Semesterstart im Netz Online durch den Uni-Dschungel

Bald wird's ernst, etwa 250.000 Erstsemester strömen in die Unis. Doch oft stehen die Jungstudenten orientierungslos auf dem Campus - Abhilfe kann das Internet schaffen.


Licht ins Uni-Dunkel kann der Computer bringen
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Licht ins Uni-Dunkel kann der Computer bringen

Allein in einer großen Stadt. Wo ist Vorlesungssaal H27 und was eigentlich ist ein Seminar? Frischlinge an den Hochschulen haben's nicht leicht. Doch im Multimedia-Zeitalter sind die Erstsemester nicht mehr lang allein - zahlreiche Internetangebote heischen, pünktlich zum Semesterstart, um die Gunst der Studienanfänger. Immerhin tummeln sich zwei Drittel von ihnen im Internet.Doch während manche Seiten nur von Flirtbörse zur Uniparty führen, liefern andere tatsächlichen Nutzwert. Unter www.grin.de etwa gibt es Links und Informationen zu Studiengängen, Erfahrungsberichte von Studienanfängern, Tipps zum Auslandsstudium und sogar einen Speiseplan der deutschen Uni-Mensen. Kernstück von grin.de ist allerdings das Hausarbeitenarchiv, mit dem auch UniSPIEGEL ONLINE kooperiert. Vor drei Jahren hatte grin.de-Gründer Patrick Hammer eine Hand voll wissenschaftlicher Arbeiten unter www.hausarbeiten.de online gestellt. Mittlerweile umfasst das Archiv mehr als 16.000 Hausarbeiten. Bis zu neun Millionen Zugriffe verzeichnet die Seite im Monat. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt diplom.de - hier gibt es rund 4000 wissenschaftliche Abschlussarbeiten. Diese Seite ist ebenfalls über das Diplomarbeiten-Archiv von UniSPIEGEL ONLINE erhältlich.Auch www.allstudents.de versteht sich als umfassende Informationsplattform. "Wir wollen unsere eigenen Uni-Erfahrungen weitergeben", sagt Mitgründer Boris Brunst. Vor zwei Jahren hatte der BWL-Student aus München mit zwei Kommilitonen die Web-Site www.zvs-opfer.de ins Internet gestellt, nachdem ihn die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund quer durch Deutschland verschickt hatte. Daraus entwickelte sich Brunst zufolge eine der größten Studienplatztauschbörsen im deutschsprachigen Internet. Beliebte Anlaufstelle für Erstsemester ist die Online-Version der Mitfahrzentrale (www.mitfahrzentrale.de) - wer kostengünstig von A nach B kommen will, der muss sich nicht durch überfüllte Züge quälen.

Doch auch die Universitäten rüsten im Internet auf: Studienordnungen, Vorlesungsverzeichnisse und Einschreibeformulare gibt es auf vielen Uni-Websites schon zum Herunterladen. "Das Interesse der Studierenden an unserem Online-Angebot ist enorm", stellt Remco van Capelleveen fest, der Chef des Webteams an der FU Berlin. Bis zu 120.000 Zugriffe im Monat verzeichnen die FU-Seiten mit allgemeinen Studieninformationen - davon entfielen allein 20.000 auf das Vorlesungsverzeichnis. Dass die Studenten immer weniger Infos auf Papier anfordern, liegt nach Angaben der Uni-Verwaltung auch an den ausgebauten Webseiten.An manchen Unis kann man sich sogar online immatrikulieren, etwa an der Universität Trier und der Fachhochschule Flensburg, wie das Hochschul-Informations-System (HIS) in Hannover berichtet. Gänzlich elektronisch läuft die Einschreibung trotzdem noch nicht ab. Denn einige Unterlagen müssten noch in Papierform vorgelegt werden, da die digitale Signatur nicht zuverlässig genug sei, sagt Ludwig Leute vom HIS. Doch das tue den Online-Plänen der Unis keinen Abbruch: "Bald können sich die Studenten über das Internet auch zur Prüfung anmelden."Auch die Ministerien haben ihre Internetangebote ausgebaut: Unter www.bafoeg.bmbf.de informiert das Bildungsministerium über die Bafög-Zahlungen und stellt Anträge bereit, unter www.bva.bund.de gibt es Auskünfte über den Bildungskredit des Bundes.Bewährte Infos bieten dagegen die Klassiker: die Online-Ausgabe des grünen Studentenschinkens "Studien- und Berufswahl" sowie der Hochschulkompass der Rektorenkonferenz, über den die Studienangebot der deutschen Hochschulen abgerufen werden können. Doch das Internet nimmt Deutschlands Studenten auch Tätigkeiten jenseits der Behörden-Bürokratie ab. So müssen sich Großstädter während der Paarungszeit nicht mehr durch verrauchte Kneipen und übervolle Discos quälen. Sie klicken sich zum neuen Partner. Ohne das Internet wären etwa Inga und Timo kein Paar. Die Einwohner der virtuellen Studentenstadt 4students (www.4students.de) haben sich im Online-Chat als "Sorina" und "LittleDevil_1203" kennen und lieben gelernt. Chatten als Mittel gegen die Schüchternheit, resümiert der 23 Jahre alte Junior-Informatiker Timo aus Augsburg: "Man hat keine Angst, Fehler zu machen." Mittlerweile ist Timo mit der 21-jährigen angehenden Mathelehrerin Inga aus Paderborn liiert.Doch wer den Draht zum nächsten Partner nicht nur virtuell sucht, der ist bei www.uniparties.de an der richtigen Adresse. Die Seite listet Hunderte von Studi-Feten in ganz Deutschland, von Brandenburg bis Clausthal-Zellerfeld. Dort können Deutschlands Studenten dann anbandeln und die WWW-Flirtkontore unnötig machen.Nikos Späth, gms



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