SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Oktober 2014, 10:32 Uhr

Campus-Studie

Tiermediziner büffeln am meisten, Soziologen am wenigsten

Von

Wie viel Zeit kostet mich mein Studium? Der aktuelle Studentensurvey zeigt, wie viele Stunden angehende Zahnmediziner, Soziologen, Elektrotechniker wöchentlich arbeiten. Und was sie sich für ihre Zukunft wünschen.

Wer Elektrotechnik studieren will, sollte sich gut überlegen, an welcher Hochschule er sich einschreibt. Erst recht, wenn er noch Zeit fürs Studentenleben oder einen Nebenjob haben will: Angehende E-Techniker müssen nämlich für ihre Ausbildung an Unis und Fachhochschulen ganz unterschiedlich viel Zeit aufbringen. Während die Uni-Studenten mit durchschnittlich 32,5 Stunden pro Woche ausgelastet sind, lernen angehende Elektrotechniker an Fachhochschulen mit 41,2 Stunden pro Woche deutlich mehr.

Das haben Forscher der Uni Konstanz ermittelt, Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) hat den zwölften Studierendensurvey am Dienstag in Berlin vorgestellt. 5000 Studenten waren für die Studie befragt worden.

Dass FH-Studenten fast ein Drittel mehr arbeiten müssen als der akademische Nachwuchs an Unis, ist allerdings eher die Ausnahme. Im Durchschnitt beschäftigen sich die Fachhochschüler jede Semesterwoche 31,6 Stunden mit ihrem Fach, bei den Uni-Studenten ist der Aufwand mit 30,6 Stunden nur unwesentlich niedriger. An beiden Hochschultypen ist die Arbeitsbelastung damit seit 2007 um jeweils knapp zweieinhalb Stunden pro Woche zurückgegangen.

Soziologen investieren am wenigsten Zeit

Erhebliche Unterschiede gibt es allerdings zwischen den einzelnen Fächern. Mit 22,6 Wochenstunden geben Soziologiestudenten an Unis ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit an; angehende Veterinärmediziner arbeiten dagegen mit 44,6 Stunden fast doppelt so viel. Sehr arbeitsintensiv sind außerdem Zahnmedizin (42,5 Stunden) und Pharmazie (39,5 Stunden). "In diesen zeitlich hochbelasteten Fächern ist es schwierig, sich darüber hinaus Zusatzqualifikationen anzueignen", schreiben die Forscher.

Für die Studie befragt die Arbeitsgruppe Hochschulforschung der Universität Konstanz alle zwei bis drei Jahre Studenten in ganz Deutschland. Die erste Untersuchung hatte es 1982 gegeben, Auftraggeber ist das Bundesbildungsministerium.

Gefragt haben die Studienmacher nach persönlicher Motivation und Studienerfolg, genauso wie nach Schwierigkeiten, der Qualität der Hochschulausbildung und den Berufsaussichten - immer aus der Perspektive der Studenten. Die aktuelle Befragung wurde im Wintersemester vor einem Jahr durchgeführt, teilgenommen hatten knapp 5000 Studenten. Das sei "nicht befriedigend", schreiben die Forscher, die insgesamt mehr als 27.000 Fragebögen verschickt hatten. Dennoch könnten anhand der Ergebnisse "weitgehend repräsentative Aussagen" getroffen werden.

Die Resultate bestätigen zum Teil langfristige Entwicklungen, die sich auch bei anderen Untersuchungen abgezeichnet hatten:

Aufschlussreich ist auch das Kapitel der Untersuchung, das sich mit den Wünschen und Forderungen der Studenten beschäftigt. Uni-Studenten wünschen sich demnach am häufigsten einen stärkeren Praxisbezug des Studiengangs (41 Prozent) und mehr Lehrveranstaltungen im kleinen Kreis (29 Prozent). Bei den Fachhochschülern dominieren die Wünsche nach Angeboten zur Studienfinanzierung (25 Prozent) und nach einer Verbesserung der Jobchancen (24 Prozent).

Ein gutes Fünftel der Uni-Studenten und knapp ein Viertel der FH-Studenten plädieren außerdem für eine Reform des Bologna-Prozesses: Sie wünschen sich eine Erweiterung des Bachelorstudiums auf vier Jahre - mit deutlich mehr Zeit zum Lernen.

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung