Rübermachen für Anfänger Uni Potsdam ködert Erstsemester mit BahnCard
Die Mauer ist schon so lange weg, die Entfernung bleibt. Potsdam hat das gleiche Problem wie viele andere Hochschulen in den neuen Ländern: Abiturienten aus dem Westen, da können Bildungspolitiker noch so lautstark appellieren, wollen partout nicht gen Osten ziehen. Wer sich doch dazu durchringt, erhält von der Universität Potsdam fortan eine BahnCard für lau. Die Rabattkarte, mit der Bahnreisende ihr Ticket zum halben Preis erhalten, kostet für Studenten normalerweise 110 Euro.
Mobil werden alle Studienanfänger bis zum Alter von 26 Jahren gemacht, die ihre Hochschulzugangsberechtigung in anderen Bundesländern als Berlin und Brandenburg erworben haben und dort auch noch ihren Hauptwohnsitz haben. Diese Anforderungen hätten im vergangenen Semester, als die Uni noch nicht mit BahnCards auf "Ersti-Fang" ging, 550 neue Studenten erfüllt. Bislang immatrikulierten sich lediglich 15 Prozent aus den alten Bundesländern - die Uni Potsdam glaubt, das liege vor allem an der "mangelnden Mobilitätsbereitschaft" der jungen Leute .
Die Karte wird im Abonnement ausgegeben, die Gebühren dafür zahlt die Uni direkt an die Bahn. Für Studienanfänger aus dem Umland dagegen gibt es keine neuen Geschenke - ihr Semesterticket sorgt bereits für Reisefreiheit und gilt in Berlin und Brandenburg als Fahrausweis. Einziger Haken beim Brandenburger Begrüßungsgeschenk: Wird die BahnCard nicht sechs Wochen vor Ablauf der Karte gekündigt, so verlängert sich das Abonnement automatisch und muss im zweiten Jahr voll bezahlt werden.
Mit der "Mobilitätsprämie" will die Universität auch der Verpflichtung aus dem Hochschulpakt nachkommen und die Anzahl der Studienanfänger im Vergleich zu 2005 konstant halten. Sonst kann der Bund, der mit 565 Millionen Euro die Hälfte des Geldes im Hochschulpakt gibt, sein Geld zurückverlangen.
Für ostdeutsche Hochschulen ist das Ziel nicht leicht zu erreichen. Die Abstimmung mit den Füßen geht bislang zu ihren Ungunsten aus, sie schneiden in der Wanderungsbilanz schlecht ab. Und anders als im Westen droht die Studiennachfrage wegen des demografischen Wandels in den kommenden Jahren einzubrechen.
Man wartet sehnsüchtig auf Westbesuch
Höchste Zeit also für neue Ideen. Manche Hochschulen setzen eher auf PR-Getrommel und loben sich selbst, wie Jena, zum kommenden "Studentenparadies" aus - gleich zur studentenfreundlichsten Stadt Europas wolle man werden, tönte Jenas Uni-Rektor schon letztes Jahr. Auch Sachsen-Anhalt und Thüringen buhlen mit Image-Kampagnen um Studenten. Und so geht ein ordentlicher Teil der Mittel aus dem Hochschulpakt nicht für bessere Studienbedingungen drauf, sondern fürs Marketing.
Statt in der Hoffnung auf mehr Westbesuch dick aufzutragen, bieten etliche Ost-Hochschulen wie Potsdam lieber Handfestes und setzen auf attraktive Prämien. Wer sich etwa neu an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) einschreibt, bekommt als Willkommensgeschenk die Semestergebühren von immerhin rund 200 Euro für das erste halbe Jahr erlassen. Abiturienten, die sich für Erfurt entscheiden, erhalten sogar jedes Semester 100 Euro Prämie.
Großes Plus: keine Studiengebühren
Begrüßungsgeld gibt es auch in Sachsen-Anhalt: Das Land hat unter dem Namen "In Magdeburg studieren und Geld kassieren" ein Bonusprogramm aufgelegt, mit dem in zwei Jahren insgesamt 160 Euro ausgezahlt werden. Dresden ködert Neustudenten mit Kulturgutscheinen.
Auf seinen Freizeitwert setzt auch Mecklenburg-Vorpommern: Unter dem Motto "Zwischen Strand und Audimax" wirbt Bildungsminister Henry Tesch (CDU) um Zuzügler; Greifswald verlost unter seinen Erstsemestern einen Segeltörn auf der Ostsee und gewährt Ermäßigungen fürs Strandbad.
Werden die Lockrufe im Westen erhört werden oder verhallen? Dort erwarten die Statistiker bis zum Jahr 2010 rund 90.000 zusätzliche Studienbewerber. Und wegen der Umstellung auf das achtjährige Gymnasium drängen kurz darauf doppelte Abi-Jahrgänge an die Hochschulen. Die haben sicher auch keine Lust auf die Campusmaut - Standortvorteil Ost: Auf generelle Studiengebühren verzichten die ostdeutschen Länder.
wie/jol