Seltener Bildungsaufstieg Abgehängt bleibt abgehängt

Nur zwei Prozent der Studenten in Deutschland kommen aus bildungsfernen Familien. Meist hat der akademische Nachwuchs Eltern mit Uni-Abschluss, wie eine neue Analyse zeigt. In anderen europäischen Ländern gelingt der Aufstieg hingegen weitaus besser.
Mama Magister: Wer studiert, hat meistens auch Eltern mit einem Studienabschluss

Mama Magister: Wer studiert, hat meistens auch Eltern mit einem Studienabschluss

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Aufstieg durch Bildung - für viele junge Deutsche erfüllt sich diese Hoffnung nicht. Wieder zeigt sich: Wer keine Eltern hat, die studiert haben, schafft es weitaus seltener selbst an die Hochschule. Eine neue Studie zeigt jetzt erneut, wie gering die Wahrscheinlichkeit ist, dass Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern ein Studium aufnehmen.

Gerade einmal zwei Prozent der Studenten kommen laut der deutschen Analyse des vierten Eurostudent-Report  aus einer Familie mit "niedrigem Bildungshintergrund". Nach den Kriterien der Studie sind das Familien, in denen die Eltern nur einen Hauptschulabschluss haben oder ein Berufsvorbereitungsjahr absolviert haben.

Die Analyse vorgelegt hat das Hochschulinformationssystem (HIS); es präzisiert damit, was man bereits wusste darüber, wie Europas Studenten ticken - und lenkt den Fokus auf die soziale Situation in Deutschland. Bereits die Vorgänger-Studie hatte gezeigt: Die deutschen Hochschulen sind nach wie vor ein exklusiver und elitärer Zirkel. So haben zwei Drittel der deutschen Studenten Eltern, die selbst ein Studium absolviert haben.

Für die Umfrage wurden mehr als 200.000 Studenten aus Europa befragt. Im internationalen Vergleich von 25 europäischen Staaten bildet die Bundesrepublik in Sachen Bildungsaufstieg in der Auswertung das Schlusslicht - zusammen mit Kroatien, Polen, Lettland und der Slowakei.

In anderen europäischen Ländern haben Kinder aus bildungsfernen Kreisen demnach bessere Chancen: Als besonders positiv fielen dabei Portugal und Türkei auf, die es am besten schafften, Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern an die Hochschulen zu bringen. In beiden Ländern macht ihr Anteil mit 45 Prozent fast die Hälfte der Studenten aus.

Auch in Ländern wie Spanien, der Tschechischen Republik oder Finnland variiert der Anteil der Studenten mit niedrigem Bildungshintergrund immerhin noch zwischen 10 und 25 Prozent an den Universitäten.

Ebenfalls für die Studie wurde untersucht, wie oft Studenten zum Studieren ins Ausland gehen: Akademikerkinder in fast allen untersuchten Staaten machen das demnach deutlich häufiger als jene aus bildungsfernen Elternhäusern. Dabei dürften ebenfalls die Bildungsabschlüsse der Eltern den Ausschlag geben, denn gut ausgebildete Eltern verdienen in der Regel mehr und können ihren Kindern einen Auslandsaufenthalt eher ermöglichen. Besonders häufig studieren demnach dänische, spanische und italienische Studenten im Ausland.

Deutschland bildet in diesem Fall allerdings eine Ausnahme: Die Beteiligung am Auslandsstudium unterscheidet sich laut Statistik nur geringfügig nach dem Bildungshintergrund. Dies liegt laut Studie auch daran, dass deutsche Studenten mit Bafög-Anspruch ihre Förderung vom ersten Semester an mit ins europäische Ausland nehmen können.

jon/dpa
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