Studenten im Sommer "Mir sind die Semesterferien zu lang"

Zwei Monate ohne Vorlesungen: Zeit für Reisen, Familie, Freunde. Oder für Hausarbeiten, Praktika, Jobs? So verbringen Studenten ihre Semesterferien.


Andreas, 25, Zahnmedizin, Ulm: "Endlich wieder ohne Wecker aufwachen!"
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Ferien sind für mich, wenn ich endlich wieder ohne Wecker aufwachen und dann all den Lernstoff nachholen kann, den ich während des Semesters nicht geschafft habe. Es nervt total, wenn mich meine Freunde dann ständig vom Lernen ablenken wollen. Quatsch! Das war nur Spaß! Die Uni hat in den Ferien nichts zu suchen. Wichtig ist es mir, meine Familie und alten Freunde wiederzusehen, da ich es im Semester nur selten nach Hause schaffe. Mit denen geht es dann nach draußen auf die Basketballplätze, in die Küche zu entspannten Kochabenden oder wir machen zusammen Musik. Momentan lege ich immer etwas Geld zur Seite, da ich für nächstes Jahr eine größere Reise angedacht habe. Bis dahin gibt es erst einmal nur kürzere Urlaube - Hauptsache, ich komme etwas raus an die Sonne, um fit fürs nächste Semester zu sein.


Sandra, 25, Kommunikationswissenschaften, Bamberg: "Der Druck ist nicht so da"
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Offiziell habe ich von Mitte Juli bis Mitte Oktober frei, aber ich schreibe bis Mitte September Hausarbeiten. Ein Tag sieht häufig so aus, dass ich tagsüber für die Uni arbeite und abends Freunde treffe. Blöd an der Sache ist, dass ich mich jeden Morgen selbst motivieren muss. Das fällt mir oft schwer. Der Druck ist nicht so da, weil man mehr Zeit hat. Wenn das Wetter schön ist, kann ich mich noch schwerer motivieren - ziemlich schade, dass die stressigste Zeit immer auf die heißeste Zeit im Jahr fällt, wenn man eigentlich im Urlaubsmodus ist. Auf der anderen Seite finde ich es schön, dass ich mir meine Zeit selbst einteilen kann. So konnte ich zum Beispiel mit Freundinnen einen Kurzurlaub am Bodensee machen. Gegen Ende der Ferien besuche ich meine Eltern. Ich wohne dann bei ihnen und treffe Freunde in der Heimat. Es ist zwar schön mit der Familie, aber nach einer Weile reicht es auch wieder - dann freue ich mich wieder auf das eigenständige WG-Leben.


Anne, 25, Sonderpädagogik, Ludwigsburg: "Ich verdiene ein bisschen Geld"
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Semesterferien finde ich super. Da hat man Zeit, die Sachen zu machen, für die man sonst wenig Zeit hat. Dieses Jahr war ich zwei Wochen im Urlaub in Schweden. Jetzt bin ich wieder zu Hause, treffe Freunde, nähe, treibe Sport und genieße die Sonne auf dem Balkon. Die Wochenenden bei meinem Freund in München können dann auch mal verlängert werden. Natürlich muss ich auch Sachen für die Uni machen. Das ist aber auch okay. Ich arbeite auch in den Semesterferien und verdiene ein bisschen Geld. Schade ist, dass viele Kommilitonen heimfahren und man Freunde vom Studium nicht so oft sieht. Dafür kann man dann mehr mit Leuten machen, die man während des Semesters nicht so oft trifft: Die kommenden Wochen werde ich für ein Praktikum in Hamburg sein. So kann ich eine gute Freundin wiedersehen, die dort wohnt.


Akim, 24, Arabistik, Leipzig: "Lesen ist eher nicht angesagt"
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In den ersten Ferienwochen bin ich grundsätzlich nur am Feiern und schalte vom Arbeitsmodus in den Leerlauf. Dabei hänge ich viel im Park rum, spiele Videospiele mit Freunden und höre Musik. Lesen ist in der Phase eher nicht angebracht - ich lese während des Semesters so viel für die Uni, dass mir in der Freizeit die Lust daran vergangen ist. Um nicht ganz in Lethargie zu verfallen, arbeite ich gelegentlich in geringfügig entlohnten Arbeitsverhältnissen. Zwischendurch fahre ich kreuz und quer durch die Republik, um Freunde zu besuchen oder nach Frankreich, um meiner Mutter Gesellschaft zu leisten. Wenn dann die Uni in den Ferien ruft, geht es meist um Hausarbeiten oder Nachschreibeklausuren…. Da stelle ich jedes Mal wieder fest, wie unfähig ich nach zwei Monaten Freizeit bin, wieder in Hochform zu kommen. Letztendlich ist es aber schon gut, dass die Ferien so lang sind. Sonst könnte man sich nicht auf Praktika und Auslandserfahrungen konzentrieren - oder darauf, den Verstand zu schärfen.


Johanna, 24, Medien- und Kommunikation, Aachen: "Unterwegs im Nichts"
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Richtig lange Semesterferien, wie man es von einem typischen Studentenleben erwartet, hatte ich leider nie. Da ich in diesem Sommer meine Masterarbeit schreibe, ist meine Chance auf wochenlange Freizeit zwischen den Semestern jetzt wohl endgültig vertan. Ein kleiner Lichtblick ist aber meine Kanutour durch Schweden. Einfach zehn Tage mit Freunden unterwegs im Nichts. Ich freue mich drauf, auch wenn der Urlaub nur einige Tage dauern wird. So war es eigentlich auch die letzten Jahre. Auch wenn keine Zeit für lange Reisen war; ein bis zwei Wochen in die Ferne tun immer gut. Einfach abschalten, Zeit mit Freunden verbringen und Neues sehen.


Heike, 25, Internationale Betriebswirtschaftslehre, Bamberg: "Mir sind die Ferien zu lang"

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Ich war bis Mitte August im Lernstress, mittlerweile habe ich aber zum Glück Ferien. Wie jedes Jahr werde ich ein paar Wochen jobben, aber auch entspannen. Aktuell bin ich zu Hause bei meiner Familie. Ich finde es schön, dass ich das tun kann, worauf ich Lust habe und Leute treffen kann, die ich sonst nur selten sehe - und ich genieße den Luxus, endlich wieder ausschlafen zu können. Normalerweise wache ich aber spätestens um halb neun auf. Meiner Meinung nach geht es gar nicht, wenn man in den Tag hinein lebt und nur faul auf der Couch sitzt. Mir wäre da schnell langweilig. Ich brauche eigentlich immer ein Ziel, auch in den Ferien. Deshalb nehme ich mir jedes Jahr Dinge vor, zu denen ich unter dem Semester nicht komme: Sprachen auffrischen, schlaue Bücher lesen...… Mitte September werde ich an einem 10-Kilometer-Lauf teilnehmen. Mein Ziel ist, meine Bestzeit auf etwa 46 Minuten zu verbessern. Noch lieber würde ich wieder einen Halbmarathon laufen - wie letztes Jahr - aber dafür fehlt mir dieses Mal die Zeit zum Trainieren. Insgesamt sind mir die Ferien aber eher zu lang. Mehrere kürzere Ferien über das Jahr verteilt wären mir lieber.


Vera, 25, Journalistik, Leipzig: "Ich besuche vor allem Freunde"

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Meine Semesterferien haben sich bisher immer sehr unterschiedlich gestaltet. Je nachdem, was gerade so anstand, habe ich gearbeitet, Hausarbeiten geschrieben oder Praktika gemacht. Am längsten und schönsten waren die Ferien nach meinem Auslandssemester in Frankreich: Weil das Semester dort schon etwas früher zu Ende ist, blieb noch genug Zeit, um von der Bretagne aus durch ganz Frankreich zu reisen. Eine Freundin und ich sind im Norden gestartet und mit vielen Zwischenstopps bis in die Provence gefahren. Danach hatte ich trotzdem noch zwei Monate, um zu arbeiten. Damit konnte ich sowohl mein Budget aufbessern als auch meine Ferien genießen und sehr viel Neues sehen. Dieses Jahr stehen keine großen Reisen an, ich besuche vor allem Freunde, die ganz verstreut in Deutschland wohnen.

Protokolle von Lisa Kutteruf

insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
redcir 08.09.2016
1. Und 90% der Studenten
können nur darüber lachen... 4 Hausarbeiten allein in diesen Ferien. Vielleicht geht's abseits der Regelstudienzeit. Oder die genannten Studiengänge sind so angelegt.
thomas310 08.09.2016
2. Und die Technischen Studenten?
Hier ist kein einziges Beispiel eines Wissenschafts- oder Ingenieursstudiengang! SPON!
spiegelleser7801 08.09.2016
3. Ziemlich einseitige Interviews
Leider kann ich diese Ansichten nicht teilen, als Student der Ingenieurswissenschaften habe ich es selten erlebt, länger als zwei Wochen frei zu haben. Die Klausuren strecken sich von Juli bis Oktober, auch Samstags.
omop 08.09.2016
4. Die Studentin der BWL schiesst den Vogel ab..
mir sind die Ferien zu lang. Wie wäre es denn mit Semesterferien abschaffen und das Studium en bloc in 4 Jahren durchziehen? Ziemlich verquere Einstellung..
helmut.alt 08.09.2016
5. Carpe diem
Einem Studenten sollte es nie langweilig werden, weil der Wissensdurst der Motor für alle möglichen Aktivitäten sein sollte und man an der Uni ein reichhaltiges Angebot vorfindet. Die vorlesungsfreie Zeit ist auch für die Professoren gedacht, die dann mehr Zeit für ihre Forschung haben. Also bitte die richtige Brille aufsetzen.
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