Urteil in Schweden Studiengang zu schlecht - Gebühren zurück

Fiasko für eine schwedische Hochschule: Sie muss einer Studentin die Gebühren erstatten, weil ihr Studiengang zu schlecht gewesen sei. Er habe "keinen praktischen Wert", fanden auch die Richter. Das Urteil könnte weite Kreise ziehen.

Connie Askenbäck
Centrum för Rättvisa/Schweden

Connie Askenbäck


Weil sie das Niveau an ihrer Universität zu schlecht fand, ist eine US-Studentin in Schweden vor Gericht gezogen - und hat recht bekommen: Die Hochschule Mälardalen muss Connie Askenbäck umgerechnet gut 18.000 Euro Studiengebühren zurückzahlen.

Die Richter begründeten ihre Entscheidung am Dienstag damit, dass es gravierende Lücken im angebotenen Lehrstoff gegeben habe. Der Studiengang habe keinen "praktischen Wert".

Askenbäck ist US-Bürgerin und mit einem Schweden verheiratet. Die 31-Jährige kam 2011 nach Schweden, wo sie sich an der Hochschule rund 100 Kilometer westlich von Stockholm für ein Studium der Finanzanalytik einschrieb.

Schon bald bemerkte sie nach eigenen Angaben, dass vor allem das Mathematikniveau zu niedrig sei, um die von ihr angestrebte Karriere im Finanzwesen zu ermöglichen.

2013 wurde die Universität auch bei einer staatlichen Inspektion kritisiert, die Experten sprachen von erheblichen Wissenslücken. Askenbäck brach daraufhin ihr Studium ab - und zog vor Gericht. Dieses verurteilte die Hochschule nun zur kompletten Rückzahlung der entrichteten Studiengebühren in Höhe von 170.000 schwedischen Kronen plus Zinsen.

"Das fühlt sich wirklich gut an", sagte Askenbäck laut einer Mitteilung der Organisation Center for Justice, die ihren Fall unterstützte. "Jetzt kann ich endlich weiterstudieren, wie ich das eigentlich geplant hatte."

Man habe den Studiengang verbessert, teilt die Hochschule mit

Das Urteil könnte weitreichende Folgen haben. Seit 2011 verlangen schwedische Hochschulen Studiengebühren von Studenten, die nicht aus Schweden, der EU, der Schweiz oder einem anderen Land des Europäischen Wirtschaftsraums kommen.

Der Gerichtsentscheid betreffe den ganzen Sektor, sagte die Leiterin der Hochschule Mälardalen, Marie Eriksson. "Wir müssen uns nun hinsetzen und die Auswirkungen dieses Urteils prüfen", teilte sie mit. An der Hochschule studieren rund 14.000 Studenten. Auf ihrer Homepage wirbt sie damit, dass Teilnehmer des Studiengangs "Analytical Finance" Fähigkeiten erwerben, die ihnen zu einer "attraktiven Position" in der Geschäftswelt verhelfen würden.

Center for Justice sah das anders: Askenbäck habe sich in einen Studiengang eingeschrieben, der so schlecht sei, dass sogar die staatliche Hochschulbehörde ihn zurückgewiesen habe. "Es ist wichtig, dass die Hochschulen des Landes ein klares Zeichen bekommen, dass die Ausbildung, die sie anbieten und für die sie Geld verlangen, auch den Gesetzen und Vorgaben entsprechen muss", sagte Clarence Crafoord, der Vorsitzende der Nonprofit-Gesellschaft.

Man habe den Bachelor-Studiengang Mathematik, den Askenbäck und die Hochschulbehörde vor allem kritisierten, seit der Prüfung im Jahr 2013 erheblich verbessert, entgegnete die Hochschule.

lov/AFP/AP



insgesamt 8 Beiträge
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mira.aleksic 15.06.2016
1. endlich
Die Hochschulgötter werden um Verantwortung gebeten! Sehr erfreulich!
ferdi111 15.06.2016
2. So was wäre hier in ...
Deutschland undenkbar. Hier würde sie wahrscheinlich, wenn überhaupt, 250 Euro zurückbekommen mit dem Argument, sie hat ja die sanitären Anlagen mitbenutzt! Genau das gleiche bei zum Beispiel Handewerker-"Leistungen": Baut der zu große Fenster ein, statt die passenden und muss dazu den Rahmen vergrößern geht das alles auf die eigene Rechnung und verliert haushoch vor Gericht, falls nix schriftliches vorliegt! Vergleicht man die Universitäten..dann könnte man das Schreien anfangen! Das fängt übrigens auch bei den didaktisch geschulten Profs an...die nicht mal den Unterschied zwischen relativ oder absolut erklären können!
suedseefrachter 15.06.2016
3.
Zitat von mira.aleksicDie Hochschulgötter werden um Verantwortung gebeten! Sehr erfreulich!
Das Ganze auch auf Schulen ausweiten und in der Verfassung verankern. Taugenichtse müssen bestraft werden! Wenn Leistung im öffentlichen Dienst nicht erfolgreich erbracht wird dann hat die Person eben einen falschen Job erwischt. In der Wirtschaft wird überwiegend auch nur Erfolg bezahlt und nicht die Anwesenheit. Das Ganze dann auch bei der Politik anwenden. Sprich Verantwortung fordern. Wer dem nicht gewachsen ist hat einfach den falschen Job (von nahezu jedem Angestellten wird das Gleiche verlangt).
ohminus 15.06.2016
4.
Zitat von ferdi111Deutschland undenkbar. Hier würde sie wahrscheinlich, wenn überhaupt, 250 Euro zurückbekommen mit dem Argument, sie hat ja die sanitären Anlagen mitbenutzt! Genau das gleiche bei zum Beispiel Handewerker-"Leistungen": Baut der zu große Fenster ein, statt die passenden und muss dazu den Rahmen vergrößern geht das alles auf die eigene Rechnung und verliert haushoch vor Gericht, falls nix schriftliches vorliegt! Vergleicht man die Universitäten..dann könnte man das Schreien anfangen! Das fängt übrigens auch bei den didaktisch geschulten Profs an...die nicht mal den Unterschied zwischen relativ oder absolut erklären können!
Richtig ist, dass das in Deutschland undenkbar wäre - falsch ist aber der Rest dieser verbalen Inkontinenz. Denn es wäre deshalb nicht möglich, weil eben in der Regel keine Studiengebühren erhoben werden.
prisma-4d 15.06.2016
5. ...kein schlechtes Signal...
...an alle Dienstleister. Nur würde ich mir wünschen das alle so behandelt würden. Man stelle sich das in der Medizin vor: Behandlung ohne Erfolg, Geld zurück. Oder bei Versicherungen: ...bin für Fälle versichert die überhaupt nicht eintreffen können... Beiträge zurück! Oder für Unterhaltung: bin nicht unterhalten worden... Geld zurück. Usw.
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