Sexismus an der Hochschule Wie sich Probleme lösen lassen

Die Bandbreite der Taten reicht von anzüglichen Blicken über das Erzählen obszöner Witze bis hin zu Tätlichkeiten. Was können die Beteiligten gegen sexuelle Belästigung, Stalking und sexualisierte Gewalt an Hochschulen tun? Gleichstellungsbeauftragte empfehlen Folgendes:


  • Die Hochschule

Vorbeugen: Hochschulleitungen sollten über sexuelle Belästigung, Stalking und sexuelle Gewalt nicht schweigen, da sind sich alle Gleichstellungsbeauftragten einig. Denn sie haben eine Fürsorgepflicht. Viele Universitäten haben sich mittlerweile Richtlinien gegeben, in denen das Vorgehen in solchen Fällen klar geregelt ist. Darin ist etwa Folgendes festgehalten: Über sexuelle Belästigung soll in Einführungsveranstaltungen und Fortbildungen aufgeklärt werden. Eine Arbeitsgruppe kann ein Sensibilisierungsprojekt entwickeln und darüber Bericht erstatten. Eine Übersicht über entsprechende Richtlinien bietet die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Netz. Die Hochschulleitung muss sicherstellen, dass diese Richtlinien auch bekannt werden. Wer Angst hat, der Ruf könne darunter leiden, kann entsprechende Themen in größere Zusammenhänge einordnen: Was ist gute Lehre? Wie sieht ein offenes und unbeschwertes Arbeitsklima aus? Das regt eine Frauenbeauftragte an, die ungenannt bleiben will, da sie derzeit einen solchen Prozess in ihrer Uni anstoßen möchte - und das sei sehr schwierig.

Verfolgen: In den Richtlinien zum Thema sexuelle Belästigung, die es bereits gibt, ist klar festgelegt, dass die Frauenbeauftragte und/oder die nächsthöhere Ebene eingeschaltet werden kann. Der oder die Betroffene sollte anonym bleiben können, solange es geht. Alle Schritte sollen im Einvernehmen mit der betroffenen Person eingeleitet werden. Priorität muss haben, dass Betroffene nicht mehr im Einflussbereich der belästigenden Person sind, also das Seminar nicht mehr besuchen oder sogar die Uni gewechselt haben, bevor Anschuldigungen erhoben werden. Das hält die Vize-Frauenbeauftragte der TU Berlin, Susanne Plaumann, fest. Die Sanktionen für den Fall, dass ein Gespräch nicht ausreicht, sollten klar benannt werden. Abmahnungen, Disziplinarverfahren, Versetzungen, Haus- oder Lehrverbote können angedroht werden. Geht es um Stalking oder sexuelle Gewalt, dann kann die Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit dem Opfer die nächsten Schritte überlegen. Auch ob die Polizei eingeschaltet wird, kann dann erörtert werden, sagt Plaumann.

Furcht-Orte reduzieren: Bei baulichen Maßnahmen sollte die Uni darauf achten, dass möglichst wenige uneinsehbare Orte entstehen. Schon vorhandene Angst-Orte sollten umgebaut werden, sofern das möglich ist, regt Sonja Weeber, Studierendenvertreterin an der Humboldt-Uni in Berlin, an.

  • Die Dozierenden

Professionell verhalten: Dozenten sollten sich mit dem Thema "Gute Lehre" oder "Gute Führung" auseinandersetzen. Darin sollte das Thema Diskriminierung ebenso angesprochen werden wie die Frage, wie angemessenes Verhalten zwischen Lehrperson und Studierenden aussieht: Sie sollten sich ihrer Rolle als Lehrperson und der Hierarchie des Lehrverhältnisses bewusst sein und ein professionelles Verhalten zeigen. Also keine Privattermine mit Studierenden, Privates und Lehrverhältnis nicht vermischen, sagt die Frauenbeauftragte einer großen Uni.

  • Die Studierenden

Aufklären: Studierende sollten in Erstsemesterveranstaltungen aufgeklärt werden, wünscht sich Sonja Weeber. Falls sie aber Opfer von Fehlverhalten werden, sollten sie sich an eine von der Uni benannte Anlaufstelle wenden können, die studentische Vertretung, die Gleichstellungsbeauftragte oder das Führungspersonal ihres Fachbereichs. Sie können dort entscheiden, was mit ihrer Aussage geschieht: Wird sie für alle Fälle nur zu Protokoll genommen und erst wirksam, wenn die belästigende Person ein weiteres Mal tätig wird? Soll es ein Gespräch geben und zu welchem Zeitpunkt? Soll bei sexueller Gewalt oder Stalking die Polizei eingeschaltet werden? All das müssen die Betroffenen selbst entscheiden können. Die Uni muss es ermöglichen.

Informieren: Zur Aufklärung der Studierenden muss auch gehören, dass gefahrvolle Orte unter Umständen nicht da liegen, wo sie vermutet werden. So passieren relativ wenige Übergriffe auf Parkplätzen oder uneinsehbaren Korridoren. Auch ist "der fremde Mann" zwar bei Belästigungen schon öfter, aber bei Nötigung oder Gewalt eher selten der Urheber. Vielmehr sollten sich Studierende klarmachen, dass Sexualverbrechen meist von Bekannten, sehr oft auch von Kommilitonen ausgehen. Die größte Gefahr lauert in Wohnungen, der eigenen oder der des Bekannten, erklärt Katrin List, Kriminologin an der Ruhr-Uni Bochum.

Persönlich vorbeugen: Selbstbehauptungs- oder Selbstverteidigungstraining kann das entscheidende Stück Selbstsicherheit geben, das es braucht, um in unübersichtlichen Situationen bestimmt zu reagieren, regt eine Frauenbeauftragte an.

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insgesamt 2 Beiträge
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schattenrose 20.08.2015
1. Kein Verständnis
Warum Mädchen sich ständig von Jungs und Männern belästigt fühlen müssen geht reiferen Frauen echt auf die Nerven! Lernt mit dem anderen Geschlecht umzugehen, sagt nein, du nervst mich, dann habt Ihr auch eure Ruhe. Teure umbaumaßnahmen für diese unreifen Geschlechtsgenossinnen und dämliche Gruppen, die sich damit beschäftigen, wie andere! (Jungs) sich zu Verhalten haben sind doch nicht die Lösung. Erstens lenkt es immens vom eigentlichen Ziel ab, Wissen und Selbstständigkeit zu erwerben. Zweitens sollten Frauen an der Uni schon in der Lage sein, mit dem männlichen Geschlecht respektvoll und mit Achtung umzugehen!
IB_31 20.08.2015
2.
Zitat von schattenroseWarum Mädchen sich ständig von Jungs und Männern belästigt fühlen müssen geht reiferen Frauen echt auf die Nerven! Lernt mit dem anderen Geschlecht umzugehen, sagt nein, du nervst mich, dann habt Ihr auch eure Ruhe. Teure umbaumaßnahmen für diese unreifen Geschlechtsgenossinnen und dämliche Gruppen, die sich damit beschäftigen, wie andere! (Jungs) sich zu Verhalten haben sind doch nicht die Lösung. Erstens lenkt es immens vom eigentlichen Ziel ab, Wissen und Selbstständigkeit zu erwerben. Zweitens sollten Frauen an der Uni schon in der Lage sein, mit dem männlichen Geschlecht respektvoll und mit Achtung umzugehen!
Glückwunsch: "Die sollen sich mal nicht so anstellen" - Nummer kommt normalerweise nicht gleich als erstes.
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