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19. Dezember 2013, 18:01 Uhr

Rückmeldegebühr

Tausende Alt-Studenten können noch Geld bekommen

Semester für Semester zahlten Berliner Studenten zu Unrecht eine Rückmeldegebühr. Das Geld können sie zurückfordern, allerdings nur noch bis Ende des Jahres: Dann läuft die Frist ab.

Wer Geld zurück möchte, muss sich beeilen: Noch bis zum 31. Dezember können Berliner Alt-Studenten zu viel gezahlte Gebühren zurückfordern. Dabei zählt der Posteingang an der jeweiligen Hochschule, die Zeit wird also knapp.

Der Grund für den möglichen kleinen Geldsegen: Zwischen den Wintersemestern 1996/97 und 2004/05 forderten Berliner Hochschulen 100 DM, später 51,13 Euro, bei jeder Rückmeldung. Solche Gebühren erheben zum Semesterstart zwar die meisten deutschen Hochschulen, dort heißen sie aber allgemeiner Verwaltungsgebühr oder -beitrag.

Problematisch für die Berliner war ihre Formulierung, das Geld falle "bei der Rückmeldung" an. Deren tatsächliche Kosten beliefen sich nämlich nur auf rund 22,41 DM. Damit stehe die Höhe der Gebühren in "grobem Missverhältnis zu dem Zweck", urteilten die Verfassungsrichter bereits im November 2012. Seit Anfang des Jahres konnten die betroffenen Studenten dann ihr Geld zurückfordern. Nach früheren Schätzungen kämen 90 Millionen Euro zusammen - sofern alle Studenten ihr Geld zurückfordern. Die Kosten trägt das Land Berlin.

Wie kommen Alt-Studenten an ihr Geld?

Bis zum Juni hatten die ehemaligen Berliner Studenten bereits 44 Millionen Euro zurückgefordert, teilte der Berliner Senat auf Nachfrage mit. Wie viele Studenten ein Recht auf die Rückforderung haben, sei nicht errechnet worden. An der Humboldt Universität (HU) beispielsweise wurden bislang rund 16.000 Anträge bearbeitet, weitere 8500 Anträge liegen noch unbearbeitet vor. Bis Anfang Dezember haben etwa 12.000 ehemalige HU-Studenten insgesamt rund fünf Millionen Euro erhalten, teilt die Uni mit. Dabei waren in dem fraglichen Zeitraum etwa 70.000 Studenten eingeschrieben.

Die Studentenvertretung der HU geht davon aus, dass berlinweit mehr als 100.000 ehemalige Studenten die Rückmeldegebühren bislang nicht eingefordert haben. Vorsichtigen Schätzungen zufolge belaufe sich die nicht abgerufene Summe auf etwa 15 Millionen Euro. Die Vertreter fordern die ehemaligen Studenten auf, das Geld wenigstens zu spenden - sollten sie nicht selbst darauf angewiesen sein.

Wer Geld möchte, muss einen Antrag stellen. Die entsprechenden Formulare haben die Studentenvertretungen der Unis ins Netz gestellt. (Musterbrief der FU Berlin, der TU Berlin, der HU Berlin)


Hilft das der Bildung oder kann das weg? Studiengebühren verschwinden bundesweit, in Bayern sind sie im Herbst 2013 Geschichte, in Niedersachsen ein Jahr später. Das Experiment, aus Studenten Kunden zu machen, ist vorerst gescheitert. Hier tauschen die Studentenvertreterinnen Carmen Langhanke und Franziska Traube Argumente aus, für und wider die ungeliebte Campusmaut. mehr...

fln

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