Semesterbeginn Ansturm auf die weißen Kittel

Das Medizinstudium wird von Abiturienten geradezu überrannt. Für das kommende Wintersemester meldeten sich 21 Prozent mehr Bewerber als im Vorjahr. Der Numerus clausus wird auch in anderen Fächern zur immer höheren Hürde - vielen Studenten bleibt nur die Warteschleife.


Dortmund - Die Zuwachsraten für das Fach Madizin sind zweistellig, und das seit Jahren. Bereits im Wintersemester 2002 hatte die Zentralstelle für die Vergabe von Hochschulplätzen (ZVS) eine Steigerung um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr festgestellt. Und 2003 legte die Zahl der Interessenten nochmals um satte 21 Prozent zu. Für das nächste Wintersemester gingen gleich 29.000 Bewerbungen ein, so viel wie seit 18 Jahren nicht mehr - vielleicht eine Reaktion auf die derzeit erstklassigen Berufsaussichten für junge Ärzte.

Tiermedizin: Am meisten Bewerber pro Platz
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Tiermedizin: Am meisten Bewerber pro Platz

Am Freitag hat die ZVS ihre Bescheide verschickt. Dabei kommt längst nicht jeder Interessent zum Zug: Pro Studienplatz in Medizin meldeten sich 3,4 Bewerber, für Psychologie 3,9 und für Tiermedizin sogar 4,5. Ebenfalls begehrt ist der Studiengang Zahnmedizin mit 3,2 Bewerbern pro Platz - ein Plus von 29 Prozent.

Ein ähnliches Bild gibt es auch im Studiengang Zahnmedizin. Einem Zuwachs von 14 Prozent im Jahr 2002 folgte jetzt ein Plus von 29 Prozent. Für die 4500 Bewerber stehen zum Wintersemester 2000 Studienplätze zur Verfügung. In Psychologie meldete die ZVS eine Rekordzahl: Für die 14.600 Bewerber, mehr als je zuvor, stehen lediglich rund 3800 Studienplätze bereit.

Nur ein erstklassiges Abi hilft

Bewerben sich immer mehr Studenten für eine gleichbleibende Zahl von Studienplätzen, so steigt der Numerus clausus, wie das Beispiel Medizin zeigt. Im Wintersemester 2001 erhielt man in Berlin noch mit einem Abitur-Notenschnitt von 2,4 einen Studienplatz. Diesmal musste es schon eine 2,1 im Zeugnis sein. In Thüringen muss es jetzt sogar schon ein 1,5-Abi sein. Der Numerus clausus wird je nach Bundesland berechnet.

ZVS: Eine echte Antragsflut
GMS

ZVS: Eine echte Antragsflut

Insgesamt erreichten die ZVS zum bevorstehenden Wintersemester 120.000 Anträge, knapp 8000 oder 7,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Dafür sorgt einerseits eine seit zehn Jahren steigende Abiturientenzahl, fast ein Viertel mehr Menschen als 1992. zugleich zieht es aber auch immer mehr Schulabgänger an eine Hochschule.

Für die bundesweiten NC-Studiengänge hat die ZVS am Freitag 51.600 Zulassungsbescheide verschickt. 2000 Kandidaten können noch auf das Ergebnis der Auswahlgespräche bei den Universitäten hoffen, in denen über die Besetzung von 683 Studienplätzen entschieden wird.

Abermals droht die Wohnungsnot

Zehntausende von Bewerbern werden allerdings lange Gesichter ziehen - weil sie gar keinen Studienplatz erhalten haben oder aber fernab von ihrer Wunschhochschule. Wer einen passenden Tauschpartner findet, kann normalerweise den Studienplatz wechseln. Dabei hilft die Tauschbörse von UniSPIEGEL ONLINE. Mitunter allerdings machen einzelne Universitäten Tauschinteressenten zum ersten Semester einen dicken Strich durch die Rechnung. In verzwickten Einzelfällen berät Manfred Bähr von der Tauschzentrale VSB verzweifelte Studienanfänger.

Freiburger Wohnungsnot: Studenten schlafen aus Protest unter freiem Himmel
GMS

Freiburger Wohnungsnot: Studenten schlafen aus Protest unter freiem Himmel

Der Ansturm der Studenten bleibt nicht ohne Folgen. Vor allem in großen westdeutschen Städten drohen Engpässe auf dem Wohnungsmarkt. So befürchten die Universitäten und Studentenwerke in Baden-Württemberg zum Beginn des Wintersemesters erneut eine regelrechte Wohnungsnot unter Studenten. Die Lage sei schon jetzt dramatisch, sagte Clemens Metz, Geschäftsführer des Freiburger Studentenwerkes, am Freitag. In den Studentenwohnheimen gebe es keinen einzigen freien Platz mehr.

Zum Semesterbeginn Mitte Oktober werde das Studentenwerk daher Notunterkünfte für wohnungslose Studenten einrichten müssen. In anderen Hochschulstädten des Landes ist die Situation ähnlich. Ein Wohnheim-Überblick und die Wohnungsbörse bei UniSPIEGEL ONLINE helfen bei der Suche nach einem Dach über dem Kopf.




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