Rostocker Privatuni Hanseuniversität muss dichtmachen

Mit großspurigem Motto warb sie für Aktionäre, eine Kaderschmiede an der Ostsee wollte sie werden. Jetzt steht fest: Die private Hanseuniversität in Rostock wird aufgelöst. Eine Uni ohne Studenten war den Investoren einfach zu aussichtslos.


"Think big" - mit diesem Motto tourten die Macher der privaten Hanseuniversität (PHU) vor rund sechs Jahren durchs Land auf der Suche nach Investoren. Als erste Universität in Deutschland wollte die Rostocker PHU ihr Kapital von Aktionären einwerben. Nun steht fest: Die Pioniere sind gescheitert - der Betrieb wird zum 31. März eingestellt.

Nach nur drei Semestern ist an der Privatuni von Rostock Schluss.
Private Hanseuniversität Rostock

Nach nur drei Semestern ist an der Privatuni von Rostock Schluss.

Gespräche mit einem ausländischen Investor seien erfolglos verlaufen, teilte PHU-Geschäftsführer Knut Einfeldt mit. Studiert wurde an der Uni ohnehin nicht mehr, der Lehrbetrieb wurde schon zum Wintersemester 2008 gestoppt. Kurz zuvor war der Hauptinvestor abgesprungen: Die Hamburger Educationtrend AG hielt 97 Prozent am Trägerfonds und stellte damit das Stammkapital von fünf Millionen Euro. Den Ausstieg des Bildungsinvestors konnte die PHU nicht verkraften.

Von fünf auf vier auf ...

"Eine Ruhepause im Lehrbetrieb" nannte die PHU den Stopp im Herbst - doch ruhig wäre es in den Seminarräumen auch so zugegangen: Nur drei Studenten waren eingeschrieben. Mit 700 Studenten bis 2012 hatten die Gründer mittelfristig gerechnet. Doch das war mehr als optimistisch: Zum ersten Semester im Herbst 2007 schrieben sich gerade einmal fünf Studenten an der PHU ein. Im darauf folgenden Sommersemester waren es nur noch vier - für Investoren wie Educationtrend viel zu wenig.

Dass kaum ein Student nach Rostock-Warnemüde kommen wollte, lag zum einen am überschaubaren Studienangebot: Neben dem Wirtschafts-Bachelor konnten die Studenten Business-IT und Jura studieren - Massenfächer, die auch an attaktiveren Standorten als Rostock-Warnemünde angeboten werden.

Zum anderen schreckten Studiengebühren von 7500 Euro pro Semester ab. Ein teures Studium in den Allerweltsfächern Wirtschaft und Jura interessiert wenige. Und die gehen lieber an etablierte Privathochschulen wie Witten-Herdecke oder die Hamburger Bucerius Law School. Zudem wurde der PHU vorgeworfen, sich gegenüber der staatlichen Universität Rostock falsch positioniert zu haben.

Unternehmen hatten kein Interesse

Doch es war nicht nur das fehlende Interesse der Studenten, das die PHU zu Fall brachte: Auch Unternehmen waren nicht in dem Maße an Kooperationen interessiert, wie sich die Uni-Leitung das vorstellte. Es gehörte zum Konzept der Hochschule, dass Unternehmen ihre Trainees in der Kaderschmiede zu Topmanagern ausbilden lassen.

Momentan sind neun Mitarbeiter an der PHU beschäftigt, davon sechs Professoren. Sie seien schon Anfang September über das drohende Ende informiert worden, sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. Noch kurz vor dem Lehrstopp im Herbst 2008 waren drei Jura-Professoren berufen worden.

bim/dpa/ddp



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