Schröder-Imitator Elmar Brandt Der prollige Charme des Kanzlers

Er ist die Zweitstimme von Bundeskanzler Schröder: Elmar Brandt, erstklassiger Stimmen-Parodist und Macher der "Gerd-Show". 50 Prominente aus Politik und Showbiz hat der Düsseldorfer Germanistikstudent in seinem Repertoire - von Dieter Bohlen bis Edmund Stoiber.

Von Sabine Hoffmann


Kanzler-Imitator Brandt: Prolliger Charme der Stimme
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Kanzler-Imitator Brandt: Prolliger Charme der Stimme

An einem frühen Montagmorgen im Juli hatte Gerhard Schröder die Nase voll: "Ich habe mich entschlossen, das Amt des Bundeskanzlers und des SPD-Parteivorsitzenden mit sofortiger Wirkung niederzulegen", tönte seine Stimme in den Jugendprogrammen des WDR, NDR und Hessischen Rundfunks. Künftig wolle er nur noch die "Gerd-Show" machen und sich voll und ganz dem Sektor Medien und Unterhaltung widmen.

Millionen Radiohörer waren verwirrt, schickten eilig E-Mails, riefen in den Senderzentralen an und fragten: Stimmt das wirklich? Natürlich nicht - alles nur ein Radio-Scherz von Elmar Brandt, Deutschlands bestem Schröder-Imitator.

Im Programm: Schwarzenegger, Carrell, Stoiber

Heute, gut drei Jahre später, sitzt Brandt in seiner Wohnung in Düsseldorf und sagt: "Das Faszinierende an der Stimme von Gerhard Schröder ist ihr prolliger Charme." 49 weitere prominente Stimmen aus Politik und Showbiz kann der 30-Jährige perfekt imitieren, darunter Verona Feldbusch, Arnold Schwarzenegger, Rudi Carrell, Helmut Kohl und Edmund Stoiber. Die meisten Lacher erntet er jedoch mit der "Gerd Show - Direkt aus Berlin", die deutschlandweit von 14 Rundfunkstationen gesendet wird.



Mehr als 800 Folgen zählt das Gag-Spektakel mittlerweile. Rund neun Millionen Menschen schalten täglich das Radio ein, wenn Schröder seinen Kontrahenten Stoiber als "alten Wasserbüffel" und "Kukidentgebiss" beschimpft. Und der CSU-Mann täuschend echt kontert: "Sie geistig umnachtetes Kieselhirn!"

300.000 Tonträger zur Kanzlersatire wurden bereits verkauft - 30.000 allein in der ersten Woche nach dem Erscheinen. Damit ist die vierte CD "Eddie und Gerd - Ein Kanzler und ein Halber" das bislang erfolgreichste Comedy-Album des Jahres. Dabei entstand die Idee zur "Gerd-Show" eher zufällig, an einem Samstagabend im Februar 1999.

Show-Kanzler Schröder

Elmar Brandt studierte an der Universität Düsseldorf Germanistik und Medienwissenschaften, jobbte nebenher beim WDR und belieferte verschiedene Radiosender mit Parodien auf Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl & Co.


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Um viertel nach Acht abends setzte er sich vor den Fernseher, um sich bei "Wetten, dass...?" in die bunte Promi-Glitzerwelt zu zoomen. Doch statt Top-Model Naomi Campbell strahlte ihn Bundeskanzler Gerhard Schröder aus dem Bildschirm an und machte mit Showmaster Thomas Gottschalk Smalltalk vor Millionen. Kurz darauf schellte Brandts Telefon. Ein Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks meldete sich und bat: "Mach doch mal was."

Mit seinem "Wetten, dass...?"-Auftritt habe sich Schröders Wandel vom Medienkanzler zum Show-Kanzler endgültig vollzogen, kommentiert Brandt. Zusammen mit Peter Burtz, seinem kreativen Co-Piloten, erschuf der Stimmenparodist "Die Gerd-Show - Die Show mit Gerd und Pferd". Doch bis die auf Sendung gehen konnte, hieß es: Üben, üben, üben. "Schröders Stimme ist extrem schwer nachzuahmen, weil sie nichts Markantes besitzt", erzählt Brandt - "jeder hat mich davor gewarnt."

Kontroll-Freak versus Laissez-faire-Mann

Ein halbes Jahr lang studierte er die Stimme des SPD-Politikers. Fuhr der Stimmen-Imitator mit dem Auto zum Einkaufen, schob er eine selbst gebrannte CD mit Schröder-Reden ins Laufwerk. Er guckte Fernsehen, hörte Radio und versuchte, des Kanzlers Worte nachzusprechen. Irgendwann habe es dann "Klick gemacht", erinnert sich Brandt. Mühelos imitiert er Schröder heute - im Wechsel mit Kontrahent Stoiber.

Zweitstimme Brandt: Wer will 25 Millionen Mark?

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Nur zwei Wochen brauchte Brandt für Stoibers Stimme. Um sich den bayerischen Dialekt einzuprägen, reiste er in den Süden der Republik. Die beiden Spitzenkandidaten hätten ein großes Streitpotential, sagt Brandt: "Stoiber ist ein Kontroll-Freak, der ständig unter Strom steht - und somit der beste Gegenspieler zum Laissez-faire-Mann Schröder."

Um sich Anregungen für neue Rede-Duelle zu holen, schlendert er jeden Morgen in ein Café nahe seiner Wohnung, blättert in Zeitungen und Magazinen und überlegt bei einer Tasse Kaffee: Wie kann man die Bonus-Meilen-Affäre parodieren? Und was ist mit den Vorschlägen der Hartz-Kommission?

Der Mann fürs Grobe und der Gummipuppen-Streit

Doch manchmal greift er auch kräftig daneben. So trat Gerhard Schröder in der RTL2-Show "Peep" als sexbessesene Gummipuppe auf. Elmar Brandt imitierte den Kanzler und schrieb die Interview-Texte. Ex-Moderatorin Nadja ab del Farrag las sie vom Teleprompter ab und fragte: "Haben Politiker anderen Sex als normale Menschen?" Prompt entfachte die Sendung eine heftige Diskussion, wie weit Satire gehen darf. "Kanzler tobt", titelte die "Bild"-Zeitung.

Auch andere Parodierte trieb der Comedy-Star mit seinen schrägen Scherzen beinahe bis zur Weißglut. Nach der Holzmann-Pleite Ende 1999 rief Brandt betroffene Mittelständler an und fragte: Wollt Ihr 25 Millionen Mark haben? Ein Unternehmer war über das fiktive Angebot so verärgert, dass er den Studenten anzeigte. Das Ganze sei aber ziemlich schnell im Sande verlaufen, so Brandt.



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