Stipendien "Du studierst, wir zahlen"

Ein Überflieger zu sein, hilft bei der Bewerbung. Notwendig ist es nicht: Die großen Begabtenförderungswerke geben auch normalen Studenten Stipendien. Sie erwarten aber eine gewisse weltanschauliche Nähe.


Miete zahlen, Bücher kaufen, Kühlschrank auffüllen - Studieren ist teuer. Wer schnell voran kommt und seinen Master-Abschluss in zehn Semestern schafft, braucht etwa 40.000 Euro. Der vom statistischen Bundesamt ermittelte Monatsbedarf von knapp 700 Euro schwankt dabei stark nach Studienfach und -ort. Studenten in Hessen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und dem Saarland müssen außerdem Studiengebühren von in der Regel 500 Euro pro Semester bezahlen.

Für viele Studenten nicht selbstverständlich: ein voller Kühlschrank
DDP

Für viele Studenten nicht selbstverständlich: ein voller Kühlschrank

Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks suchen sich 70 Prozent der Studenten daher einen oder mehrere Nebenjobs. Bafög bekommt derzeit jeder vierte der knapp zwei Millionen eingeschriebenen Studenten. Bei den meisten anderen springen die Eltern ein. Eine kleine, aber wachsende Zahl nimmt einen Studienkredit auf: Die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergab im letzten Jahr rund 20.000 Förderkredite.

Doch es gibt noch eine andere Möglichkeit, an das nötige Geld zu kommen: ein Stipendium. "Du studierst! Wir zahlen" ist auf der Webseite der Hans-Böckler-Stiftung zu lesen. "Begabte junge Menschen aus Familien, die sich ein Studium ihrer Kinder nicht leisten können" werden gefördert.

Die Chancen stehen nicht schlecht

Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung kann man sich bis 1. Juli bewerben. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung sind Bewerbungen ständig möglich, allerdings dauert die Bearbeitung der Anträge etwa sechs Monate. Die meisten der elf anderen Begabtenförderungswerke in Deutschland fördern Studenten erst, wenn sie schon eine Weile studiert haben. Sie sollen mindestens im zweiten Semester sein.

Die Höhe des Stipendiums richtet sich nach dem Bafög-Anspruch. Sie ist bei allen Stipendien auf 525 Euro und ein Büchergeld von 80 Euro beschränkt. Studenten, die bereits eine eigene Familie haben, bekommen mehr. Wer kein BaföG bekommt, weil das Einkommen oder Vermögen der Eltern zu hoch ist, geht auch beim Stipendium leer aus. Er bekommt aber Büchergeld.

Teures Studentenleben: Kosten nach Fächern
IDW

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Die Vorteile einer Förderung: Im Gegensatz zum Bafög muss das Geld nicht zurückgezahlt werden. Die Stipendienwerke bieten zahlreiche Austausch- und Kontaktmöglichkeiten. Außerdem spricht ein Stipendium im Lebenslauf für überdurchschnittliche Leistungen und hohes Engagement.

Die Chancen, gefördert zu werden, sind besser als häufig gedacht. Bei der Friedrich-Ebert-Stiftung etwa gehen jährlich rund 1800 Anträge ein, von denen 400 bis 450 erfolgreich sind. Bei der Auswahl der Stipendiaten achten alle genannten Stiftungen nicht nur auf den Zeugnisdurchschnitt, sondern mindestens ebenso stark darauf, ob der Bewerber zum Profil der Stiftung passt. Die Böckler-Stiftung legt zum Beispiel Wert darauf, dass Bewerber "gesellschaftspolitisch im Sinne gewerkschaftlicher Grundwerte" aktiv sind.

kat/ddp

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