Siegerkür Favoriten-Trio der Eliteunis steht fest
Ein kluger Mann baut vor. Als Gerhart von Graevenitz sich Anfang der Woche mit seinen Mitarbeitern auf das Finale der Exzellenzinitiative vorbereitete, kam auch die Frage auf, welche Getränke man für den Freitag im Kühlschrank parken solle. Der Rektor der Universität Konstanz plädierte für Champagner - aber für den Fall einer großen Enttäuschung sollte auch ein Magenbitter bereitstehen.
Momentan stehen die Zeichen für Konstanz auf Champagner.
Welche der Finalisten in diesem Jahr als "Spitzenuniversitäten" Millionen für die Forschung abräumen können, beschließen bei der Exzellenzinitiative Vertreter aus Wissenschaft und Politik gemeinsam. An diesem Donnerstag einigten sich der Wissenschaftsrat und die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) auf die Favoriten unter den acht Kandidaten in der Endrunde. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE sieht die Farbenlehre für die Entscheidung am Freitag so aus:
- Auf der grünen Karte für die drei besten Bewerber aus Sicht der Wissenschaftler stehen die RWTH Aachen sowie die Universitäten in Heidelberg und Konstanz.
- Gelb markiert wurden die Anträge der Universität Freiburg und der FU Berlin - sie sind noch im Rennen, aber auf der Kippe.
- Auf Rot steht die Ampel für die Universitäten in Bochum und Göttingen sowie für die Humboldt-Universität Berlin.
Das erfuhr SPIEGEL ONLINE am Abend aus Teilnehmerkreisen. Auch Informationen des "Handelsblattes" nach den Gesprächen vom Donnerstag deuten in die gleiche Richtung. Aachen und Heidelberg wurden ohnehin als Favoriten gehandelt, die Ruhr-Universität Bochum als Außenseiter. Dass aber Konstanz in der "grünen" Gruppe landete, ist ebenso überraschend wie das vorzeitige Aus, das sich für die Humboldt-Universität anbahnt. Ob es Freiburg und die FU Berlin noch unter die Gewinner schaffen, dürfte am Freitag für heftige Diskussionen im Bewilligungsausschuss sorgen, der die endgültige Entscheidung fällen soll.
Komplizierte Entscheidungswege
Das Prozedere: Internationale Gutachterteams haben in den vergangenen Monaten alle eingereichten Konzepte der deutschen Hochschulen für die drei Förderlinien geprüft. Am Dienstag und Mittwoch beriet der Wissenschaftsrat über die Anträge für die Förderung als gesamte Hochschule - die "Elite-Universitäten". Derweil debattierte die DFG über die besten Exzellenzcluster und Graduiertenschulen. In der gemeinsamen Kommission beider Einrichtungen wurden die Ergebnisse am Donnerstag zusammengetragen, zunächst noch ohne Beteiligung der Politik.
Erst um 16.30 Uhr, eine Stunde später als geplant, beendeten die Wissenschaftler am Donnerstag ihre Beratungen. Anschließend trafen sie im Restaurant "Bonner Hof" mit den Wissenschaftsministern der Länder zusammen und präsentierten die Ergebnisse ihrer Arbeit. Dabei lobten die Vorsitzenden des Wissenschaftsrates und der DFG die hohe Qualität der universitären Konzepte. Um das zu verdeutlichen, sprachen sie neben den klareren Entscheidungen in der roten und grünen Gruppe auch von "hellgrünen" Anträgen.
Elite-Siegel auch für internationales Marketing wichtig
Aus der ersten Runde der Exzellenzinitiative waren 2006 die TU München, die LMU München sowie die TU Karlsruhe als Sieger hervorgegangen. Sie werden jetzt fünf Jahre lang mit jeweils 21 Millionen Euro für die Forschung gefördert. Im Januar dieses Jahren setzen sich dann acht Universitäten als Finalisten der zweiten Runde durch.
Das begehrte Elite-Siegel ist für die Hochschulen nicht nur finanziell wichtig, sondern auch von hoher Bedeutung für die nationale wie internationale Reputation. Denn im Ausland werden die deutschen Bemühungen um mehr Spitzenforschung ebenfalls genau beobachtet. Selbst mittlere Universitäten etwa in den USA verfügen allerdings über weit höhere Forschungsbudgets als die besten deutschen Hochschulen - auch die Förderung aus dem Elite-Wettbewerb katapultiert sie nicht gleich in die Königsklasse.
Insgesamt stehen für die Exzellenzinitiative 1,9 Milliarden Euro bereit. Den Hauptanteil, 75 Prozent, trägt der Bund, das übrige Viertel steuern die Länder bei. In langen, zähen Debatten vor dem Start des Wettbewerbes hatten sie durchgesetzt, dass nicht nur wenige Leuchttürme entstehen: Durch die Förderung der "Exzellenzcluster", also gemeinsamer Projekte mehrerer Hochschulen und außeruniversitärer Forschungseinrichtungen, sowie der Graduiertenschulen haben viele Universitäten die Chance, von den Geldern zu profitieren.
Seid umschlungen, Millionen
Neben der Achtergruppe in der ersten Förderlinie hoffen am Freitag noch insgesamt 35 Hochschulen auf Unterstützung für ihre Projekte. Insgesamt maximal zehn Universitäten könnten in beiden Runden das Elite-Etikett bekommen. Wenn es aber weniger werden, wie es sich jetzt abzeichnet, sollen die eingeplanten 21 Millionen Euro jährlich nicht etwa an den Staat zurückfallen, sondern im Bereich der Graduiertenschulen und Exzellenzcluster ausgegeben werden.
2006 gab es vor allem um drei Aspekte erhebliche Auseinandersetzungen:
- Aus den Geistes- und Sozialwissenschaften konnten nur wenige Anträge umgesetzt werden.
- Bei den Förderentscheidungen flossen die Mittel hauptsächlich in den Süden der Republik, während sich in Nord- und Ostdeutschland nur wenige Hochschulen durchsetzen konnten.
- Und bei den Entscheidungen sahen sich die Politiker von den Wissenschaftlern übergangen, was zu heftiger Kritik führte.
Auch diesmal könnten die Beratungen am Freitagvormittag durchaus ungemütlich werden. Regionalpolitik spielt stets eine Rolle: Sollten etwa Heidelberg, Konstanz und Freiburg durchkommen, wären zusammen mit Karlsruhe gleich vier Universitäten aus dem Südwesten vertreten.
Kippt neben der Humboldt-Universität auch noch die FU
von der Liste, ginge die Hauptstadt bereits zum zweiten Mal leer aus. In Berlin war der Zorn schon 2006 groß, als keine der drei Mammut-Hochschulen die Spitzenförderung erhielt. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), derzeit auch Vorsitzender der Kultusministerkonferenz, dürfte das am Freitag zu verhindern versuchen.
Offiziell verkündet werden sollen die Ergebnisse der Exzellenzinitiative um 14 Uhr. Gebucht sind die Konferenzräume K1 und K2 im Bonner Wissenschaftszentrum aber bis 16 Uhr - es könnte also auch ein wenig länger dauern.