SPIEGEL-Forum zur Uni-Medizin "Nicht einfach ein Bein abhacken"

Das Berliner Uniklinikum Benjamin Franklin steuert in eine ungewisse Zukunft. Mit der Schließung wollen SPD und PDS 98 Millionen Euro pro Jahr sparen, ernten aber wütende Proteste. "Wozu braucht Berlin zwei Unikliniken?", fragte der SPIEGEL am Mittwoch bei einem Forum an der Freien Universität.

Die von der Berliner rot-roten Koalition unmittelbar nach der Regierungsbildung angekündigte Schließung des Universitätsklinikums Benjamin Franklin (UKBF) sorgt seit Monaten für Aufruhr in der Hauptstadt. Um rund 98 Millionen Euro soll die leere Landeskasse entlastet werden.

Doch die Kritiker fürchten, die Schließung bedeute das Ende der Medizinerausbildung an der Freien Universität und schade dem Wissenschaftsstandort Berlin. Ohne das UKBF könnten Medizinstudenten nur noch an der Charité, dem Klinikum der Humboldt-Universität, ausgebildet werden.

Kommission soll Sparmöglichkeiten jetzt prüfen

Zu Tausenden gingen aufgebrachte Mediziner in den letzten Woche auf die Straße. Beim SPD-Sonderparteitag im Januar versammelten sie sich vor dem Kongresszentrum und verlangten die Erhaltung des UKBF im Westberliner Stadtteil Steglitz.

Mittlerweile ist die unmittelbare Gefahr für die Klinik gebannt. Eine große Reform der Hochschulmedizin steht dennoch bevor: Auf Anregung des Wissenschaftsrats soll nun eine Expertenkommission prüfen, ob auch ohne eine Schließung des UKBF ausreichend gespart werden kann.

Grund genug für den SPIEGEL, Experten und Betroffene beim SPIEGEL-Forum zu Wort kommen zu lassen: "Wozu braucht Berlin zwei Unikliniken?" Mit Redakteur Johann Grolle diskutierten auf dem Podium

  • der Berliner Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS)
  • Manfred Dietel, ärztlicher Direktor der Charité
  • der Finanzwissenschaftler Klaus-Dirk Henke von der TU Berlin
  • Bernhard Motzkus, Leitender Verwaltungsdirektor der Charité
  • Martin Paul, Dekan des Fachbereichs Humanmedizin an der FU Berlin
  • der FU-Student Linus Grabenhenrich, derzeit im ersten klinischen Semester seines Medizinstudiums

Vor rund 500 Zuhörern lobte Senator Flierl die Entscheidung für eine Expertenkommission als eine Möglichkeit, nicht nur haushalts-, sondern auch wissenschaftspolitische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. "Jetzt sind intelligente Lösungen möglich", so der PDS-Senator.

Die Millionen, die eine Abwicklung der Steglitzer Klinik dem Land einbringen würde, seien ohnehin nur "peanuts" - etwa im Vergleich zu den 11,2 Millionen Zinsen, die im hochverschuldeten Land tagtäglich anfallen, erklärte Gesundheitsökom Henke. Sinnvoller als eine Klinikschließung sei es daher, die Struktur der gesamten Uni-Medizin zu modernisieren.

"Es ist nicht effektiv, einfach ein Bein abzuhacken", erklärte FU-Mediziner Paul. Die Medizinstudenten an beiden Berliner Fachbereichen sorgen sich vor allem um ihre weitere Ausbildung. "Wir fragen uns natürlich, wie es jetzt weitergeht", sagte Student Grabenhenrich. Ein wesentlicher Grund, sich für Berlin als Studienort zu entscheiden, war für ihn die Tatsache, dass es zwei Universitätskliniken gibt: "So habe ich die Möglichkeit, an beiden Unis Veranstaltungen zu besuchen. Dadurch bietet sich den Studenten ein breites Spektrum wie an keinem anderen Hochschulstandort."

Einig war man sich auf dem Podium darüber, dass es neue Finanzquellen für die Kliniken zu erschließen gelte. Charite-Direktor Dietel forderte eine Entstaatlichung der Unikliniken. Und PDS-Politiker Flierl schloss die Möglichkeit nicht aus, künftig vielleicht auch die Studenten zur Kasse zu bitten.

Einen ausführlichen Bericht über das SPIEGEL-Forum bringt die nächste Print-Ausgabe des UniSPIEGEL, die am 8. April erscheint.

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