Stipendien in Serie Bauen für die eine Welt

Das katholische Cusanuswerk ist mehr als nur ein frommer Gebetszirkel für Stipendiaten. Mit Cusanus-Unterstützung studiert Marc Kückmann Bauingenieurwesen in Braunschweig. Und spielt in Münster noch manchmal Messdiener.

Von Britta Heidemann


Nein, das ist kein Verein der Theologie-Studenten. Marc Kückmann, 24 Jahre alt und seit knapp drei Jahren Stipendiat des katholischen Cusanuswerks, kennt die Vorurteile. Und begegnet ihnen mit seinem eigenen Beispiel: "Ich studiere Bauingenieurwesen in Braunschweig, im 8. Semester."

Kein Theologen-Verein: Marc Kückmann (rechts) mit seinen Cusanus-Kollegen vom Studierendenvorstand

Kein Theologen-Verein: Marc Kückmann (rechts) mit seinen Cusanus-Kollegen vom Studierendenvorstand

Doch natürlich war Stipendiat Marc Kückmann der katholischen Kirche früh verbunden. Schon in seiner Heimatstadt Münster engagierte er sich in der Gemeinde, als Messdiener und Leiter von Jugendgruppen. In Braunschweig baute er den Eine-Welt-Laden mit auf, ist im Sprecherrat der katholischen Hochschulgemeinde - und auch in der Evangelischen Studentengemeinde - aktiv.

Auf die Idee, sich beim Cusanuswerk zu bewerben, wäre er trotz allem niemals alleine gekommen. "Eines Tages haben mich Cusaner aus Münster angesprochen, mir vom Stipendienprogramm erzählt - das Profil der Stiftung gefiel mir." So früh wie möglich bewarb er sich. Und fand das Auswahlverfahren "sehr angenehm": "Man benötigt zwei wissenschaftliche und ein seelsorgerisches Gutachten" - letzteres wird von der Hochschulgemeinde ausgestellt. Beim Auswahlgespräch sei "vernünftig-kritische Einstellung" allemal gefragter als blinde Gottgläubigkeit.

Themen jenseits des fachlichen Tellerrands

Als "Cusaner" schätzt er besonders die Möglichkeit, sich mit fachfremden Wissensgebieten zu beschäftigen: "Die Themen, die mit meinem Fach zu tun haben, bekomme ich durch mein Studium vermittelt." Andere Welten erschließen dagegen die Ferienakademien. An zwei Kursen nahm Marc Kückmann bisher teil: Das Thema "Tragik und Komik am Ende des 20. Jahrhunderts" wurde vor dem Hintergrund der Weltkriegs-Schrecken diskutiert, das Thema "Das Böse" philosophisch beleuchtet.

Neben den Akademien gehören auch Besinnungstage und Exerzitien zum Jahresprogramm. Diese sind, wie Cusanus-Pressesprecher Udo Gierlich betont, "kein Pflichtprogramm, sondern ein Angebot der geistlichen Begleitung".

Mehr Rechte als Pflichten für die Stipendiaten? "Die Sommerakademien werden von der Bildungskommission erarbeitet, in der fünf Stipendiaten sitzen. Jedes Jahr nach Pfingsten stimmt die stipendiatische Vollversammlung darüber ab", erläutert Kückmann. Diese demokratischen Strukturen, das sei etwas Besonderes: "Wir haben schon oft den Kontakt zu anderen Studienwerken gesucht, aber es ist schwierig, auf Bundesebene einen Ansprechpartner unter den Stipendiaten zu finden."

Medizin und Jura stark vertreten

Einzig der "ökumenische Dialog" mit Haus Villigst funktioniert gut. Marc Kückmann war sogar bei der Delegiertenkonferenz des evangelischen Studienwerkes dabei, als Vorstandsmitglied der Stipendiatenschaft. "Wir sind zu dritt im Vorstand - außer mir sind da noch ein Mediziner und eine Chemikerin" - keine Theologen, auch hier. "Die am stärksten vertretenen Fachrichtungen unter den Stipendiaten sind übrigens Medizin und Jura."

Im Herbst geht Marc Kückmann für ein Jahr in die USA, um an einer Ingenieurschule in Indiana den Master zu machen - gefördert mit einem Fulbright-Stipendium. Danach wird er in Braunschweig die Diplomarbeit schreiben. Und danach? Gibt es viele Optionen. "Zum Beispiel könnte ich mir vorstellen, in einem Schwellenland beim Aufbau von Entwicklungsprojekten mitzuwirken."

Alle Informationen zum Cusanus-Werk:
Bewerbung, Anforderungen, Auswahltermine

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