Sorge um Religion Iran beschneidet "westliche" Studiengänge

Alles für die Religion: Iran schränkt zwölf Studiengänge ein. Die Fächer seien "westlich" geprägt und daher unvereinbar mit islamischen Lehren, begründet die Staatsführung den Schritt. Betroffen sind unter anderem auch Jura und Politikwissenschaft.

Protestierende iranische Studenten im Dezember 2009: Westlich geprägte Fächer
AP

Protestierende iranische Studenten im Dezember 2009: Westlich geprägte Fächer


Teheran - Was haben Studiengänge wie Menschenrechte, Jura, Philosophie, Management, Frauenstudien und Politikwissenschaft gemeinsam? Sie sind nach Ansicht der iranischen Führung "westlich" geprägt und stehen deshalb nun auf dem Index im Gottesstaat. Ein Vertreter des Bildungsministeriums erläuterte am Sonntag im Rundfunk, warum insgesamt zwölf Studiengänge beschränkt werden: Die Staatsführung hält sie für unvereinbar mit islamischen Lehren.

Die Beschränkungen hindern die Universitäten daran, neue Institute in den oben genannten Studiengängen zu gründen. Außerdem soll der Lehrplan in Dutzenden Universitäten im ganzen Land überprüft werden. Der Schritt gilt als Reaktion auf Sorgen des obersten iranischen Führers Ajatollah Ali Chamenei, wonach diese Studien zu Zweifeln an der Religion führen könnten.

An den iranischen Universitäten sind im Bereich Gesellschafts- und Geisteswissenschaften rund 3,5 Millionen Studierende eingeschrieben. Studenten spielten bei den massiven Protesten der Opposition gegen die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad im vergangenen Jahr eine zentrale Rolle. Bereits 2006 wurden Dutzende als liberal geltende Professoren und Dozenten an iranischen Universitäten in den Ruhestand geschickt.

mmq/dapd



insgesamt 99 Beiträge
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Seite 1
Das Auge des Betrachters 24.10.2010
1. Logisch oder?
Wen wundert`s? Und der Iran ist nur der Anfang, Deutschland ist auf dem besten Weg zu folgen.
Vergil 24.10.2010
2. -
---Zitat--- Der Schritt gilt als Reaktion auf Sorgen des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei, wonach diese Studien zu Zweifeln an der Religion führen könnten. ---Zitatende--- Klar, und Zweifel an der Religion in einem Gottesstaat... uiuiui. Das iranische Regime hat komplett den Verstand verloren. Es lässt sich nur hoffen, dass sich irgendwann in hoffentlich baldiger Zukunft das iranische Volk erhebt und aufbegehrt.
Antje Technau, 24.10.2010
3. .
Zitat von sysopAlles für die Religion: Iran schränkt zwölf Studiengänge ein. Die Fächer seien "westlich" geprägt und daher unvereinbar mit islamischen Lehren, begründet die Staatsführung den Schritt. Betroffen sind unter anderem auch Jura und Politikwissenschaft. http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,725038,00.html
wie sieht das denn mit "westlichen Studiengängen" bei unseren Freunden in der islamischen Welt aus? In Saudi Arabien, beispielsweise? Gibt es die Fächer Menschenrechte, Frauenstudien und Politikwissenschaft in den von den USA befreiten und zur Demokratie geführten Ländern Afghanistan und Irak?
Antje Technau, 24.10.2010
4. Revolution!
Zitat von VergilKlar, und Zweifel an der Religion in einem Gottesstaat... uiuiui. Das iranische Regime hat komplett den Verstand verloren. Es lässt sich nur hoffen, dass sich irgendwann in hoffentlich baldiger Zukunft das iranische Volk erhebt und aufbegehrt.
hoffentlich überlässt man es dem iranischen Volk, die iranische Regierung durch eine erneute Revolution zu stürzen. Bei den vielen Artikeln im SPON heute, wie furchtbar das iranische Regime mit seinem Volk umgeht, habe ich langsam den Eindruck man will den Westen zur "Befreiung" des iranischen Volkes aufrufen. Nee, Leute, das sollen die Iraner mal selber machen, wenn sie von ihrer Regierung genug haben. Die können das. Die haben vor Jahren auch den Schah gestürzt.
avollmer 24.10.2010
5. Immanente Selbstzerstörung
Wieder einmal erweist sich der den absolutistischen Regimen innewohnende Mechanismus als wirkungsvoll. In der Abwehr aller Vernunft und die sie stärkende Kräfte, da diese mit dem Prinzip der Aufklärung gegen den Absolutismus wirken, schwächt das Regime die intellektuelle Kapazität des Staatsvolkes und zerstört die Zukunft mindestens einer Generation. Intellektuelle, die können und dürfen, emigrieren. Gefährlich daran ist nur eine Überschneidung in geographischer und zeitlicher Hinsicht, wenn zu viele Staaten zur gleichen Zeit einer Kretinisierungsdoktrin unterworfen werden, dann kann Wissen und Kompetenz nicht überwintern, nicht ausweichen und stirbt aus. Dies führte vor anderthalb Jahrtausenden zum dunklen Zeitalter, als die christliche Leitkultur Vernunft und Wissenschaft durch ihre Dominanz unterdrückte und zerstörte. Forschung und Lehre müssen frei bleiben und den Unterdrückten müssen Angebote zur Unterstützung, Alternativen und Asyl angeboten werden. Gerade die Heimatnation von Kant und Hegel muss hier tätig werden und freien Geistern Gelegenheit geben hier ihre Arbeit fortzusetzen, der freien iranischen Wissenschaft und Forschung einen Platz im Exil bieten. Wo ist die deutsche Stadt, die eine iranische Exiluniversität gründet? Wie wäre es in Halle an der Saale mit den Franckeschen Stiftungen?
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