Bananen-Geschenk für Minister Söder "Wo ist der zweite Affe?"

Ulk zum Semesterstart: Bayerns Finanzministers Markus Söder hatte eben Platz genommen, da kam ein Student mit Orang-Utan-Maske herein und schenkte ihm Bananen. Im Interview erklärt Thomas Grellner - unmaskiert - sein kleines Affentheater.


SPIEGEL ONLINE: Herr Grellner, Sie sind in einem Affenkostüm in die Einführungsveranstaltung der BWLer an Ihrer Hochschule gelaufen und haben dem bayerischen Finanzminister Markus Söder, der zu Gast war, Bananen überreicht. Warum?

Grellner: Ich habe so etwas schon häufiger gemacht. Bei Söder gab es zwei Anlässe. Erstens: Er ist einer der plumpesten Populisten in Bayern. Zweitens: Unsere Hochschule wurde in diesem Jahr in Technische Hochschule Nürnberg Georg Simon Ohm umbenannt. Söder, der ja aus Nürnberg kommt, hat dann im Wahlkampf damit geworben, dass durch sein Verdienst die ehemalige Hochschule jetzt eine TH ist. Dabei sollte die Auszeichnung für hohe Qualität stehen und nicht für politische Kungelei. Aus meiner Sicht ist das eine reine Imagegeschichte, Namensfirlefanz, der nichts an der Bildungsqualität ändert.

SPIEGEL ONLINE: Wieso das Affenkostüm, wieso Bananen?

Grellner: Affenkostüme gelten als lustig. Indem ich selbst als Affe auftrete, will ich die andere Person auch als Affen brandmarken. Ich würde aber auch ein Eselkostüm nehmen, wenn es leichter zu tragen wäre. Als ich bei Söder in den Hörsaal reingegangen bin, habe ich gesagt: "Ich such den zweiten Affen. Ich hab gehört, der Söder ist da." Dann habe ich mich umgeschaut, bin auf ihn zugegangen und habe ihm die Bananen gegeben.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat er reagiert?

Grellner: Er hat säuerlich geguckt, und ich glaube, er hat "danke" gemurmelt. Im Nachhinein hat er die Aktion auf Facebook lustig und locker kommentiert, aber in dem Moment war er eher genervt. Der Sprecher der Uni hat mich währenddessen aufgefordert, den Hörsaal zu verlassen. Ich habe ihm gesagt, dass es nur ein paar Sekunden dauert.

SPIEGEL ONLINE: War die Aktion geplant?

Grellner: Nein, das habe ich spontan entschieden, nachdem ich gehört hatte, dass Söder auf dem Campus ist. Ich hatte allerdings für denselben Tag geplant, die Einführungsveranstaltung bei den Sozialwissenschaftlern zu besuchen, also in meinem Fachbereich. Der Dekan hat in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge Bananen von mir bekommen. Dieses Mal musste er sie sich eben mit Söder teilen.

SPIEGEL ONLINE: Was wollen Sie mit diesen Aktionen erreichen?

Grellner: Denjenigen, die Bananen bekommen, möchte ich zeigen, dass es Kritik an ihnen gibt. Ich möchte auch Diskussionen anstoßen und die neuen Studenten anregen, sich für hochschulpolitische Themen zu interessieren. Deshalb hatte ich meistens ein Schild dabei, auf dem stand: "Ohm macht arm". Als Protest gegen die Studiengebühren in Bayern.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Studiengebühren wurden doch zu diesem Wintersemester abgeschafft.

Grellner: Ja, der Dekan hat die Bananen deshalb auch vorerst zum letzten Mal bekommen. Als Erinnerung und Ermahnung.

SPIEGEL ONLINE: Wie reagieren Ihre Kommilitonen auf Ihre Aktionen?

Grellner: Meistens ist es ein großer Spaß, die Leute klatschen. Allerdings habe ich gehört, dass dieses Mal einige BWLer richtig sauer waren auf mich. Sie fühlten ihren Ruf beschädigt und fürchteten wohl, wegen der Bananen für Söder negativ anzuecken. Die sind offenbar ziemlich humorlos und angepasst, und die Reaktion ist übertrieben, angesichts einer nicht gerade weltbewegenden Spaßaktion. Etwas mehr Gelassenheit im Umgang mit Autoritäten wäre wünschenswert.

Die Fragen stellte Lena Greiner.


SPIELEN SIE DAS PROTEST-BILDERRÄTSEL

DPA
Doppelt dagegen: Die Studiengebühren sind passé, vor Freude durchbrachen Bayerns Oppositionspolitiker eine Bildungsbarriere aus Kartons. Die Proteste gegen die Campus-Maut waren erfolgreich, die Mittel aber oft sehr schlicht. Särge, Kreuze, nackte Haut - wir zeigen die beliebtesten Motive im Bilderrätsel. mehr...


insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
Koda 10.10.2013
1. Halb so wil, er tut wenigstens etwas
Habe auch nicht den Eindruck, als würde er über alle Kritik stehen. Ein Politiker wie Söder muss sich oft schlimmereres antun lassen als Bananen geschenkt zu bekommen.
walter_e._kurtz 10.10.2013
2. Respekt!!!
Ich weiß, der Ausspruch wird inflationär gebraucht. Aber wo, wenn nicht hier, trifft er zu: Der Typ hat Testikel! Und kann seine "Spaßaktion" auch noch ganz ernsthaft begründen, meinen ausdrücklichen Respekt!
balmy_matrix 10.10.2013
3.
Na immerhin konnte die Veranstaltung stattfinden. An meiner Hochschule (Universität Göttingen) wäre Söder wurde dauerausgepfiffen worden, oder aber die Veranstaltung hätte abgebrochen werden, weil einige Dutzend Linke den Hörsaal stürmen wollten. Insofern ist die Bananenaktion doch ganz okay!
MrGold 10.10.2013
4. Gute Aktion
Ich wünschte mir mehr Studenten mit solcher Zivilcourage. Leider wurden und werden die "Hochschulen" auch mithilfe von CSU-Affen wie Söder immer mehr zu Brutmaschinen von effektiven, aber hirnlosen Wirtschaftsarbeitern umgebaut. An gesellschaftlicher Kompetenz sind unsere tollen BWL´er leider sehr arm, was sich ja darin wundervoll zeigt, wenn sich Studenten in der Form um ihren Ruf kümmern. Geld Geld Geld ist alles, was für die angeblich christlich-soziale Union zählt.
ekkehoffmann 10.10.2013
5. Aktion und Interview niveaulos
Ich kann beim besten Willen keine überzeugenden geistigen Inhalte erkennen. Bei einem Studenten, der die "Reifeprüfung" bestanden hat, sollte man mehr erwarten können. Kritikfähige Inhalte gibt es bei Söder und der CSU sicher, doch solche Aktionen gehen darüber hinweg.
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