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Schule in Uganda: Plastikflaschen zu Federtaschen

Foto: Mona Massumi

Schule in Uganda Lehrerlachen in riesigen Klassen

Hundert Kinder in einer Klasse und trotzdem Spaß und Disziplin - wie machen die Ugander das? Sechs Kölner Lehramtsstudenten reisten für ihr Schulpraktikum nach Afrika und lernten viel über guten Unterricht und "Critical Whiteness".

Erst mit dem Flugzeug nach Entebbe, dann weiter mit dem Sammeltaxi nach Kampala, von da aus schließlich sieben Stunden per Postbus nach Gulu im Norden Ugandas: Der Weg zu ihrer Praktikumsschule war für Sara Ellerkmann und Gülseren Kaba Ende Februar etwas beschwerlicher als sonst. Zusammen mit vier Kommilitonen hatten die beiden Kölner Lehramtsstudentinnen Ende Februar ihr Berufsfeldpraktikum begonnen - knapp 6000 Kilometer Luftlinie von ihrer Heimat-Uni entfernt.

"Zuerst haben die 700 Kinder, ordentlich aufgestellt, auf dem Schulhof die Hymne gesungen", berichtet Sara Ellerkmann, 25, vom ersten Schulalltag. Danach sprachen erst die Lehrer, dann musste sie sich auf dem Rednerpult vorstellen. Mit einem "Good morning, children!" begrüßte sie die Schüler, die mit einem zackigen "Good morning, teacher!" antworteten. "Und dann haben alle gelacht, als ich meinen Namen sagte - den kannten sie nicht und konnten ihn auch nicht richtig aussprechen", erzählt Ellerkmann.

Mehr als hundert Kinder in der Klasse

Ihr sechswöchiges Praktikum, das Mitte April zu Ende geht, absolvierte sie an der Police Primary School in Gulu. Das Gelände ist weitläufig, der rotbraune Sandstaub überall: auf dem Schulhof sowieso, aber auch in den Klassenzimmern, zwischen den Heftseiten und auf den Tischen. Nicht der einzige Unterschied, den Sara und die anderen Kölner Studenten erlebten: Mehr als hundert in der Klasse seien der Normalfall, sagt Sara. Vier Kinder an einem Tisch, zehn Dreier-Tischreihen pro Klasse - und der Raum in etwa so groß wie ein Klassenzimmer in Deutschland.

Doch das Chaos, das bei solchen Platzverhältnissen wahrscheinlich in den meisten deutschen Schulen zu erwarten wäre, suchten die Kölner Studenten in Gulu vergebens. Als "sehr gehorsam und sehr diszipliniert" erlebte Gülseren Kaba, 24, ihre ugandischen Schüler: Alle hätten aktiv mitgemacht und seien sehr hilfsbereit gewesen, erzählt sie. Dem Lehrer wurde ganz selbstverständlich ein Stuhl gebracht und auch einen Besen, der im Weg lag, räumten die Schüler unaufgefordert zur Seite: "Ganz anders als in Deutschland."

Dass die sechs angehenden Lehrerinnen und Lehrer aus Köln für ihr Praktikum überhaupt in Gulu landeten, haben sie Inna Enns zu verdanken. Die 27-Jährige arbeitet inzwischen beim "Zentrum für LehrerInnenbildung" (ZfL) an der Universität zu Köln; während ihres Studiums verbrachte sie ein Auslandsjahr im Norden Ugandas. Sie lernte an der Uni in Gulu auch viele Kollegen kennen - und hatte bald die Idee, dass daraus so etwas wie ein Austausch werden könnte.

Vorbereitungskurs in "Critical Whiteness"

"Die Absprache war nicht immer ganz leicht, weil das Internet in Gulu nicht so stabil ist", erinnert sie sich. Drei Schulen erklärten sich schließlich bereit, die Praktikanten aufzunehmen. "Ziemlich leicht" sei es dagegen gewesen, die Uni in Köln und das ZfL von dem ungewöhnlichen Praktikumsort zu überzeugen, sagt Inna Enns. Dort könnten die Studenten wichtige Erfahrungen sammeln, die ihnen bei der Heterogenität in deutschen Klassenzimmer zugute kämen.

Zusammen mit ihrer Kollegin Mona Massumi begleitete Inna Enns die Praktikanten - nicht nur vor Ort in Gulu, sondern auch schon bei zwei Vorbereitungsseminaren in Köln. "Uns war wichtig, dass die Studierenden keine Helfersyndrom-Rolle einnehmen nach dem Muster: 'Wir fliegen jetzt mal nach Uganda und zeigen denen, wie man richtig gute Schule macht'", sagt Mona Massumi. Denn die ugandischen Schulen seien gut und hätten keine größeren Probleme.

"Critical Whiteness" stand deshalb bei der Vorbereitung ganz oben auf der Tagesordnung: "Welche Rolle habe ich eigentlich als weiße Besucherin in einem afrikanischen Land?" Diese selbstkritische Einschätzung, sagt Mona Massumi, sei einer der wichtigsten Aspekte überhaupt bei diesem Praktikum gewesen. Und dass angehende Lehrerinnen und Lehrer auch mal andere Länder und deren Schulsysteme kennenlernen, findet die ZfL-Mitarbeiterin ohnehin unerlässlich: "Internationalität und Diversität sind uns sehr wichtig - und das kann man eben auch anderswo kennenlernen als immer nur in den Niederlanden, Finnland oder den USA."

Gülseren, Sara und die anderen Kölner Studenten jedenfalls haben nach sechs Wochen in Gulu viel zu erzählen. Von Lehrern, die fröhlicher sind und viel mehr lachen als ihre deutschen Kollegen; von alten Getränkeflaschen aus Plastik, die als Mäppchen für die Schüler dienen; von Bleistiften, die per Messer angespitzt werden. Und von einer überwältigenden Gastfreundschaft. Sara sagt: "Ich hoffe, dass der Austausch zwischen Köln und Gulu im nächsten Jahr weitergeht."