Uni den Kandidaten abgelehnt, den der Universitätsrat gewählt hatte. Schon einmal musste Liebig damals um ein Jahr verlängern - und auch diesmal geht er in ein weiteres ungeplantes Amtsjahr.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
kkonline 07.09.2011
1. schlechter Witz ?
65.000 Euro im Jahr für einen Universitätspräsidenten sind in der Tat ein Witz. Wir wissen doch aus dem Fall "Monica Lierhaus", dass schon eine schlichte Fernsehansagerin beim deutschen Staatsfernsehen für 2-3 Stunden Arbeitszeit pro Monat 450.000 Euro pro Jahr kassiert. Ich finde es unverschämt, dass man einen renommierten Schweizer Wissenschaftler mit einem derartigen "Angebot" so brüskiert.
TotalRecall 07.09.2011
2. Herrlich
Tja, da hat der gute Mann mal den berühmt-berüchtigten Deutschen Fachkräftemangel kennengelernt! Warum sollte es bei den Unis anders zugehen als bei den Industrieunternehmen? Motto: Will Benz fahren, aber nur für Skoda zahlen.
5Minute 07.09.2011
3. ..
Zitat von kkonline65.000 Euro im Jahr für einen Universitätspräsidenten sind in der Tat ein Witz. Wir wissen doch aus dem Fall "Monica Lierhaus", dass schon eine schlichte Fernsehansagerin beim deutschen Staatsfernsehen für 2-3 Stunden Arbeitszeit pro Monat 450.000 Euro pro Jahr kassiert. Ich finde es unverschämt, dass man einen renommierten Schweizer Wissenschaftler mit einem derartigen "Angebot" so brüskiert.
Jo schon. Aber es wird wohl Beamtengehalt sein. Bleibt deutlich mehr übrig. Ausserdem Zulagen.
muellerchr 07.09.2011
4. Vorher und nachher
Kurze Klarstellung: Vor der Wahl war genau eine Gehaltsstufe von der Uni angekündigt worden, da war eigentlich alles zu dem Thema geklärt, nach der Wahl ging das dann kräftig nach unten. Erst dann wieder nach oben. Ohne die Ankündigung mehr zu erreichen. Und der schriftliche Vertrag kam erst letzten Freitag, der war für Juli angekündigt.
loddarcontinua 07.09.2011
5. Schwaben versenken Milliarden bei S21 und sparen bei der Bildung
Zitat von kkonline65.000 Euro im Jahr für einen Universitätspräsidenten sind in der Tat ein Witz. Wir wissen doch aus dem Fall "Monica Lierhaus", dass schon eine schlichte Fernsehansagerin beim deutschen Staatsfernsehen für 2-3 Stunden Arbeitszeit pro Monat 450.000 Euro pro Jahr kassiert. Ich finde es unverschämt, dass man einen renommierten Schweizer Wissenschaftler mit einem derartigen "Angebot" so brüskiert.
Kann mir nicht vorstellen, dass ein wohlbestallter W3-Prof. sich mit 65.000 begnügt, obwohl es eine "Beamtenbesoldung" ist, bei der ja bekanntlich keine Rentenbeiträge und Arbeitslosenversicherungsbeiträge abgezogen werden, die PKV-Beiträge sind auch günstiger...Als Rektor hätte er wohl schon so 90-100.000 Besoldung erwarten können, was wohl einem Angestelltengehalt von rund 120.000 entspricht. Nur, ist dieser Schweizer Prof. bzw. die Uni so doof, dass man sich nicht vorher über Gehalt/Besoldung im Klaren ist? Oder waren andere unerfüllte Dinge im Spiel? Heutzutage ist es ja normal, dass bei Berufungsverhandlungen gleich auch eine feste Stelle für den/die Lebenspartner(in) an derselben Uni zur Bedingung gemacht wird....
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