Roboterwettkampf Akademiker-Bespaßung mit Tiefgang

Der Meister heißt "Master": Aus einem Koffer mit Schrott bastelten zwei 21-jährige Studenten einen Miniroboter und gewannen einen Darmstädter Roboterwettkampf. Nun fahren sie zur Weltmeisterschaft nach Japan.


Je wendiger, desto besser - Darmstädter Robiter beim Bällesammeln
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Je wendiger, desto besser - Darmstädter Robiter beim Bällesammeln

"Master" hat den Bogen raus. Im Sekundentakt schießt der Kleinroboter die Tischtennisbälle die Steilwand hinauf in eine Plexiglasablage. Dann klappt er wieder seine Schaufel nach vorne, um Nachschub auf dem Spielfeld zu holen. Und im Vorbeifahren knipst er seinem Gegner noch schnell für zehn Sekunden den Strom aus. Eine unwiderstehliche Technik - "Master" machte seinem Namen beim International Design Contest (IDC) am Wochenende alle Ehre. Das Gefährt der 21-jährigen Maschinenbaustudenten Felix Lütteke und Arne Rost gewann alle vier Duelle überlegen.

Der Wettbewerb IDC wird auch an sechs anderen Hochschulen in Brasilien, England, Frankreich, Japan, USA und Südkorea ausgetragen. Dabei ist die Aufgabenstellung stets die gleiche: Zwei Studenten konstruieren ein Gefährt aus einem Koffer aus rund 150 Teilen. Neben Motoren gehören dazu vor allem Schrott oder Skurriles wie Klobürsten, Kondome, Batterien, Damenstrumpfhosen oder Schallplatten.

Als Preis winkt den jeweils drei Bestplatzierten eine Reise nach Japan. Dort treffen sich die Mannschaften im Juli zur Endausscheidung. Dabei werden internationale Teams zusammengesetzt, die binnen 14 Tagen neue Roboter bauen müssen.

Zu viel Technik schadet nur

Der Darmstädter Parcours hatte es in sich. In zwei Minuten sollten die 4,5 Kilogramm schweren Roboter Tischtennisbälle auf dem etwa acht Quadratmeter großen Spielfeld einsammeln und auf eine Plattform entweder hochschießen oder in einem Korb an einer Stange hochfahren. Als einziger Roboter versuchte "Mississippi elevating Elefant", in einer Schiene die Wand hinaufzufahren - und wurde nach grandiosem Scheitern zum Publikumsliebling.

Besonders erfolgreich waren die einfachen und friedfertigen Roboter. Sie durften sich zwar auf jede Art behindern und die Gegner zum Beispiel rammen oder ihnen Gummibänder vor die Nase legen. Doch der wendige "Master" ging jedem Streit aus dem Weg und fuhr statt dessen einen Knopf am Spielfeldrand an, der dem Gegner für zehn Sekunden den Strom abstellt.

Rund 150 Stunden haben die Gewinner an ihrem Roboter getüftelt und dafür viele Leute befragt. Den Durchbruch hat der Hinweis auf eine Tischtennis-Ballmaschine gebracht: "Die haben wir kopiert", so Arne Rost. "Das sind clevere Kerlchen", kommentiert ein Assistent den Siegeszug der Zweitsemester. Die beiden "Greenhorns" seien "noch nicht so verdorben von den Vorlesungen", fügt er lachend hinzu.

Der Wettbewerb ist mehr als nur pure Gaudi für vergnügungssüchtige Akademiker - er soll Studenten spielerisch an die Wissenschaft heranführen. Es gehe darum, Spaß und Können zu verbinden, sagte Johann-Dietrich Wörner, Präsident der TU Darmstadt. Die anspruchsvolle Aufgabe, aus Schrott funktionstüchtige Fahrzeuge zu konstruieren, verlange Teamgeist und Kreativität.



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