Shocking Geisteswissenschaftler und Juristen sterben früh

Wer lange leben möchte, sollte sich nicht für das falsche Studium entscheiden. Ein britischer Forscher hat herausgefunden, dass Ärzte deutlich älter werden als etwa Juristen oder Theologen - obwohl gerade die Mediziner früh Gefallen an Alkohol und Zigaretten finden.


Mediziner rauchen und trinken schon als Studenten, und dennoch ist ihre Lebenserwartung deutlich höher als bei Hochschulabsolventen anderer Fächer. Geisteswissenschaftler und Juristen hingegen müssen sich auf ein kürzeres Leben einstellen. Das berichtet der britische Epidemiologe Peter McCarron in der aktuellen Ausgabe des "Journal of the Royal Society of Medicine".

Angehende Ärzte: Beißen spät ins Gras
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Angehende Ärzte: Beißen spät ins Gras

Gemeinsam mit Kollegen aus Glasgow und Belfast suchte der Wissenschaftler nach Zusammenhängen zwischen Studienfach und Lebenserwartung. Er wertete die Daten von rund 10.000 Akademikern aus, die zwischen 1948 und 1968 an der Universität Glasgow bei einer medizinischen Untersuchung Angaben über Gewicht, Blutdruck, Zigarettenkonsum, Trinkgewohnheiten und soziale Herkunft gemacht hatten.

Als McCarron sich Sterberegister der letzten Jahrzehnte vornahm, fand er heraus, dass 939 der ehemaligen männlichen Studenten bis heute gestorben waren. Das Todesrisiko der Geisteswissenschaftler war um 42 Prozent, der Juristen um 30 Prozent höher als das der Mediziner.

Als häufigste Todesursachen der Geisteswissenschaftler und Juristen ermittelten die Wissenschaftler Lungenkrebs und Herzinfarkt. Dabei zählten sie während ihrer Studienzeit weder zu den stärksten Rauchern noch zu den größten Trinkern. Bei beiden Risikofaktoren waren die Human-, Zahn- und Tiermediziner vorne dabei und sterben sogar besonders häufig durch Alkohol - trotzdem leben sie, so das eindeutige Ergebnis der Studie, am längsten von allen. "Vielleicht ist das ein kleiner Ausgleich für die Unzufriedenheit von Ärzten mit ihrem Beruf", kommentiert McCarron lakonisch.

Glückliche, reiche Mediziner

Ein gesunder Lebenswandel in Studienzeiten scheint nicht viel zu helfen. So rauchen Theologen am wenigsten, trinken kaum, haben den niedrigsten Blutdruck - und doch liegt ihr Risiko, früh zu sterben, um zehn Prozent höher als bei den Medizinern. Wenn es mal einen Arzt erwischt, dann eher durch Unfall, Selbstmord oder eine Gewalttat. Nur Naturwissenschaftler, die als Studenten ausgesprochen wenig rauchten, schnitten in der Untersuchung ähnlich gut ab wie Mediziner.

Rauchen: Theologen und Naturwissenschaftler tun es selten
AP

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Verlängern Alkohol und Nikotin etwa das Leben? Peter McCarron und seine Kollegen hüten sich, allzu ausgiebig beispielsweise über die positiven oder negativen Effekte von Alkohol zu spekulieren. Ebensowenig wissen sie im Detail, ob Mediziner zwar früh viel rauchen, aber auch durch ihren Beruf klug genug werden, dem Qualm rechtzeitig wieder abzuschwören, wie McCarron annimmt - während Juristen länger zur Zigarette greifen.

Was Mediziner so resistent macht, lässt also auch die Forscher rätseln. McCarrons Vermutung: Mediziner sind die zufriedeneren Menschen und leben deshalb länger. Sie kommen aus einem guten sozialen Umfeld, haben hervorragende Jobaussichten und Verdienstmöglichkeiten, während Geisteswissenschaftler häufig mäßig bezahlte und unsichere Jobs annehmen müssen.

Im Klartext: Die Mediziner haben ein reiches Elternhaus, qualmen nach Herzenslust und schauen gern tief ins Glas. Dafür werden sie mit einer höheren Lebenserwartung belohnt. Und damit haben die britischen Forscher bewiesen, wie ungerecht das Leben sein kann.

Frauen übrigens kamen in der Studie gar nicht erst vor: Zu wenige der Glasgower Absolventinnen waren bereits gestorben - und Ärztinnen leben vermutlich ewig.



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