Shocking Den Weihnachtsmann gibt es gar nicht

In Glasgow sind Eltern kleiner Kinder ein bisschen böse auf Darren Cullen, 22. Sieben Monate vor dem Weihnachtsfest hat der Kunststudent mitten in der Stadt ein Anti-Weihnachtsmann-Plakat enthüllt - sechs mal drei Meter Protest gegen den Konsumrausch.


"Santa gibt reichen Kindern mehr als armen", steht in großen Buchstaben auf dem Plakat an einer Hauptverkehrsstraße der schottischen Großstadt. Und: "Hört auf, eure Kinder über den Weihnachtsmann anzulügen."

Abschlussarbeit: Riesenposter gegen Kommerzialisierung
Darren Cullen

Abschlussarbeit: Riesenposter gegen Kommerzialisierung

Entworfen hat das Darren Cullen, der vier Jahre lang Kunst und Werbung an der renommierten Glasgower Kunsthochschule studierte. Das Plakat ist nur ein Teil seiner Abschlussarbeit rund um den Weihnachtsmann. Damit will Cullen zeigen, wie Kinder zu Konsumenten erzogen werden und welche Rolle die Werbung und der Weihnachtsmann dabei spielen.

Mit der Kampagne will Cullen vor der Kommerzialisierung des Weihnachtsfestes warnen. "Der Weihnachtsmann ist eine Lüge, die Kinder sagen soll, dass Produkte sie glücklich machen", sagte Cullen britischen Zeitungen zur Plakat-Enthüllung. Dass seine Plakate kleine Kinder verstören könnten, nimmt er in Kauf. Denn bevor ein Kind selbstständig zu denken lerne, mache der Weihnachtsmann es schon konsumsüchtig: "Ich finde, das ist unmoralischer als dieses Plakat."

Plakatfirma spielte nicht mit

Ursprünglich sollte das Poster schon seit April die Plakatwände zieren, doch das beauftragte Werbeunternehmen Maiden Outdoor verweigerte die Zusammenarbeit, als man dort die Texte las. "Maiden hat wohl gedacht, es handele sich um einen zu strittigen Inhalt, mit dem die Firma nicht in der Öffentlichkeit verbunden werden sollte", sagte der junge Künstler. "Ihr Job ist die Förderung des Konsums, und der Weihnachtsmann ist der Held der Branche - ich verstehe den Grund." Der 22-Jährige gab daraufhin einer anderen Firma den Auftrag.

Cullens Plakat gehört zu einem öffentlichen Kunstprojekt, das die Studenten seines Kurses jedes Jahr bestreiten. Kursleiterin Tanya Eccleston von der Kunsthochschule erklärte der Zeitung "Guardian" zur Plakatierung: "Das momentan feindliche politische Klima und die benutzte Sprache der Arbeit versprechen eine perfekte Kulisse für das Projekt."

Margaret Morrisey von der "Nationalen Eltern-Lehrer-Vereinigung" hat nichts gegen die Kritik an der Kommerzialisierung. Aber ein bisschen Weihnachtszauber sei doch nicht schlimm. Morrissey hält es für unnötig, "so grausam" vorzugehen. "Wenn meine siebenjährige Enkelin dieses Plakat sehen würde, könnte ich ihren Glauben an den Weihnachtsmann nie wieder erneuern."

Wer kratzt hier an der Weihnachtsmagie?

Student Cullen nimmt es gelassen, dass er als eine Art "Scrooge" wie in der Weihnachsgeschichte "A Christmas Carol" von Charles Dickens gesehen wird. Dort ist Scrooge ein griesgrämiger Knauserich und kaltherziger Unternehmer im 18. Jahrhundert, der seine Leute ausbeutet und sie auch an Weihnachten arbeiten lässt. In einer Weihnachtsnacht erscheinen ihm frühere und künftige Weihnachtsgeister und bekehren ihn zum guten Menschen.

Nicht er zerstöre die Weihnachts-Magie, sondern die Werbeindustrie, meint Cullen. Und Kinder könnten sich dagegen nicht wehren, sie seien "leichte Ziele". Außerdem habe er das Plakat jetzt und nicht in der Weihnachtszeit veröffentlicht, damit es nicht den Geist der Weihnacht im Dezember störe.

Außer dem diabolisch dreinblickenden Santa in Überlebensgröße gehören zu Cullens Anti-Weihnachts-Paket auch eine Zeichnung des Weihnachtsmannes mit der Aufschrift "Ich tötete Jesus" sowie kleinere Poster und Anstecker. Auf seiner Webseite ruft er dazu auf, den Weihnachtsmann von Kindern fern zu halten.



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