Sexuelle Belästigung an US-Unis Juristen empört über verschärfte Harvard-Richtlinien

Sexuelle Anspielungen, erotische Witze, Annäherungsversuche: Die Elite-Uni Harvard hat neue Regeln zu sexueller Belästigung erlassen. Jura-Professoren kritisieren, mutmaßliche Täter würden nun unfair behandelt.

Jura-Fakultät in Harvard: "Grundbestandteile von Fairness fehlen"
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Jura-Fakultät in Harvard: "Grundbestandteile von Fairness fehlen"

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Ihr schützt uns nicht vor sexueller Gewalt! Ihr bestraft die Täter nicht! Ihr lasst uns allein! Vorwürfe wie diese haben in den vergangenen Wochen und Monaten Hunderte amerikanische Studentinnen gegen ihre Unis erhoben.

Das US-Bildungsministerium hat deshalb Untersuchungen gegen 79 Hochschulen eingeleitet, renommierte Unis wie Harvard, Princeton und Berkeley könnten im schlimmsten Fall staatliche Förderungen verlieren. Der Vorwurf: Die Hochschulen hätten gegen den "Title IX" verstoßen, ein Gesetz, das Diskriminierung aufgrund des Geschlechts sowie sexuelle Gewalt und Belästigung an Hochschulen und Schulen verbietet und staatlich geförderte Institutionen verpflichtet, sich um etwaige Fälle zu kümmern.

Die Elite-Uni Harvard hat nun reagiert und sich den ersten hochschulweiten Verhaltenskodex zum Umgang mit sexuellem Missbrauch verpasst. Als sexuelle Belästigung definiert Harvard darin unter anderem: "sexuelle Annäherungsversuche, ob mit oder ohne physischem Kontakt", "Kommentare über Körper von anderen", "schlüpfrige oder sexuelle Anspielungen, Witze oder Gesten".

"Übertrieben zum Nachteil des Beschuldigten"

Die neue "Richtlinie bei sexueller und geschlechtsbezogener Belästigung" ist zum Start des Wintersemesters 2014/2015 in Kraft getreten und umfasst auch ein neu gegründetes Büro, das Anzeigen wegen sexuellem Fehlverhalten entgegennehmen und überprüfen soll, ob die Harvard-Regeln verletzt wurden. Dabei soll folgender juristischer Standard gelten, teilt die Uni mit: "Bei der Feststellung des Sachverhalts gilt der Grundsatz der überwiegenden Wahrscheinlichkeit." Demnach muss es für eine Schuldzuweisung lediglich wahrscheinlicher sein, dass die Vorwürfe wahr sind, als dass sie nicht zutreffen.

Dutzende Professoren und Mitarbeiter der juristischen Fakultät in Harvard sind über die neue Richtlinie empört: "Harvard hat Maßnahmen zur Beurteilung von Fällen sexuellen Fehlverhaltens eingeführt, denen die Grundbestandteile von Fairness fehlen und die sich übertrieben zum Nachteil des Beschuldigten auswirken", schreiben 28 ehemalige und aktuelle Fakultätsmitglieder in einem offenen Brief, der im "Boston Globe" veröffentlicht wurde und über den auch die "New York Times" berichtet.

Darin kritisieren die Harvard-Juristen unter anderem auch, dass die Uni die Definition von sexueller Belästigung extrem erweitert hätte - und der Prozess der Beweisführung heimlich und nur durch eine Stelle geregelt würde. Ein weiterer Vorwurf: Die Uni beuge sich politischem Druck, weil sie den Verlust staatlicher Fördermittel fürchte. Die Harvard Law School ist eine der Fakultäten, die vom Bildungsministerium untersucht werden, weil sie Fällen sexuellen Missbrauchs nicht angemessen nachgegangen sein sollen.

Einigen geht die Harvard-Richtlinie nicht weit genug

Mit ihrer Kritik stehen die Juristen nicht allein. "Es verändert dein Leben, wenn du das Stigma eines Vergewaltigers mit dir herumträgst", sagt eine Studentin der Umweltwissenschaften. Andere Harvard-Studenten sind über den offenen Brief entzürnt. Der Protest sei ein Rückschritt, schreibt eine Studentin in der Hochschulzeitung "The Harvard Crimson". Eine andere Studentin fordert sogar ein noch schärferes Vorgehen der Uni gegen sexuelle Belästigung, ähnlich wie in Kalifornien, wo es in Zukunft für Sex ein eindeutiges Ja braucht, damit dieser als einvernehmlich gilt.

Die Uni-Leitung in Harvard verteidigte ihr neues Vorgehen, es sei "fachkundig, fair und objektiv". Das in Harvard eingeführte Prinzip der Beweislastverteilung wird im amerikanischen Prozessrecht in der Regel im Zivilrecht angewendet, in Strafverfahren gilt hingegen, dass die nachgewiesene Schuld des Beklagten über jeden berechtigten Zweifel erhaben sein muss.

Doch auf dem Campus kann ein anderes Beweismaß als außerhalb gelten - fordert schließlich das Gesetz "Title IX", dass die Hochschulen handeln müssen, selbst wenn die Betroffenen zusätzlich Anzeige bei der Polizei erstatten. Sie können zum Beispiel Verweise aussprechen oder Beschuldigte direkt von der Uni werfen.

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quark@mailinator.com 17.10.2014
1. Logische Konsequenz
Das ist halt das logische Ergebnis der Hysterie ... kenne genug Leute, die am liebsten jeden, der auch nur in Verdacht steht, sowas gemacht zu haben sofort körperlich verletzen wollen. Was da so an geheimen Wünschen nach Gewalt zum Vorschein kommt, ist gruselig. Ich bin nun überhaupt kein Freund irgendwelcher Gewalt, also insbesondere sehr dafür, daß Täter bestraft werden. Aber eben NUR Täter und NUR nachdem sie zweifelsfrei überführt sind. Nicht, weil jemand sagt, daß jemand sagt, ...
LinkesBazillchen 17.10.2014
2. Männer, lässt doch die Weiber links liegen
Männer, lässt doch die Weiber links liegen. Werdet Leber schwul! Das ist modern und schützt Euch vor den Feministen. Aber Vorsicht! Ein unbedachter Blick auf die Damenwelt und Ihr seid verloren. Wenn unsere Eltern solche Verhältnisse gehabt hätten, wären wir nicht auf der Welt.
filos eleftherias 17.10.2014
3. Femifaschismus in Aktion
Die pöhsen Professoren und Juristen sind bestimmt alles (Cis-)Männer, die ihre Privilegien in der patriarchalen Gesellschaft nicht überdacht haben und alle ein Fall für Gendersensibilisierungs-Camps sind.. Im Ernst, diese Richtlinien sind ein eklatantes Mahnmal dafür, wie weit es eine soziale Hexenjagd, in diesem Fall auf Männer (denn die sind fast immer die Beschuldigten), treiben kann. Im Wortlaut sind die Gesetze schon unpraktikabel, entweder jeder der "Hi Dickerchen!" sagt wird bestraft, oder, was eher zu erwarten ist, das Gesetz wird zu einem Gummiparagrafen, dessen Anwendung einseitig zu Lasten von Männern ausgelegt wird. Die "Hübschen Kurven" werden unter irgendwelchen femifaschistischen Begriffen (z.B. "fat-shaming") als körperbezogene sexuelle Beleidigung aufgefasst, während der von einer Frau an einen Mann gerichtete "Strammer Po" "eine nichtsexuelle Beobachtung wird". Wenn der Mann noch einer anderen stigmatisierten Minderheit angehört - Nerd, Schwarz etc. - sieht es in Zukunft ganz schlimm aus.
NorbertDornbach 17.10.2014
4. Herabstufung echter sexueller Übergriffe
es ist schon erschreckend, wie durch solchen Aktionismus "störende Ungeschicklichkeit oder unangemessene Scherze" mit sexueller Gewalt oder -Übergriffen gleichgesetzt wird. Es werden Bagatelldelikte aufgebauscht und damit automatisch die wirklich Schlimmen Taten in ihrerWertung abgeschwächt. Eine Ohrfeige für jede vergewaltigte Frau :(
Narn 17.10.2014
5.
Anzügliche Witze und schlüpfrige Sprüche? Wird jetzt die Ausstrahlung von "How I met your Mother" in Harvard verboten? :P
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