Schlüpfrige Videos Strafbefehl gegen Professor wegen sexueller Nötigung

Ein 59-jähriger Germanist soll Studentinnen zu anzüglichen Posen vor der Kamera genötigt haben und deshalb einen Strafbefehl erhalten. Die Begründung des Paderborner Professors ist pikant - angeblich dienten die Videos einem Forschungsprojekt.


Paderborn - Gegen den Professor hat die Staatsanwaltschaft jetzt einen Strafbefehl über 9000 Euro beantragt. Vorgeworfen wird ihm Nötigung in zwei Fällen. "Die Studentinnen baten um eine Bescheinigung für ihre Teilnahme an einer Lehrveranstaltung", sagte Oberstaatsanwalt Hans-Peter Dietzmann SPIEGEL ONLINE. Die beiden sollten ihren Schein aber nur bekommen, wenn sie beim Forschungsprojekt des Paderborner Professors mitmachten, so Dietzmann weiter: "Er ließ die Studentinnen sexuelle Posen einnehmen und filmte dabei."

Heraus kam der Vorfall, als eine der Studentinnen Anzeige erstattete. Nach Angaben des Professors dienten die Videos "Studien zur nonverbalen Kommunikation sowie Bewegungen von Frauen und deren Auswirkungen auf die Werbung". Nach Angaben der "Neuen Westfälischen" wurden bei einer Hausdurchsuchung 460 Video-Kassetten beschlagnahmt.

Der 59-Jährige sagte dem "Westfalen-Blatt", dass alle Teilnehmerinnen sich bei ihm beworben und freiwillig mitgemacht hätten. Die Vorwürfe bezeichnete er als "lächerlich", die Anzeigeerstatterin sei als "Agent Provocateur" geschickt worden. "Und daraus hat man hochschulintern dann übelste Vorwürfe konstruiert, um mich fertig zu machen", sagte er der Zeitung und beschrieb sich als Mobbing-Opfer: "Die Angriffe werden zentral aus dem Rektorat gesteuert."

Mit dem Sprachwissenschaftler hatte die Universität schon länger Ärger: Im letzten September versetzte das Rektorat ihn nach etwa einjähriger Abwesenheit zwangsweise in den vorzeitigen Ruhestand. Der in Frankfurt lebende Professor hatte zuvor eine Klage vor dem Verwaltungsgericht Minden angestrengt: Aus gesundheitlichen Gründen wollte er bei vollen Bezügen nur noch zwei Tage pro Woche in Paderborn lehren. Die Universität dagegen verlangte, dass er seine Lehrverpflichtung von 13 Stunden wöchentlich erfüllt und an vier Tagen pro Woche für Lehre, Studienberatung und Betreuung zur Verfügung steht.

Den Mindener Prozess verlor der Professor im März 2006 und scheiterte im Herbst auch mit einem Eilantrag gegen seine Zwangspensionierung. Die Hochschule führt ihn auf ihren Internetseiten dennoch weiter als Außerplanmäßigen Professor.

may/dpa



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