Studienfinanzierung "30 Euro Bafög sind doch lächerlich"

Sie haben drei Nebenjobs - oder werden von Papa finanziert. Sie leisten sich teure Fußballspiele - oder spenden lieber für Crowdfunding-Projekte. Studenten erzählen, woher sie Geld bekommen und wofür sie es ausgeben.
Foto: Benjamin Jungbluth

Fabian, 23, Germanistik, Heidelberg, 600 Euro im Monat, muss keine Miete zahlen: "Ich habe nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen."

"Im Monat habe ich knapp 600 Euro. Meine Eltern zahlen mir Unterhalt, daneben arbeite ich aber auch regelmäßig. Ab und zu bessere ich mein Einkommen auf, indem ich Schlagzeugunterricht gebe. Miete muss ich nicht zahlen, weil die Wohnung meinen Eltern gehört. Ich habe nicht das Gefühl, auf etwas verzichten zu müssen. Denn mir bleiben nur die Kosten für Essen und Alltagsausgaben. Weil mir Bioqualität wichtig ist, leiste ich mir die gesünderen, aber teureren Mensa-Gerichte. Aber da bei mir um die Ecke ein Discounter liegt, der lange Öffnungszeiten hat, gibt es eben öfter nur dessen Hausmarke. Dann brauche ich ab und zu noch Geld für meine Band und Tonträger."

Foto: SPIEGEL ONLINE

Alena, 30, Master Slawistik, Hamburg, 1100 Euro im Monat: "Bei drei Nebenjobs leidet das Studium"

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"Ich habe einen Studentenkredit und drei Nebenjobs: Im Krankenhaus am Empfang, als studentische Hilfskraft und als freiberufliche Lektorin. Dabei kommen um die 1000 bis 1200 Euro im Monat raus. Es geht mir finanziell also ganz gut, aber mein Studium leidet ab und zu darunter. Ich spare auf einen Strandurlaub, einen Sprachkurs in Russland und hätte gerne mehr Geld für eine neue Einrichtung - in meiner Wohnung stehen immer noch die Möbel aus meinem alten Kinderzimmer. An Luxus gönne ich mir Klamotten, Sauna und Essengehen mit meinem Freund. Niemals würde ich Geld für DVDs oder Computerspiele ausgeben. Ich versuche, regionale und Bioprodukte zu kaufen, aber die 'Biomelone' wäre mit ihrem ökologischen Fußabdruck dann schon wieder albern."

Foto: Fabienne Kinzelmann

Helene, 24, Germanistik und Kunstgeschichte, Dresden, 560 Euro im Monat: "Ich habe 30 Euro Bafög bekommen, lächerlich"

"In meinem ersten Studienjahr habe ich 30 Euro Bafög bekommen, wirklich lächerlich. Aber selbst das bekomme ich nicht mehr. Mit dem Kindergeld, einer kleinen Unterstützung durch meine Eltern, Babysitten und Putzen komme ich so auf 560 Euro im Monat. Große Sprünge sind da nicht drin, ich spare deswegen eigentlich überall, kaufe Essen möglichst günstig und gehe selten shoppen. Dafür achte ich darauf, dass immer ein gewisser Betrag auf meinem Konto ist. Die Rücklage gibt mir Sicherheit. Geld gebe ich für Konzerte aus - und ich habe eine Schwäche für Kaffee."

Foto: Anne-Kathrin Gerstlauer

Michael, 23, Soziale Arbeit, Köln, 900 Euro im Monat: "Ich mag mich nicht mit Geld beschäftigen"

"Von meinen Eltern bekomme ich um die 600 Euro, von Oma und Opa bekomme ich 100 Euro im Monat. Am Wochenende arbeite ich in der Lebenshilfe, das gibt zehn Euro pro Stunde, insgesamt vielleicht 200 im Monat. Es wäre bestimmt nicht verkehrt, meine Finanzen etwas besser im Auge zu behalten, aber ich mag mich nicht damit beschäftigen. Wenn ich Geld habe, dann gebe ich es aus. Für meine Wohnung gebe ich 325 Euro aus, ansonsten viel fürs Feiern und Alkohol, im Monat wohl etwa 100 Euro. Beim Essen achte ich schon auf die Preise, aber Qualität ist mir auch wichtig, man isst das ja hinterher. Sonst bin ich ein genügsamer Mensch. Alles was ich gerade habe, ist für mich schon Luxus. Nur für eine große Reise würde ich gerne mal sparen."

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Martin, 24, Rechtswissenschaften, Hamburg, 1150 Euro im Monat: "Essen? Hauptsache es macht satt"

"250 Euro gehen für die Miete meiner Einzimmerwohnung drauf. Aber auch mein Auto frisst viel Benzin, mindestens für 80 Euro. Mein Auto habe ich mir selbst gekauft, zur Zeit spare ich für eines, das weniger verbraucht. Dafür arbeite ich bei einem Fruchtkonzern als Aushilfe für circa 500 Euro monatlich. Meine Eltern unterstützen mich zusätzlich mit 650 Euro. Ansonsten habe ich mir eine HSV-Dauerkarte gegönnt, gebe mein Geld ab und zu für Festivals aus und gehe mit meiner Freundin in ihr Lieblingsrestaurant, zum "All-you-can-eat-Sushi". Im Normalfall bin ich aber sparsam mit Klamotten oder beim Essen, Hauptsache es macht satt."

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Erik, 27: "Ich spende für Crowdfunding-Projekte"

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Jill, 22, Soziologie und Französisch, Hamburg, 1000 Euro im Monat: "Kaum Geld für Clubs oder Kino"

"Ich ziehe bald von meiner jetzigen WG in meine eigene Wohnung und werde dann 500 Euro Miete zahlen, auch neue Möbel muss ich mir anschaffen. Von meinen Eltern bekomme ich um die 300 Euro, zusätzlich verdiene ich mit meinem Nebenjob etwa 400, in den Semesterferien auch mal mehr. Außerdem habe ich einen privaten Studienkredit von 300 Euro aufgenommen, damit habe ich im Monat insgesamt um die 1000 Euro zur Verfügung. Davon leiste ich mir für 60 Euro eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio, auch beim Essen versuche ich, nicht zu knauserig zu sein. Ich gebe kaum Geld für Alkohol, Eintritte in Clubs oder Kino aus. Auch Zeitungsabos würde ich mir nie andrehen lassen, da gibt es kostenlose Alternativen im Internet."

Foto: Fabienne Kinzelmann

Erik, 27, Medieninformatik, Dresden, 800 Euro im Monat: "Ich bin ein Impulskäufer"

"Neben dem Studium programmiere ich Apps, das allerdings sehr unregelmäßig. Auch wenn in unserem Fachbereich gut bezahlt wird, verdiene ich damit im Jahr nur circa 2500 Euro. Von meinen Eltern bekomme ich knapp 600 Euro im Monat. Das reicht mir, Geld zurücklegen kann ich allerdings kaum. Ich gebe viel für Musik und Software aus und bin ein totaler Impulskäufer: Einen Schreibwarenladen verlasse ich nie ohne neuen Stift oder ein neues Notizbuch. Und ich spende gerne für Crowdfunding-Projekte, das sind bestimmt 30 bis 50 Euro im Monat. Aber ich helfe Leuten gerne dabei, ihr Ding zu machen - zum Beispiel einen tollen Dokumentarfilm."

Foto: Anne-Kathrin Gerstlauer

Stephanie, 26, Sustainable Marketing and Leadership, Köln, 1750 Euro: "Arbeiten ist mir im ersten Semester zu stressig"

"Im Monat brauche ich 1750 Euro, gut 1000 Euro kommen von meinen Eltern, für die 650 Euro Studiengebühren haben ich einen staatlichen Kredit von der KfW aufgenommen. Meine Mutter ist Hausfrau, mein Vater Bankkaufmann. Auch bei größere Investitionen wie Möbel für meine Wohnung haben sie mir geholfen. Es ist mir schon unangenehm, dass es so viel Geld ist. Sparen kann ich momentan nicht, und arbeiten ist mir zu stressig im ersten Semester meines Masterstudiums, ich möchte mich erst einmal orientieren. Meine Lebensmittel kaufe ich bei Rewe, auch schon mal die Eigenmarken. Ich würde eher an Lebensmitteln sparen als an Klamotten. Früher habe ich mir manchmal Wellness gegönnt, aber momentan ist das nicht drin."

Foto: Fabienne Kinzelmann

Hannes, 25, Geschichte, Politik und Soziologie, Dresden, keine Angaben: "Meine Eltern unterstützen mich sehr großzügig"

"Ich werde sehr, sehr großzügig von meinen Eltern unterstützt. Mein großer Bruder hatte mit ihnen den Betrag mal ausgehandelt und ich will mich natürlich nicht darüber beschweren. Deshalb kann ich es mir erlauben, auch spontan mit der Bahn nach Hause oder in meinen alten Studienort Freiburg zu fahren. Außerdem kostet mein WG-Zimmer für Dresdner Verhältnisse recht viel - 350 Euro warm. Und ich spare nicht beim Essen. Wenn ich in der Uni Lust auf Kaffee und Gebäck habe, hole ich mir das eben auch. Zwei andere große Posten sind die Bücher für die Uni und das Weggehen. Vor allem, wenn man den Alkohol beim Spätshop holt, wird's teuer."

Ruzanna, 25: "Ich gönne mir Designerkleidung"

Foto: Benjamin Jungbluth

Michael, 23, Geschichte, Heidelberg, 1000 Euro im Monat: "Mein Luxus: Fußballspiele"

"Ich bekomme Unterhalt von meinem Vater und Kindergeld. Daneben habe ich ein Stipendium und verdiene mit zwei Hiwi-Jobs an der Uni noch ein wenig dazu. Insgesamt habe ich etwa 1000 Euro im Monat. Teuer ist die Miete in Heidelberg, dann geht natürlich viel für Essen und Alltägliches drauf. Ich reise auch gerne und fahre zu Fußballspielen, das ist dann schon ein gewisser Luxus. Dafür gehe ich aber lieber in die günstigere Mensa als an das teure Buffet. Ich übertreibe es aber auch nicht bei dem Thema, mein Essen sollte nicht zu billig sein, im Supermarkt achte ich schon auf Biomarken. Und ich fahre mit dem Rad in die Stadt, da spare ich mir das Semesterticket."

Foto: SPIEGEL ONLINE

Ruzanna, 25, Rechtswissenschaften, Hamburg, 700 Euro im Monat: "Ich gönne mir Designerkleidung und Geschenke für Freunde."

"Das meiste Geld geht bei mir für Miete, Kleidung und Bücher drauf. Einmal die Woche gehe ich auch auswärts essen, in Cafés oder Restaurants, ansonsten kaufe ich Lebensmittel im Discounter. Ich liebe Markenklamotten, aber die sind leider so teuer. Ab und zu gönne ich mir aber auch Designerkleidung und kaufe gerne Geschenke für Freunde. Dafür gehe ich aber nicht jedes Wochenende in die Disco und gebe selten Geld für Alkohol aus. Zweimal die Woche arbeite ich für ein Verbraucherschutzportal, zusammen mit Bafög habe ich dann um die 700 Euro im Monat zur Verfügung. Sparen muss ich zur Zeit für meine Examensvorbereitung, das Jura-Repetitorium, das mich ab nächstem Semester 150 Euro im Monat kosten wird."

Foto: Anne-Kathrin Gerstlauer

Julian, 28, Sonderschulpädagogik, Köln, 1050 Euro im Monat: "Am Ende des Monats bin ich oft im Minus"

"1050 Euro habe ich im Monat: 650 Bafög, 300 Kredit und 100 von meiner Mutter. Früher hab ich für 300 Euro gearbeitet. Aber seit einem Jahr habe ich stattdessen den Kredit, damit ich mit dem Studium schneller fertig werde. Ich habe Fixkosten von ungefähr 500 Euro: Miete 380, Krankenkasse 75, Handyrechnung etwa 25 und Fitnessstudio 20 Euro. Sonst gebe ich Geld für Zigaretten und Lebensmittel aus. Beim Feiern gebe ich ungefähr 40 Euro aus, das mache ich dreimal im Monat. Am Ende des Monats bin ich dann bei Null oder im Minus. Im Moment kann ich nicht sparen. Klar könnte ich nur einmal im Monat feiern und 80 Euro zur Seite legen, aber das will ich nicht. Mein Luxus ist vielleicht, dass ich in der Innenstadt wohne. Ich kaufe auch oft Markenprodukte, einfach weil ich's von zu Hause kenne."

Foto: Benjamin Jungbluth

Kai, 22, Politik und Geschichte, Heidelberg, 800 Euro im Monat: "Ich gebe Geld für alltäglichen Luxus aus"

"Ich habe zum Glück ein Stipendium der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommen, das gerade erhöht wurde. Außerdem habe ich einen Nebenjob und meine Eltern unterstützen mich zusätzlich. Damit habe ich im Monat etwa 800 Euro. Das meiste verbrauche ich für Miete, Lebensmittel und Klamotten. Aber auch für alltäglichen, kleinen Luxus: Kaffee, Alkohol, Bücher und Musik. Das läppert sich schon zusammen, deshalb kann ich nichts sparen. Wenn das Geld knapp wird, heißt das eben weniger weggehen oder keine Platten kaufen. Und klar, große Reisen und solche Dinge sind als Student natürlich nicht möglich."

Protokolle von Anne-Kathrin Gerstlauer, Benjamin Jungbluth, Julia Jung und Fabienne Kinzelmann
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