Sönke Wortmann Filmbranche als Mekka für Studienabbrecher

Wenn an der Uni gar nichts mehr geht, dann geh doch zum Film. Dort sieht Sönke Wortmann immer einen Platz für Studienabbrecher: "Meine Sets bestehen zu 90 Prozent aus Seiteneinsteigern", sagte der Regisseur an der Uni Münster, wo er einst sein Soziologiestudium schmiss.

ddp


Irgendwann kehrt jeder zurück an den Tatort, so auch Erfolgsregisseur Sönke Wortmann, 50. Vor fast 30 Jahren hat er ein bisschen an der Universität Münster studiert und trug dort am Montag bei einem Vortrag eine frohe Botschaft im Gepäck: Die Filmbranche sei ein klassischer Arbeitsmarkt für Studienabbrecher. Nirgends sonst arbeiteten so viele Menschen mit abgebrochenem Studium, sagte Wortmann. "Meine Sets bestehen zu 90 Prozent aus Seiteneinsteigern."

Nach dem Abitur versuchte sich Wortmann zunächst als Fußballer beim damaligen Zweitligisten Westfalia Herne. Anfang der achtziger Jahre spielte er dort im defensiven Mittelfeld, ging dann zum Studium nach Münster und brachte es nur auf ein paar Monate Soziologie: "Ich war im ersten Semester so frustriert, dass ich sofort wieder aufgegeben habe." Da sei er 21 Jahre alt gewesen. "Ich habe mich mit Jobs über Wasser gehalten, ich bin Taxi gefahren. Es war kein Plan dahinter."

Einen Studienabschluss schaffte Wortmann später doch noch: Er studierte an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen (HFF), inklusive Intermezzo in London. Seine Interessen spiegeln sich stark auch in seinen Filmen - etwa in den Fußballfilmen "Das Wunder von Bern" oder "Deutschland - ein Sommermärchen", aber auch in "Der Campus". In der Verfilmung des satirischen Romans von Dietrich Schwanitz geht es nämlich um einen Soziologieprofessor, der einen jähen Karriereknick erlebt.

Zahlreiche Filmschaffende unter den Uni-Deserteuren

Gerade stürmte Wortmanns Historiendrama "Die Päpstin" an die Spitze der Kinocharts. Die Veranstaltung in Münster hatte das Netzwerk StudiVZ organisiert, in der neuen Reihe "Mein Star im Seminar". Wortmann ist auch selbst bei StudiVZ eingeschrieben - allerdings ohne Foto und nähere Infos zur Person.

Dass seine These von der Filmbranche als Mekka für Studienabbrecher zutrifft, zeigen Beispiele weiterer prominenter Studien-Deserteure: Wortmanns Regie-Kollege Roland Emmerich studierte ebenfalls an der HFF München, aber nicht bis zum Studienabschluss. Auch Regisseur Wim Wenders verzichtete auf einen akademischen Titel; Steven Spielberg schmiss 1968 sein Filmstudium - und holte 34 Jahre später den Bachelor-Abschluss nach.

Zahlreiche Schauspieler kommen ebenso ohne akademischen Lorbeer aus, darunter Gwyneth Paltrow, Brad Pitt und Richard Gere. Heike Makatsch trug es nach vier Semestern Medienwissenschaften, Politik und Soziologie aus der Uni-Kurve. Nicht nur die Film-, auch der Rest der Medienbranche versammelt reichlich Studienabbrecher: ob Günther Jauch oder Jürgen von der Lippe, Barbara Schöneberger oder Herbert Feuerstein.

jol/dpa

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