Steinzeit-Spiel Mit Uga-Agga ins Getümmel

Was machen Informatikstudenten eigentlich so in ihren Kursen? Genau: Sie werfen sich virtuelle Tierfelle über und verkloppen sich mit Holzkeulen - aus rein wissenschaftlichem Interesse, versteht sich.


Logo von Uga-Agga: Ausgezeichnetes Gekeile

Logo von Uga-Agga: Ausgezeichnetes Gekeile

Berserker, Bogenschützen, Brontosaurier: Wer in Uga-Agga-Land die schützende Höhle verlässt, hat die Wahl, ob er sich lieber von einem wilden Tier auffressen oder einem robusten Krieger den Schädel einschlagen lassen will. Auf sich allein gestellt, hat ein wackerer Homo Erectus im Steinzeit-Dschungel kaum eine Überlebenschance: "Man muss sich zu Stämmen zusammenschließen", sagt Ralf Kunze, Systemwissenschaftler an der Universität Osnabrück. "Das ist wie im richtigen Leben auch."

Der Clan der Uga-Agga-Spieler hat sich mittlerweile zu einer veritablen Streitmacht ausgewachsen. 6000 registrierte Teilnehmer machen regelmäßig bei dem kostenlosen Internetspiel mit: Sie bilden Banden, protzen vor den Ur-Fegern und prügeln sich mit ihren Rivalen. Ein "Massively Multiplayer Online Game" sei Uga-Agga inzwischen, sagen seine Erfinder.

Jagen und Sammeln in der Praxis

Dabei entspringt das Fun-Strategiespiel mit Rollenspielcharakter ursprünglich einem kleinen Projekt für teamorientiertes Programmieren an der Universität Osnabrück. Die Studenten des Fachbereichs Informatik und Mathematik waren es leid, ihre Fähigkeiten immer nur in Trockenübungen zu schulen. Eine Gruppe setzte die Spielidee des Cognitive-Science-Studenten Sascha Lange in die Praxis um. "Durch die hohe Spielerzahl können die Studenten an Herausforderungen arbeiten, die im normalen Lehrbetrieb nur schlecht zu simulieren wären", sagt Kunze, der das Projekt betreut.

Entwicklerteam von Uga-Agga: "Komplettpaket für Existenzgründer

Entwicklerteam von Uga-Agga: "Komplettpaket für Existenzgründer

Die Studenten blieben nicht beim Programmieren stehen. Die Urzeit-Adepten richteten einen Internet-Auftritt ein, der rechtlich abgesichert werden musste. Sie entwarfen Sicherheitswerkzeuge gegen Schummler und Hacker und kümmerten sich um Sponsoren, die das Projekt unterstützen sollten. So beschäftigten sie sich automatisch auch mit Gesellschaftsrecht, Unternehmensfinanzierung und Marketing. "Uga-Agga bietet sozusagen ein Komplettpaket für Existenzgründer und angehende Unternehmer", sagt Kunze. Inzwischen gibt es im Online-Shop Uga-Agga-Käppis, -Feuerzeuge und -Mousepads zu kaufen.

Einige Studenten entwickelten in Bachelorarbeiten Elemente des Spieles weiter oder knüpfen gar ihre berufliche Zukunft an Uga-Agga: Absolventen des Osnabrücker Studiengangs entwerfen zurzeit Zusatzkonzepte und neue Varianten für das Internetspiel, die später zusätzlich zur weiterhin kostenfreien Grundversion verkauft werden sollen. "Aufgrund der schlechten Joblage sind insbesondere diejenigen hoch motiviert, die mit ihrem Studium fertig sind und im Augenblick keine anderen Berufsperspektiven sehen", erklärt Kunze. Eine Hamburger Firma will in das Spiel investieren und die von den Studenten weiterentwickelten Elemente nach einer Testphase auf den Markt bringen.

Auch die Universität Osnabrück, die das Projekt inzwischen mit einem Förderpreis bedacht hat, scheint von dem virtuellen Gekeile zu profitieren: Beim Tag der offenen Tür habe er etliche Anfragen von Abiturienten erhalten, berichtet Kunze. "Wenn ich hier Informatik studiere, kann ich dann bei Uga-Agga mitmachen?"

Von Jan Friedmann



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