Sport-Stipendien für US-Unis Soccer-Ladies, made in Germany

An einer namhaften US-Uni studieren, und zwar zum Nulltarif, dazu Kost und Logis umsonst: Für Adriane Radtke und ihre deutschen Mannschaftskameradinnen wurde ein Traum wahr. Die Gegenleistungen der Sportlerinnen: grätschen, dribbeln, Tore schießen.
Von Julian J. Rossig

Die Münchnerin Adriane Radtke spielt seit drei Jahren für das Women's Soccer Team an der Oklahoma State University. "Die Unterstützung der Uni ist einfach fabelhaft", sagt die Mannschaftskapitänin: Die Universität bezahlt der Fußballerin alle Studiengebühren, ihre Unterkunft und schießt sogar noch ein großzügiges Taschengeld zu. Adrianes Gegenleistung: Sie dribbelt für ihr Team in der obersten US-College-Liga.

Mit einem Drei-Viertel-Stipendium fing Radtkes Mannschaftskameradin Geli Feldbacher an, als sie im August nach Oklahoma kam: "Da hat man mich wohl etwas reingelegt", meint die 19-jährige Stürmerin aus Bad Reichenhall rückblickend. Zum Semesterende protestierte sie lautstark – und bekommt seitdem ebenfalls alle Studiengebühren bezahlt, ein kostenloses Zimmer und noch 500 Dollar Mahlzeitenzuschuss. Für Feldbacher ist ihr Auslandsstudium vor allem ein Weg, um die horrende ZVS-Wartezeit für ein Medizinstudium in Deutschland sinnvoll zu überbrücken – momentan acht Semester.

Für die Universitäten sind die Stipendien eine gute Investition, bringen erfolgreiche Mannschaften doch wertvolle Fernseh-Sendezeit und ein positives Image. "College-Sport hat in den USA einen unglaublichen Stellenwert", erzählt Adriane: Selbst unsportliche Kommilitonen identifizieren sich mit ihrem Team und laufen an Wettkampftagen in den Vereinsfarben über den Campus. Eine einzige erfolgreiche Soccer-Saison kann schnell 1000 zusätzliche Studienbewerber bringen – und eine verlorene Saison schnell das halbe Chemie-Labor leer stehen lassen.

Sportlicher Ruhm strahlt ab

"Reflective Glory" nennt der Psychologie-Forscher John C. Mowen, der sich intensiv mit der magnetischen Anziehungskraft erfolgreicher Sportteams beschäftigt hat, das Phänomen. Entsprechend hart ist das Training für die Sportler: "Während der Saison standen wir sechs Tage pro Woche auf dem Platz", berichtet Mittelfeldspielerin Bettina Grossmann. Nicht minder anspruchsvoll war der Winter: sechsmal pro Woche Treppenlaufen, dreimal Krafttraining, dreimal Fußball.

Bei der Vergabe der begehrten Stipendien sind die Coaches an ein verwirrendes Regelkorsett gebunden, das zudem noch von der jeweiligen Liga abhängt. Teams in der ersten Division der "National Collegiate Athletics Association" (NCAA) dürfen nur eine bestimmte Anzahl an Stipendien pro Sportart vergeben – 12 im Frauenfußball, 13 für Basketball, 20 für Rudern. Zudem können nur Spieler unter 24 Jahren gefördert werden, für maximal acht Semester. Keine Altersbeschränkung gibt es in der NCAA II und der NAIA, die ebenfalls Vollstipendien vergeben, dafür liegt das Niveau in den niedrigeren Ligen oft deutlich unter dem der NCAA I. Schulen der vierten Liga (NCAA III) verfügen ebenfalls über professionelle Coaches, dürfen ihren Sportlern aber keine finanzielle Unterstützung gewähren.

Die Vielfalt der Ligen und Sportarten führt dazu, dass leistungsstarke Sportler hervorragende Chancen auf eine Stipendium haben: Momentan sind insgesamt 29 verschiedene Sportarten von NCAA und NAIA anerkannt – darunter auch so Exoten wie Bogenschießen und Wasserball. Selbst für Dressurreiten, Fechten und Rudern gibt’s an vielen Unis bares Geld.

Allein in der NCAA I sind rund 330 Basketball-Teams für Männer registriert und beinahe noch einmal so viele Frauen-Teams. Für Tennisspieler sind knapp 270 Unis interessant, für Spielerinnen sogar über 310 – zuzüglich weiterer 250 bis 300 Unis der NCAA II und der NAIA. Selbst Golfer finden fast 500 Stipendiumsmöglichkeiten, und für Bowling-Spielerinnen bieten sich immerhin rund 40 Universitäten an.

Jede Uni wiederum darf für jedes Team in den Hochschulligen eine bestimmte Anzahl an Stipendien vergeben, was die Zahl der Fördermöglichkeiten multipliziert: So halten allein die Frauen-Fußballmannschaften der Ligen NCAA I und II zusammen 6000 Vollstipendien für Fußballerinnen bereit.

Oberliga sollte es schon sein

Ein guter Teil davon geht an Talente aus dem Ausland, die mit zusätzlichen Vergünstigungen gelockt werden. "Internationale Studenten haben zwar keinen Anspruch auf besondere Förderung", hat Geli Feldbacher festgestellt, "aber erfahrungsgemäß legen die Coaches bei Ausländern noch ein paar Dollar drauf."

Laut Liga-Verfassung muss vor allem auch die akademische Leistung der Sportler stimmen. Reine Sport-Freaks ohne Grips sind unerwünscht – zumindest in der Theorie. Um eine gewisse Anzahl an Leistungsnachweisen kommen jedoch auch Könner zumeist nicht umhin: Neben dem TOEFL (Test Of English as a Foreign Language) sollte auch noch der SAT (Scholastic Aptitude Test) oder der ACT (American College Test) bestanden werden.

Sportlich werden keine absoluten Überflieger erwartet, aber doch ein sehr gutes Niveau. "Oberliga sollte es im Fußball schon sein, Bundesliga ist natürlich optimal", sagt Geli. Relativ leicht können Schwimmer Erfolg mit einer Bewerbung haben, dagegen herrscht in Base- und Basketball hohe Konkurrenz – Bundesliganiveau ist hier Pflicht. Golfer wiederum sind mit einem Handicap von maximal vier, sechs bei den Frauen, gern gesehen, Ringer ab Regionalliganiveau.

"Leider können sich viele Bewerber nicht optimal selbst einschätzen", hat Ramon Tissler beobachtet, Geschäftsführer der deutschen Vermittlungsagentur Sport-Scholarships.com. Ausländische Bewerber könnten auch nicht eben mal zum Probetraining eingeladen werden. An dieser Stelle setzen Agenturen an, die für Bewerber professionelle Videos und Bewerbungsmappen erstellen.

Marktführer Sport-Scholarships.com hat nach eigenen Angaben Kontakt zu über 3500 Hochschulen, mit einer Vermittlungsquote von über 90 Prozent. Allein im März habe man Stipendien im Wert von gut 2,5 Millionen Dollar einfahren können, betont Tissler. Seine Agentur berechnet ihre Provision von derzeit 2500 Euro nur bei erfolgreicher Vermittlung.

Es geht auch günstiger: "In unserem Fall half Vitamin B viel zuverlässiger", sagen Geli und Adriane. Eine andere Deutsche im Team half, den Kontakt zum Coach herzustellen – der dann höchstpersönlich nach München gejettet kam, um die "German Ladies" in Augenschein zu nehmen.

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